Umsiedlung geplant: Das Tumor-Dorf in Kappadokien
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Umsiedlung geplantDas Tumor-Dorf in Kappadokien

Spektakuläre Steinformationen ziehen Touristen ins türkische Kappadokien. In der Nähe der Naturwunder befindet sich jedoch auch das Dorf Tuzkoy. Hier bringt der Fels vor allem den Tod.

von
Burhan Ozbilici
AP

Im türkischen Dorf Tuzkoy stirbt die Hälfte der Menschen an Krebs. (Quelle: APTN Video)

Die mit Abstand häufigste Todesursache in Tuzkoy ist eine seltene Krebsart: das Mesotheliom. Der Friedhof des verarmten Dorfes ist voll. Und jeder zweite, der dort liegt, ist an dieser Tumorerkrankung gestorben.

Ausgelöst wird sie durch ein Mineral, das in der Region im Überfluss vorhanden ist. Die Behörden sind alarmiert. Die Umsiedlung steht kurz bevor. «Der Plan ist der, das gesamt Dorf zu zerstören und unter einer 1,5 Meter dicken Erdschicht zu begraben», sagt der Bürgermeister Umit Balak.

Kappadokien - Crossgolf und Feentürme

Die türkische Regierung hat noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob Tuzkoy mit Schutt oder gar mit einer festen Teerschicht überdeckt werden soll - oder ob man die Bewohner einfach so vom Ort fernhalten kann.

In den türkischen Medien ist Tuzkoy längst als das «Krebs-Dorf» bekannt. Schon im Jahr 2004 wurde das Gelände offiziell als gefährlich deklariert. 250 Familien sind bereits fortgezogen. Die übrigen 2350 Bewohner sollen auch bald gehen - in umliegenden Dörfern werden derzeit auf Staatskosten neue Häuser gebaut.

«Die Zahl der Mesotheliom-Fälle ist in Tuzkoy 600 bis 800 Mal höher als normal», sagt Murat Tuncer, der im türkischen Gesundheitsministerium für Krebsbekämpfung zuständig ist.

Mineral-Fasern eingeatmet

Der Tumor nistet sich hauptsächlich im Brustfell, dem Herzbeutel und dem Bauchfell ein. Es wird vermutet, dass die Bewohner kleine Fasern des Minerals Erionit einatmen, das in dem Gestein vorkommt, mit dem sie ihre Häuser bauen.

Erionit lagere auch in anderen Regionen der Welt im Erdboden, sagt der türkische Wissenschaftler Izzettin Baris. «In der Türkei befindet es sich jedoch ungewöhnlich dicht unter der Oberfläche.»

Das Mineral wird auch von der Weltgesundheitsorganisation als hochgradig krebserregend eingestuft. Es zeichnet sich allerdings auch dadurch aus, dass es örtlich sehr begrenzt auftritt. Wenige Kilometer von Tuzkoy entfernt besteht kaum noch eine Gefahr. So auch in den rund 35 Kilometer entfernten Touristenzentren Ürgüp und Göreme.

Den Behörden ist das Problem seit mindestens zwei Jahrzehnten bekannt. Die Umsiedlung ist seit 1999 geplant. Häufige Regierungswechsel, finanzielle Schwierigkeiten und bürokratische Hürden haben das Vorhaben jedoch immer wieder hinausgezögert. Dem Gesundheitsministerium zufolge soll «New Tuskoy» im Jahr 2011 nun aber endlich fertig sein.

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