Mongol-Rally 2009: Das verrückteste Autorennen der Welt
Aktualisiert

Mongol-Rally 2009Das verrückteste Autorennen der Welt

Die Welt ist etwas zu sicher geworden, finden die Organisatoren der Mongol-Rally. Darum kämpfen sich 500 Teams über rund 15 000 Kilometer von Europa durch Wüsten, Berge, und Täler bis in die Mongolei. «Die Chance, dass du stirbst, ist sehr hoch», schreibt der Veranstalter. Das macht das Abenteuer für viele aber nur noch interessanter.

von
Reto Fehr

«Dieses Abenteuer ist wahrlich etwas Gefährliches. Wir schreiben hier auf der Website in einer unbeschwerten Art, aber man darf die Risiken des Abenteuers nicht unterschätzen. Die Chance, dass du stirbst, ist sehr hoch. Einige Teams wurden in der Vergangenheit schwer verletzt. Diese Reise ist keine wunderschöne Ferienfahrt», warnt der Organisator auf der offiziellen Homepage. Eigentlich Grund genug, um die Finger von der Mongol-Rally zu lassen. Nicht so für das Team Leopardy mit dem Schweizer Mario Ackermann und dem Briten Paul Cooper. «Ich habe von der Rally im letzten Jahr via 20 Minuten erfahren. Danach habe ich mich informiert und uns angemeldet. Es musste schnell gehen, die Plätze sind sehr begehrt», so Mario Ackermann auf Anfrage von 20 Minuten Online.

«Falls der Göppel abliegt, will ich wenigstens kein schlechtes Gewissen haben»

Was sie alles erwarten wird, ist nicht ganz klar. Der Weg auch nicht wirklich. Aber das ist eigentlich auch egal, denn der Veranstalter erklärt: «Wie ihr ins Ziel kommt, ist euer Problem.» Es gab schon Teilnehmer, die es über Schweden, Finnland und Russland versuchten. Ackermann/Cooper werden voraussichtlich über die Türkei, Iran und Kasachstan nach Ulan Bator wollen. Ihr Auto ist ein Fiat Panda, Jahrgang 2000 mit Allradantrieb. In den letzten Wochen haben sie viele Stunden in die Vorbereitung des Autos investiert. Es wurde gar noch einem Service unterzogen. «Falls der Göppel abliegt, will ich wenigstens kein schlechtes Gewissen haben», lacht Ackermann und fährt fort: «Wir müssen ja nicht in jedem Sandloch steckenbleiben, jedes zweite reicht mir auch.»

Die vier goldenen Regeln

Vorgaben der Mongol-Rally sind einzig vier Regeln: 1. Du bist für dich selbst verantwortlich. 2. Du musst mindestens 1000 Pfund für einen guten Zweck sammeln. 3. Das Auto darf höchstens mit einem 1,2-Liter-Motor ausgerüstet sein. 4. Das Auto darf höchstens zehn Jahre alt sein. Team Leopardy ist auf gutem Weg, das alles zu erfüllen: Regel 1: «Ja, klar, dessen sind wir uns bewusst», so Ackermann. Regel 2: Bisher sind 75 Pfund beisammen. «Das schaffen wir», so der Schweizer. Regel 3: Ihr Auto hat einen 1,1-Liter-Motor. Regel 4: Der Panda ist neunjährig. Kurz: Es kann losgehen.

Der Startschuss fällt am 18. Juli 2009 in London. Ob das Team Leopardy in Ulan Bator ankommt? «Wir garantieren nicht, dass ihr es bis zum Ziel schafft. Wir garantieren auch nicht für eure Sicherheit. Aber das alles macht es zum Abenteuer», so die Organisatoren. Und auch für Ackermann steht der Sieg nicht im Vordergrund: «Wir wollen möglichst viel erleben.»

«Wenn ein Auto den Geist aufgibt, kauft ein Pferd»

Dieser Wunsch wird fraglos in Erfüllung gehen. Im Hitzeofen Turkmenistan kann die Sonne die Wüste auf bis zu 50 Grad erhitzen, in der Höhe der Mongolei kann die Temperatur in der Nacht schon mal auf null Grad sinken. Und auch der Organisator macht in seiner erfrischenden Art kein Geheimnis aus dem, was die Fahrer erwartet. Ob man ein Auto-Mechaniker sein muss? «Nein, auf keinen Fall. Je weniger man über Autos weiss, desto lustiger wirds. Wenn ein Auto den Geist aufgibt, kauft ein Pferd. Und sonst sind unzählige 'Mechaniker' auf der Strasse.» Muss man russisch können? «Nein. Es kann wohl nützlich sein. Aber manchmal wird das Problem nur grösser, wenn beispielsweise die Polizei merkt, dass ihr versteht, warum sie euch büssen wollen.» Immerhin sind Tankstellen immer wieder anzutreffen, oder? «Gegen Ende des Rennens werden sie selten. Und nur weil eine auf der Karte eingetragen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es sie auch tatsächlich gibt.» Aber ist die Reise sicher? «Nein, natürlich ist sie nicht sicher. Wenn ihr Sicherheitsgarantien wollt, bucht ein Ferienpackage auf der Isle of Wight.»

«Dollars nehmen sie auch im Iran»

Mit drei bis fünf Wochen Fahrzeit rechnen die Veranstalter. Die Ankunftsparty in Ulan Bator steigt am 19. August. «Dann wollen wir auch dort sein», so Ackermann. Das sollte für den reise-erpropten Zürcher Oberländer auch möglich sein. Russisch sprechen er und sein Teamkollege nicht, aber er hat keine Bedenken. «Mit Händen und Füssen geht es immer irgendwie. Und Dollars akzeptieren sie sogar im Iran.» Es spricht also nichts dagegen, dass die beiden ihr Vorhaben in vier Wochen umsetzen werden. Und wenn doch, Mario Ackermann? «Ich habe sechs Wochen Ferien eingegeben.»

Mongol-Rally 2009 Trailer eines Teams$$VIDEO$$(Quelle: YouTube)

Mongol-Rally 2009

Die Mongol Rally soll nicht nur ein Autorennen der besondern Art sein, sondern vor allem ein Charity-Event. Jedes Team muss 1000 Pfund sammeln und diese für einen guten Zweck spenden. Zudem werden die Autos in Ulan Bator verkauft - der Erlös geht ebenfalls vollumfänglich in die Spenden. 2007 kamen 200'000 US-Dollar zusammen.

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