Aktualisiert 31.10.2011 14:34

Extrem-Wetter in den USA«Das US-Schnee-Chaos beeinflusst unser Wetter»

Noch nie ist der Winter so früh über die US-Ostküste hergefallen. Ein Klimaforscher erklärt die Ursache dieses Phänomens - und warum wir in der Schweiz davon profitieren.

von
fum

So etwas hat New York noch nie erlebt: Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es im Oktober erst zweimal geschneit, solche Schneemassen, wie sie am Wochenende fielen, wurden noch gar nie registriert. Der Schneesturm sorgte aber längst nicht nur im Big Apple für Chaos, in Massachusetts, New Jersey, Connecticut musste der Notstand ausgerufen werden. Mehr als 3.2 Millionen Haushalte und Unternehmen waren von der Stromversorgung abgeschnitten, mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Heinz Wanner, emeritierter Professor für Klimatologie an der Uni Bern und Mitglied des UNO-Klimarates, erklärt gegenüber 20 Minuten Online das Wetterphänomen – und dessen Auswirkungen auf die Schweiz.

Herr Wanner, wie ist ein solches Extrem-Wetter wie an der US-Ostküste klimatologisch zu erklären?

Man muss sich dies so vorstellen, dass aus dem Polargebiet regelmässig Kaltluft wellenförmig Richtung Süden wandert. Nun ist diese zyklonale Welle einfach besonders tief in den Süden vorgedrungen, was für diese Jahreszeit ungewöhnlich ist.

Kann man von einem Jahrhundertereignis sprechen?

Das mag es für die betroffene Region sein. Man muss sich aber bewusst sein, dass praktisch alle zehn Tage irgendwo auf der Welt ein klimatologisches Extrem-Ereignis passiert. Wirklich überrascht hat es mich also nicht, interessant ist aber allemal.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Es hat heute mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre, was auf die menschliche Zivilisation zurückzuführen ist. Insofern gibt es mehr «Nervosität» im Klima und die Ausreisser werden zunehmen. Das lässt sich allerdings nicht auf den Einzelfall reduzieren. Der Einfluss des Klimawandels auf mittlere Klima-Ereignisse kann relativ gut berechnet werden – wie er sich auf Extrem-Ereignisse wie Stürme auswirkt, ist aber noch sehr unklar. Da steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen.

Bestimmt die US-Grosswetterlage auch das Wetter in der Schweiz?

Ja. Vor und hinter den erwähnten Tiefdruck-Wellen entstehen häufig Hochdruck-Gebiete, man kennt sie auch unter dem Begriff Omega-Hoch. Diese sind dafür verantwortlich, dass wir in der Schweiz derzeit verhältnismässig milde Temperaturen haben.

Ein derart früher Wintereinbruch wie nun an der US-Ostküste wäre aber auch bei uns möglich.

Das passiert auch immer wieder. Ich kann mich erinnern, dass in den Siebzigerjahren im Mittelland über mehrere Jahre bereits im September Schnee fiel. Dies hat dann auch dazu geführt, dass – bedingt durch die normale Verzögerung zwischen Hochgebirge und Gletscherzunge – zu Beginn der Achtzigerjahre die Gletscher ganz leicht anwuchsen. Das sind dann Schwingungen, die den allgemeinen Trend überlagern.

Hängen gar die Hochwasser in Südostasien mit den Schneestürmen in den USA zusammen?

Da bin ich überfragt, das müsste man genau untersuchen. Die Wetter-Kopplung zwischen den USA und Asien ist aber sehr trickreich. Mit dem Himalaya-Gebirge, den Monsun-Niederschlägen und dem El Niño etc. gibt es sehr viele Faktoren, die mitspielen.

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