Nicaragua: Das traurige Schicksal von Marianita
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NicaraguaDas traurige Schicksal von Marianita

In Nicaragua löst der Fall der 12-jährigen Marianita eine Debatte zum Thema Abtreibung aus: Abtreiben ist im mittelamerikanischen Land illegal – doch Marianita ist ein ganz besonderer Fall.

Das Mädchen ist von ihrem eigenen Vater geschwängert worden. Jetzt, in der 24. Schwangerschaftswoche, erkrankte die 12-Jährige an einer schweren Lungenentzündung. Die Ärzte sehen nur eine Möglichkeit, ihr Leben zu retten: Marianita muss abtreiben.

Doch so einfach ist das im streng katholischen Nicaragua nicht: Abtreibungen sind strikt verboten. Keiner der behandelnden Ärzte will den Eingriff an der 12-Jährigen durchführen. Würden sie es tun, drohte den Medizinern bis zu zehn Jahren Gefängnis. Ausserdem würde ihnen die Ärztelizenz entzogen werden.

Eine lange Missbrauchsgeschichte

Das Leiden des Mädchens hat eine lange Geschichte. Ihr Vater begann bereits vor mehreren Jahren das Kind sexuell zu missbrauchen. Als Marianita schwanger und ihre Geschichte öffentlich wurde, nahm sich der Mann das Leben. Ihre Mutter sah ihre Tochter als die Schuldige im familiären Drama und setzte sie aus. Als das Mädchen schwer erkrankte, weigerte sich die Mutter sogar, sie ins Spital zu bringen. Schliesslich wurde das Mädchen in die Hauptstadt Managua gebracht.

Für die Ärzte des Spitals Bertha Calderón de Managua war die Diagnose sofort klar: «Wir müssen die Schwangerschaft unterbrechen.» Doch sie erhielten vom Gesundheitsministerium keinen Rückenwind. «Es ist eine Risikoschwangerschaft, weil sie über die 13. Woche hinaus ist», erklärte einer der behandelnden Ärzte, der anonym bleiben wollte, gegenüber der Tageszeitung «El Nuevo Diario». «Was hier gemacht werden sollte, ist die Schwangerschaft unterbrechen, damit man der Mutter mehr Chancen zum Überleben gibt. Jeden Tag wächst das Risiko.»

Marianita schwebt immer noch ins Lebensgefahr, doch niemand getraut sich, etwas zu unternehmen. «Nachdem die therapeutische Abtreibung in Nicaragua verboten wurde, arbeiten Frauenärzte unter viel Druck. Wir halten uns streng an die Anweisungen der Spitalleitung.»

«Familiäre Angelegenheit»

Doch trotz der dramatischen Situation, scheint auch die Spitalleitung vorsichtig zu handeln. Auf die Frage, warum in einem solchen Fall eine Abtreibung doch nicht durchgeführt werde, sagte die Direktorin: «Wir geben dem Mädchen alle mögliche Behandlungen. Hier handelt es sich um eine familiäre Angelegenheit.» Dass das Mädchen verlassen wurde, spiele für sie keine Rolle.

Nun engagieren sich die Ärzte und die Öffentlichkeit, um Marianita zu helfen. «Das Mädchen ist jetzt ganz auf sich gestellt. Wir versuchen Hilfe über das Familienministerium zu organisieren, doch bis jetzt ist nicht viel passiert», erzählte eine Quelle der Zeitung.

kle

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