Aktualisiert 04.07.2019 15:45

Bitcoin-Betrug

Das tut 20 Minuten gegen betrügerische Werbung

Fake-Werbung von betrügerischen Bitcoin-Portalen taucht auf Facebook und diversen Medien-Portalen auf. Betroffen ist auch 20 Minuten.

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mm
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Betrügerische Bitcoin-Portale treiben ihr Unwesen: Mit gefälschten Interviews im Layout von Schweizer und deutschen Nachrichtenseiten missbrauchen die Betrüger die Identitäten von Schweizer Prominenten.

Betrügerische Bitcoin-Portale treiben ihr Unwesen: Mit gefälschten Interviews im Layout von Schweizer und deutschen Nachrichtenseiten missbrauchen die Betrüger die Identitäten von Schweizer Prominenten.

Keystone/Alexandra wey
Die Betrugsmasche ist nicht neu, beschränkte sich aber vor allem auf Facebook: Bereits im März kursierte ein gefälschtes Interview mit Roger Federer. Im Artikel warb der Tennisstar angeblich für das Portal «The Bitcoin Code» – natürlich ein Fake.

Die Betrugsmasche ist nicht neu, beschränkte sich aber vor allem auf Facebook: Bereits im März kursierte ein gefälschtes Interview mit Roger Federer. Im Artikel warb der Tennisstar angeblich für das Portal «The Bitcoin Code» – natürlich ein Fake.

Screenshot/S.E.
Weitere Lockvögel sind DJ Bobo und Schawinski, wie «Watson» berichtet. Sie werben unfreiwillig für ein Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht haben soll.

Weitere Lockvögel sind DJ Bobo und Schawinski, wie «Watson» berichtet. Sie werben unfreiwillig für ein Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht haben soll.

Screenshot/Werbung

Nach DJ Bobo, Roger Federer und Roger Schawinski (20 Minuten berichtete) werben betrügerische Bitcoin-Portale mit einem weiteren prominenten Gesicht: Eine Fake-Werbung zu Dieter Bohlens angeblichem Bitcoin-Erfolg soll Leser dazu bringen, auf diesen zwielichtigen Portalen zu investieren.

Während diese Art von gefälschten Anzeigen bisher vor allem auf Facebook kursierte, tauchen sie inzwischen auch auf diversen Medienportalen im In- und Ausland auf. Die Werbeflächen auf 20min.ch sind ebenfalls seit Kurzem davon betroffen.

Mit dieser Fake-Werbung kämpfen momentan alle grösseren Medienportale, sagt Marco Gasser, Leiter Werbeverkauf bei 20 Minuten. «Dies ist in Deutschland bei ‹Spiegel›, ‹Bild› und vielen anderen schon länger Thema. Auch bei 20 Minuten sind wir daran, die betrügerische Werbung zu unterbinden. Wir setzen alles daran, die Fake-Werbung komplett von der Website zu entfernen.»

Wie gelangt die Fake-Werbung auf 20min.ch und was wird dagegen unternommen?

«Diese betrügerische, irreführende Werbung erscheint im gleichen Layout wie ein Artikel auf 20min.ch. Sie kommt wie viele andere reguläre Werbung über einen programmatischen, vollautomatisierten Kanal bei 20 Minuten rein», sagt Gasser. «Entdecken wir eine solche Fake-Werbung auf der Webseite, sperren wir den Absender sofort.»

Dies bestätigt auch Christian Arm, Director Commercial Products bei Tamedia. Es komme sehr selten vor, dass gefälschte Werbung durchkomme, nachdem der Absender identifiziert worden sei. «Dank unserer Brand-Safety-Softwares und unserer aufmerksamen operativen Einheiten sind wir bei 20 Minuten und den anderen Tamedia-Titeln sehr effizient im Ausschliessen betrügerischer Werbung. Es kommt somit lediglich sehr vereinzelt vor, dass unseriöse Werbung auf 20min.ch gelangt», sagt Arm.

Weshalb ist es schwierig, die Betrüger zu stoppen?

Dennoch müsse man sich bewusst sein, dass auch die besten Ausschlussverfahren nicht immer lückenlos seien, so Arm. «Die Identität und genaue Herkunft der betrügerischen Werbung ist ab einem bestimmten Punkt nicht mehr nachvollziehbar.»

Dies bestätigt auch Laura Brand, Projektleiterin bei der Schweizerischen Kriminalprävention SKP. «Die Betrüger verwischen ihre Spuren online sehr geschickt.» Die vorhandenen IP-Adressen würden jeweils verschleiert, beispielsweise mit Hilfe von Umleitungen über Proxy-Server oder mit der Nutzung des Tor-Netzwerks. «So führen die Spuren am Schluss ins Ausland», sagt Brand. Viele Verfahren würden deshalb eingestellt werden.

Wie erkennt man eine Fake-Werbung?

Auf eine besonders perfide Masche der Bitcoin-Betrüger weist Gasser hin: «Sie bauen das 20min.ch-Layout clever nach. Die betrügerische Werbung scheint durch das imitierte Layout vertrauenswürdig und erschwert es dem 20-Minuten-Leser, den Fake zu erkennen.»

Um die Fälschung als solche zu identifizieren, sollten unsere Nutzer deshalb zwingend auf die Qualität des Inhalts achten, so Arm. Auffällig seien auch die URL-Adressen der gefälschten Inhalte. Sie würden nicht wie üblich www.20min.ch anzeigen.

20 Minuten bittet um die Unterstützung durch die Leserinnen und Leser, sich bei Verdacht auf betrügerische Werbung bei

20 Minuten zu melden.

So sollten Sie sich im Internet verhalten

Die Präventionskampagne «Und Sie? Hätten Sie ja gesagt?» der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) macht die Bevölkerung mit folgenden Verhaltensregeln auf die potentiellen Risiken im Internet aufmerksam:

Vertrauen Sie niemandem, den Sie nur über das Internet kennen.

Geben Sie nie Ihre Passwörter oder Ihre amtlichen Dokumente weiter.

Geben Sie nie intime Fotos oder Informationen preis.

Leisten Sie nie eine Vorauszahlung, wenn Sie dem Gegenüber nicht vollständig vertrauen.

Ausserdem sollten die Betroffenen die verwendete Kreditkarte sperren lassen, damit nicht noch mehr Geld wegkommt. Der Verlust kann beim Kreditkartenherausgeber beanstandet werden. Aufgrund der Sorgfaltspflichtverletzung kann es aber sein, dass das Geld nicht zurückerstattet wird.

So funktioniert die Betrugsmasche

Die Betreiber benutzen das Layout bekannter Newsseiten wie Spiegel.de und 20min.ch und veröffentlichen gefälschte Interviews mit Prominenten, die für das Bitcoin-Portal werben. Diese Interviews sollen Leser dazu bringen, sich auf dem Portal anzumelden. Laut dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» melde sich danach ein seriös und vertrauenswürdig klingender «Kundenberater» per Telefon und überrede die Betroffenen zur Zahlung von 250 Euro per Kreditkarte. Das investierte Geld vermehre sich dann eine Zeit lang wie von selbst, bis die Internetseite mit dem persönlichen Konto und der «Kundenberater» irgendwann nicht mehr erreichbar sei.

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