Sorgen um Rente: Das tun die Jungparteien gegen die AHV-Ängste
Aktualisiert

Sorgen um RenteDas tun die Jungparteien gegen die AHV-Ängste

Die Altersvorsorge macht einer Mehrheit der unter 25-Jährigen Bauchweh. Jungpolitiker präsentieren ihre Rezepte, wie sie die Renten sichern wollen.

von
J. Käser
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Der Bundesrat entscheidet sich dafür, dass der Mindestzins der beruflichen Vorsorge bei 1 Prozent bleibt.

Der Bundesrat entscheidet sich dafür, dass der Mindestzins der beruflichen Vorsorge bei 1 Prozent bleibt.

Keystone/Alessandro Della Valle
53 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz sorgen sich um ihre Rente.

53 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz sorgen sich um ihre Rente.

Keystone/Thomas Delley
Jungparteien wie die JFDP setzen sich dafür ein, dass die Interessen der unter 25-Jährigen in Bern vermehrt berücksichtigt und verstanden werden – so auch im Falle der Altersvorsorge.

Jungparteien wie die JFDP setzen sich dafür ein, dass die Interessen der unter 25-Jährigen in Bern vermehrt berücksichtigt und verstanden werden – so auch im Falle der Altersvorsorge.

Keystone/Manuel Lopez

Laut dem CS-Jugendbarometer ist die Altersvorsorge derzeit die Hauptsorge der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz. 53 Prozent machen sich Sorgen um ihre Rente. Das hat die repräsentative Befragung von 1021 Männern und Frauen ergeben. In den anderen Studien-Ländern, den USA, Brasilien und Singapur, schaffte es die Angst um die Rente nicht in die Top Ten.

Gemäss Manuel Rybach, Leiter Public Affairs and Policy bei der Credit Suisse, haben die abgeschmetterte Reform der Altersvorsorge 2020 sowie die dazugehörige Debatte die Problematik stärker ins Bewusstsein der Jugendlichen gerufen. Rybach vermutet, dass die jungen Leute von den Politikern zeitnahe Lösungen erwarten. Doch welche Rezepte haben die Jungparteien von links bis rechts? Die Präsidenten sagen, wie sie dafür sorgen wollen, dass es auch in ein paar Jahrzehnten noch eine Rente gibt.

«Interessen der Jungen in Bern zu wenig wahrgenommen»

Der Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt, hat an zahlreichen Schulpodien festgestellt, wie stark das Thema bewegt. «Es braucht eine strukturelle Reform, doch die Politiker in Bern weigern sich, nachhaltige Lösungen zu finden.» Die Jungen seien es, die noch am längsten in die AHV einzahlen müssten und schliesslich am wenigsten Gelder ausbezahlt bekommen würden. Die JFDP fordere deshalb eine generationengerechte Vorsorge, bei der sichergestellt werde, dass jeder, der ins System einzahle, auch AHV-Beträge zurückerhalte, so Silberschmidt.

Konkret sollen Anreize geschaffen werden, damit diejenigen, die wollen und können, bis einige Jahre über 65 arbeiten dürften. Zudem sei eine Schuldenbremse erforderlich, die wirke, sobald die AHV zu wenig Geld habe. «Die Stimme und die Interessen der Jungen werden in Bern zu wenig wahrgenommen. Die meisten Parlamentarier sind über 50», sagt der Präsident der Jungfreisinnigen und fordert: «Wir müssen uns mehr zu Wort melden.»

Juso fordert die Volkspension

Anders sieht das Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Ihrer Meinung nach besteht der Konflikt nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen unten und oben. Die Reichsten hätten ein Interesse daran, die AHV austrocknen zu lassen, da man ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr von der Altersvorsorge profitiere. «Die 300 reichsten Schweizer besitzen rund 674 Milliarden Franken und werden laufend noch reicher. Das merken auch die Jungen.»

Die Juso fordere die Abschaffung der Pensionskasse und eine sogenannte Volkspension, die nur aus der AHV bestehe. «Die AHV ist viel gerechter und benachteiligt weder Frauen noch Leute mit tiefem Einkommen», so Funiciello. Die Volkspension solle dafür sorgen, dass alle Menschen rund 5000 Franken pro Monat ausbezahlt bekommen. Eine Erhöhung des Rentenalters lehne die Juso entschieden ab.

Flexibilisierung des Rentenalters gefordert

JSVP-Präsident Benjamin Fischer sagt: «Momentan zahlen wir Jungen für die Alten. Die Altersvorsorge, wie sie jetzt ist, ist ein Versprechen an die jungen Leute, das niemals eingehalten werden kann.» Trotzdem sei er optimistisch, dass sich Jung und Alt bezüglich der Altersvorsorge finden werden. So habe er in letzter Zeit immer mehr ältere Politiker getroffen, die die Sorge der Jugendlichen verstehen würden.

«Wir brauchen ein AHV-System, das in sich funktioniert. Heute werden immer wieder neue, systemfremde Geldquellen hinzugezogen, das ist alles andere als nachhaltig», sagt Fischer. Die JSVP fordere deshalb eine Flexibilisierung des Rentenalters, wobei die Renten je nach Alter bei Renteneintritt tiefer oder höher ausfallen sollten. Zudem befürworte die JSVP eine Senkung des Umwandlungssatzes. Mit dem Umwandlungssatz wird die Höhe der jährlich ausbezahlten Rente in Abhängigkeit von der restlichen Lebenserwartung berechnet.

«Die Jungen müssen kämpfen»

Eine Flexibilisierung des Rentenalters wünscht sich auch Pascal Vuichard, Co-Präsident der JGLP: «Beispielsweise könnte eingeführt werden, dass ab nächstem Jahr jeder pro Jahr, das er noch arbeiten muss, einen Monat länger arbeitet.» Weiter sollte die Branche berücksichtigt werden. Jemand, der sein Leben lang auf dem Bau gearbeitet hat, wird mit 65 nicht mehr gleich fit sein wie jemand in einem KV-Job.

Wie Silberschmidt sieht auch Vuichard den Konflikt zwischen Jung und Alt. Er appelliert deshalb an die jungen Leute: «Wir müssen uns politisch einsetzen und kämpfen, damit die älteren Herren im Ständerat erkennen, dass sie die Interessen der Jugendlichen ernst nehmen und vor allem etwas verändern müssen.»

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