Openair-Saison: Das tun die Festivals gegen Ticket-Betrüger
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Openair-SaisonDas tun die Festivals gegen Ticket-Betrüger

Bald beginnt die Openair-Saison – und damit auch die Zeit der Betrüger und Schwarzmarkthändler. Wie gehen die Festivals dagegen vor?

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num

200 Festivalbesucher musste das Heitere-Openair vergangenes Jahr am Eingang abweisen: Sie hatten von einem Händler gefälschte Tickets gekauft. 30'000 Franken nahm der Mann damit ein. Der Täter zeigte sich danach selbst an und wurde am Dienstag zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt.

Auch der Schwarzmarkt macht den Festivals zu schaffen: Händler kaufen eine Vielzahl an Tickets, nur um sie später zu überteuerten Preisen an verzweifelte Fans zu verkaufen. Beim Openair St. Gallen setzt man deshalb seit zwei Jahren auf ein eigenes Fanportal. Nur dort können eine begrenzte Anzahl Tickets gekauft werden – und zuvor müssen sich die Kunden mit ihrem Namen registrieren.

Adressen werden abgeglichen

Mediensprecherin Sabine Bianchi sagt: «Wir gleichen dann diese Adressen ab, prüfen sie auf Auffälligkeiten, Doubletten oder auf Namen von bekannten Schwarzmarkthändlern und können so den Fälschern und Schwarzmarkthändlern das Leben schwermachen.» Damit habe das Festival Erfolg. Nur noch vereinzelt seien Fans mit gefälschten Tickets am Eingang abgewiesen worden.

Einen Schritt weiter geht das Gurtenfestival. Neu werden die Tickets personalisiert. Auf dem Ticket steht der Name des Inhabers und dieser muss sich am Eingang mit einem persönlichen Ausweis ausweisen. «Die Tickets sind somit fälschungssicher», ist Mediensprecher Simon Haldemann überzeugt.

Tickets können nicht mehr übertragen werden

Allerdings entstehen für den Kunden unter bestimmten Umständen dadurch auch Nachteile. Das kurzfristige Übertragen eines Tickets kurz vor Festivalbeginn ist nicht mehr möglich. Haldemann verspricht, dass man sich aber kulant zeigen werde, wenn jemand wegen besonderer Umstände nicht ans Festival kommen könne.

Am Greenfield-Festival hält man nichts von solchen Massnahmen, wie Geschäftsführer Thomas Dürr sagt. «Wir wollen das Leben unserer Besucher nicht noch schwerer machen und verzichten deshalb auf solche Systeme.» Vor einigen Jahren habe es einen grösseren Fall mit mehreren Betrügern gegeben, seither sei die Zahl der gefälschten Tickets unbedeutend klein. «Wir können einfach immer wieder nur betonen, seine Tickets über lizenzierte Tickethändler zu erwerben.»

Schwarzmarkthändler auf Blacklist

Das rät auch Ken Frank, COO von Starticket. Über die Plattform wickeln einige Festivals, wie das Openair Frauenfeld oder die Musikfestwochen Winterthur ihr Ticketing ab. «Ob es eine Kopie ist oder nicht, sieht man dem Ticket nicht an. Eigentlich sollte das jeden Käufer abschrecken, ein Ticket auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.»

Um diesen einzudämmen, arbeitet auch Starticket mit einer Beschränkung auf die Anzahl erwerbbarer Tickets. Ken Frank: «Zudem gleichen wir die Käufer mit unserer Blacklist mit bekannten Schwarzmarkthändlern ab.»

Fälscher haben sich Bändel vorgenommen

Weil viele Kunden aber nicht mehr auf Ticketfälscher reinfallen, haben einige damit begonnen, die Festival-Bändel zu fälschen. In Frauenfeld gab es 2012 eine Bande, die gefälschte Bändel verkaufte.

Auch am Gurten wollte ein Gast letztes Jahr mit einem falschen Bändel hinein. Mediensprecher Haldemann: «Dieses Jahr haben wir sehr spezielle Bändel, die kaum zu fälschen sind.» Am Openair St. Gallen hat man dieses Problem mit einem im Bändel integrierten Chip ausgemerzt.

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