Aktualisiert 06.07.2016 17:03

Kleinkind misshandelt«Das Urvertrauen des Kindes wurde gestört»

Ein 30-Jähriger soll ein einjähriges Kleinkind wiederholt schwerst misshandelt haben. Laut Ostschweizer Experten hat er damit das Urvertrauen des Kindes gestört.

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taw
Das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden. (Bild: ar.ch)

Das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden. (Bild: ar.ch)

«Die genauen Folgen sind schwierig abzuschätzen, klar ist jedoch, dass so etwas bei einem Kind immer traumatische Narben hinterlässt», sagt Josef Laimbacher, Chefarzt der Jugendmedizin am Ostschweizer Kinderspital. Dem stimmt auch Suzanne Erb zu, Ärztliche Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD St. Gallen): «Wir können nur die bestmöglichen Bedingungen für die zukünftige Entwicklung des Kindes schaffen.»

Die Experten beziehen sich dabei auf den Fall eines etwa einjährigen Kindes, das von einem 30-jährigen Mann wiederholt sadistisch gequält wurde. Das Kleinkind wurde geschüttelt, zu Boden geschleudert, geohrfeigt, geschlagen und verbrüht. Zudem füllte der 30-Jährige dem Jungen Bier in seinen Schoppen, fütterte ihn mit heissem Essen und fuhr ihn sogar mit dem Auto um. Der Täter musste sich am Montag vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht verantworten. Dieses wollte ihn in einem abgekürzten Verfahren zu 32 Monaten Haft verurteile, die zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden sollten. Der Angeklagte wehrte sich dagegen.

«Ein Kind in diesem jungen Alter kann sich zwar nicht im Detail an die Taten erinnern, es weiss aber, dass ihm etwas passiert ist, was nicht richtig ist», so Laimbacher. Nur könne es das, anders als etwa ein Schulkind oder ein Erwachsener, nicht richtig einordnen, weil die Erinnerung an Sprache gekoppelt ist und diese bei einem Kleinkind noch nicht vollständig ausgebildet ist. Laut Laimbacher wurde durch die Misshandlungen das Urvertrauen des Kindes massiv gestört: «Im ersten Lebensjahr wird vieles, was menschliche Bindungen angeht, ausgebildet. So etwa das Vertrauen zu Bezugspersonen.»

Langzeitbetreuung wichtig

Laut Erb ist nach so einem Fall eine gute Betreuung nicht nur des Kindes, sondern auch seiner unmittelbarer Bezugspersonen das Allerwichtigste. «Das Kind braucht eine sichere Umgebung, einen geregelten Tagesablauf und eine konstante und tragfähige Bezugsperson», so Erb. Normalität sei wichtig, man müsse das Kind nicht überbehüten, aber wachsam sein. Ganz wichtig: «Das Kind sollte keine weiteren grösseren Belastungen erleben, denn das würde seine Prognose deutlich verschlechtern.»

Auch Laimbacher betont die Wichtigkeit einer Betreuung. Er hält eine multiprofessionelle Langzeitbetreuung für angebracht, denn auch körperliche Folgen wie etwa neurologische Schäden durch das Schütteln seien möglich.

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