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Hinter verschlossenen TürenDas verglaste Raumschiff auf dem Uetliberg

Er steckt wie eine Nadel im Uetliberg, der Sendeturm der Swisscom Broadcast AG. Weit herum ist der 186,7 Meter hohe Mast zu sehen.

von
Tina Fassbind

Selbst in der Nacht leuchten die roten Warnlampen als Landmarken vom Zürcher Hausberg herab. Wird die Sicht schlecht, beginnt die orange Drehspiegelleuchte an der Turmspitze zu blinken. Der Sendeturm ist längst zum Erkennungsmerkmal der Stadt geworden.

Dort werden unter anderem Gerätschaften des ehemaligen Landessenders Beromünster aufbewahrt. Auch sind noch Anlagen installiert, über die Fernsehsendungen der ersten Stunde verbreitet wurden.

Erinnerungsstücke an die Gründerzeit

«1953 wurden von hier aus drei Stunden pro Woche TV-Sendungen ausgestrahlt. Später hat man das Programm auf je eine Stunde an fünf Tagen pro Woche ausgedehnt», erklärt Beat Gottschall, der für den Unterhalt der Sendeanlagen zuständig ist. Falls das Experiment Fernsehen nicht funktioniert hätte, wäre der Turm abgebaut und die Sendestation kurzerhand in eine weitere Försterstation für das Revier Uetliberg umfunktioniert worden. «So viel zum Vertrauen, das man damals in diese neue technische Entwicklung hatte», fügt Gottschall lachend hinzu.

In den Gründerzeiten war es noch notwendig, dass die Anlage jeweils bis Sendeschluss besetzt war. Doch das ist längst passé. Die Küche und der Aufenthaltsraum von damals wirken heute unbenutzt. «Hier wird nur noch ab und zu Kaffee gemacht», sagt Gottschall. Die Digitalisierung hielt kontinuierlich Einzug in der Sendestation. 2007 wurde das analoge Fernsehen endgültig ausgeschaltet.

Auch der Sendemast hat sich verändert. Bereits 1958 wurde der ursprüngliche Turm aus dem Jahr 1953 durch einen höheren ersetzt. 1968 wurde der Sendeturm erneut erhöht – auf 132 Meter. 1987 schliesslich wurde mit dem Bau der heutigen Sendeanlage begonnen. Im Mai 1990 konnte sie in Betrieb genommen werden.

Ein verglastes Raumschiff

Die Sendestation Uetliberg ist eine von über 500 der Swisscom Broadcast AG in der Schweiz. Rund 100 Mitarbeiter sind für die Wartung dieser Stationen zuständig. Gottschall ist einer von ihnen. «Es ist ein echter Traumjob», meint er, während er durch den unterirdischen Gang zum Sockel des Sendeturms läuft. «Man ist fast täglich an einem anderen Ort und arbeitet vor den herrlichsten Kulissen.»

Nach einer kurzen Liftfahrt bis zur sogenannten Richtfunkkanzel des Turms wird einem klar, was Gottschall meint: Plötzlich liegt einem ganz Zürich zu Füssen. Wie ein verglastes Raumschiff schwebt die Kanzel über der Stadt und den sanften Hügelketten des Uetlibergs. Der Herbstnebel gibt die Sicht zwar nur häppchenweise frei, das Spiel aus Licht und Wolken verleihen der Szenerie aber umso mehr Dramatik.

Die Terrasse auf dem Sendeturm

Drei gewaltige Richtfunkantennen und ein paar Schalttafeln stehen in der Kanzel – daneben ein simpler Telefonapparat. Der Anschluss mit der wohl schönsten Aussicht von Zürich. Kein Wunder also, nimmt Gottschall die Gelegenheit wahr, um noch kurz einen Anruf zu tätigen, bevor er als krönenden Abschluss der Tour noch den Zugang zur Terrasse über der Kanzel freigibt.

Hier oben, auf 55 Metern Höhe, trübt noch nicht einmal eine getönte Scheibe den atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und die Umgebung. Hierher gelangt man nur über eine steile Leiter. «Selbst geführte Touren dürfen nicht hier hoch. Es wäre viel zu gefährlich», betont Gottschall.

Dieser Artikel erschien als Teil der Serie «Was hinter verschlossenen Türen steckt» im «Tages-Anzeiger» im Jahr 2011.

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