06.06.2018 15:03

Seltsame Erscheinungen

Das ungelöste Mysterium der Kornkreise

Trotz des grossen Interesses gewisser Gruppen an Kornkreisen sind handfeste Erklärungen für das Phänomen rar.

von
jcg
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Die Kornkreishochburg ist bis heute Südengland, vor allem die Gegend um die mystischen Stätten  Stonehenge und Avebury. Aber auch in den USA, Japan, Indien und natürlich der Schweiz sind schon Kornkreise aufgetaucht. (Im Bild: Kornkreise in Wiltshire, England,1985)

Die Kornkreishochburg ist bis heute Südengland, vor allem die Gegend um die mystischen Stätten Stonehenge und Avebury. Aber auch in den USA, Japan, Indien und natürlich der Schweiz sind schon Kornkreise aufgetaucht. (Im Bild: Kornkreise in Wiltshire, England,1985)

Getty Images/Chris Wood
Die Kornkreissaison dauert von April bis September, also die Zeit, in der das Getreide wächst. (Im Bild: Kornkreise in Uster 2018)

Die Kornkreissaison dauert von April bis September, also die Zeit, in der das Getreide wächst. (Im Bild: Kornkreise in Uster 2018)

Leser-Reporter
Kornkreise wurden schon in verschiedensten Feldern gefunden: Weizen, Mais, Hafer, Reis, Raps, Gerste, Roggen und Tabak. (Im Bild: Kornkreise bei Delley-Portalban am Neuenburgersee, 2017)

Kornkreise wurden schon in verschiedensten Feldern gefunden: Weizen, Mais, Hafer, Reis, Raps, Gerste, Roggen und Tabak. (Im Bild: Kornkreise bei Delley-Portalban am Neuenburgersee, 2017)

Leser-Reporter

Eines haben Kornkreise den UFOs, Geistern und Yetis voraus: Sie können nicht wegdiskutiert werden. Denn sie sind für jeden besuchbar und auf perfekt scharfen Aufnahmen dokumentiert. Trotzdem bleiben sie für viele Menschen mysteriös und regen die Fantasie interessierter Kreise an. Und nach wie vor steht eine zentrale Frage im Raum: Wer oder was erschafft die Kornkreise?

Zunächst gilt es festzuhalten, dass Kornkreise ein neueres Phänomen sind. Zwar glauben einige, in einem Holzschnitt von 1678 die Abbildung eines Kornkreises zu erkennen, tatsächlich handelt es sich dabei aber um die Darstellung einer englischen Bauernlegende. Die Kornkreise, wie wir sie heute kennen, tauchten Ende der 1970er-Jahre erstmals in Südengland auf. Und waren komplett irdischen Ursprungs, ja sogar menschengemacht. 1991 gaben die beiden Künstler Doug Bower und Dave Chorley zu, dass sie aus Jux über die Jahre Hunderte Kornkreise angelegt hatten.

Sie erklärten auch, wie sie die Kornkreise geschaffen hatten. Sie nutzten ein Brett, an dem zwei Seile befestigt waren. Mit den Händen hielten sie diese fest und mit einem Fuss auf dem Brett drückten sie die Pflanzen nieder, ohne sie abzuknicken. Bis heute ist es ein Merkmal der Kornkreise, dass das Getreide gebogen, aber nicht gebrochen ist.

Künstler mit Mikrowellensendern?

Doch natürlich stammen nicht alle Kornkreise von Doug und Dave. Obwohl sie immer noch grösstenteils in Südengland anzutreffen sind, tauchten Kornkreise seither in Dutzenden Ländern auf. Von wem stammen diese? Wieder gibt es nur eine wahrscheinliche Antwort: Von Menschen. Und zwar von ziemlich begabten. Denn während die Kornkreise von Doug und Dave recht einfach waren, nahmen die Kornkreise mit der Zeit immer ausgefeiltere Formen an. Oft stellen sie komplexe geometrische Muster dar, wie jene Kornkreise, die im Juli 1996 nahe Stonehenge entdeckt wurden. Sie zeigten ein fraktales Muster, eine sogenannte Julia-Menge.

Doch können Menschen wirklich solch komplexe Formen mit einer derartigen Präzision in jeweils nur einer Nacht anlegen, ohne dabei Spuren zu hinterlassen? Davon ist zumindest der Physiker Richard Taylor überzeugt. Er hält die Kornkreise für eine Kunstform, die von Doug und Dave begründet wurde. Und weil die Kunst davon profitiert, wenn sie eine Aura des Mysteriösen umgibt, wie etwa bei Banksy, würden die meisten Kornkreiskünstler so viel Wert auf Geheimniskrämerei legen.

Bekanntheit erlangte Taylor, weil er sich Gedanken dazu machte, wie die Pflanzen gebogen werden konnten, ohne sie zu brechen. Und zwar auf eine ausgefeiltere Weise als mit einem Holzbrett. Er könnte sich vorstellen, dass die Künstler, wie er sie in einem Interview in «Popular Mechanics» nennt, tragbare Mikrowellen-Sender benutzen. Frühere Studien hätten nämlich ergeben, dass man Pflanzen umlegen kann, wenn man den Stamm mit Mikrowellen stark erhitzt und die Zellstruktur zerstört. Er betonte im Interview allerdings, dass er nicht wisse, ob das wirklich so gemacht werde.

Elektrisch geladene Wirbelwinde?

Selbst die meisten Cereologen, wie sich die Kornkreisfreunde selber nennen, geben zu, dass die überwiegende Mehrheit der Kornkreise von Menschen stammt. Es gebe aber dennoch einige, die unmöglich von Menschen gemacht worden sein können. Doch wie können sie sonst entstanden sein?

Kornkreise in Uster Anfang Juni 2018 (Video: Leser-Reporter)

Für die Frage gibt es unzählige Erklärungsversuche, die eines gemeinsam haben. Sie lassen sich nicht belegen. Weitverbreitet ist die Theorie, dass Ausserirdische hinter den Kornkreisen stecken. Wie ernst man das nimmt, hängt in erster Linie davon ab, wie stark man davon überzeugt ist, dass Aliens regelmässig die Erde besuchen oder gar unter uns leben.

Terence Meaden, ein englischer Physiker und Meteorologe, erklärte in den 1980er-Jahren, dass elektrisch aufgeladene Wirbelwinde für die plattgedrückten Pflanzen verantwortlich seien. Seine Plasma-Vortex-Theorie war allerdings immer schwieriger aufrechtzuerhalten, je ausgefeilter die Kornkreise wurden. Schliesslich musste er einräumen, dass diese komplexen Muster von Menschen angelegt wurden.

Menschliche Zeitreisende?

Auch Energie aus den Tiefen der Erde wurde als Ursache herangezogen, möglicherweise in Form von elektromagnetischer Strahlung. Tatsächlich wurden in Kornkreisen schon starke Magnetfelder gemessen, Besucher berichteten von einem Kribbeln in ihrem Körper. Wasseradern, Energielinien oder Kugelblitze wurden ebenfalls für die Entstehung der Kornkreise verantwortlich gemacht.

Von Wegweisern für menschliche Zeitreisende war auch schon die Rede, ebenso von einer globalen psychischen Macht, die sich in den Kornkreisen manifestiert. Doch wie gesagt, belegen lässt sich das alles nicht. Und so bleibt der Mensch, zumindest vorläufig, der wahrscheinlichste Urheber dieses Phänomens.

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