Whistleblowerinnen: «Das Urteil hat viele positive Seiten»
Aktualisiert

Whistleblowerinnen«Das Urteil hat viele positive Seiten»

Das Obergericht habe im Fall der beiden Missbrauchs-Informantinnen ein sorgfältiges Urteil gefällt, sagt ihr Anwalt.

von
Lukas Mäder

«Ich könnte mit dem Urteil leben»: Esther Wyler, ehemalige Mitarbeiterin des Sozialdepartements nach dem Schuldspruch durch das Obergericht.

Mit dem Schuldspruch des Zürcher Obergerichts ist der Anwalt Valentin Landmann nicht unglücklich. «Wir hätten uns natürlich gefreut über einen echten Freispruch», sagt der Vertreter der beiden Whistleblowerinnen Margrit Zopfi und Esther Wyler zu 20 Minuten Online. Doch die Richter hätten festgehalten, dass die beiden früheren Mitarbeiterinnen des Sozialdepartements berechtigte öffentliche Interessen gewahrt hätten. Sie wandten sich 2007 an die «Weltwoche» mit internen Dokumenten, die Fälle von Sozialmissbrauch belegten. Innerhalb ihres Departements hätten die beiden keine Anlaufstelle mehr gehabt, kommt das Gericht zum Schluss. Es fand aber, sie hätten sich nicht an die Medien wenden müssen. Mit dem Gemeinderat oder dem Statthalter habe es andere Möglichkeiten gegeben. «Das Obergericht hat damit eine sehr hohe Schwelle für Whistleblower angesetzt», sagt Landmann.

Ob er und seine Mandantinnen das Urteil an das Bundesgericht weiterziehen werden, ist keineswegs sicher. «Das Urteil hat viele positive Seiten», sagt Landmann. Das Obergericht habe sorgfältig geurteilt und den Angeklagten viele Punkte zugute gehalten. «Zudem ist die Strafe milde ausgefallen», sagt er. Ein Grund dafür sei neben den berechtigten öffentlichen Interessen und den fehlenden Anlaufstellen im Departement auch gewesen, dass die beiden Frauen nicht eigennützig gehandelt haben. «Das ist sehr viel», sagt Landmann. Er werde deshalb zusammen mit seinen Mandantinnen in Ruhe überlegen, ob sie das Urteil weiterziehen werden.

«Whistleblowerinnen sind prozessmüde»

In einer ersten Reaktion äusserte sich die heute 51-jährige Esther Wyler ähnlich wie ihr Anwalt: «Ich bin nicht unglücklich.» Sie fühle sich teilweise vom Gericht verstanden, «aber ich werde das mit meinem Anwalt noch besprechen müssen.» Das Urteil zuerst verdauen muss Zopfi. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte sie zu Keystone. Ob sie das Urteil weiterziehen werden, müsse sie mit dem Anwalt besprochen. Von diesem kommen relativ eindeutige Signale: «Meine Mandantinnen sind langsam prozessmüde.» Ein solches Verfahren sei eine Belastung.

Die verurteilte Margrit Zopfi zeigt sich enttäuscht vom Urteil:

(Mitarbeit: att)

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