Aktualisiert 02.01.2012 00:26

Machtkampf in Nordkorea

Das Versteckspiel des Kim Jong Nam

Der älteste Sohn des verstorbenen Diktators Kim Jong-Il hat Papa in Pjöngjang heimlich Adieu gesagt. Angeblich soll er mit falschen Papieren aus Macau eingereist sein.

Der älteste Sohn des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-Il hat einem japanischen Medienbericht zufolge in Pjöngjang heimlich von seinem Vater Abschied genommen. Kim Jong Nam sei am 17. Dezember mit falschen Papieren vom chinesischen Macau aus nach Nordkorea gereist.

Dies berichtete die japanische Zeitung «Yomiuri Shimbun» am Sonntag. Die Abwesenheit des 40-jährigen Sohnes bei den offiziellen Trauerfeierlichkeiten hatte zu Spekulationen über einen möglichen Machtkampf um die Nachfolge Kim Jong-Ils geführt, der am 17. Dezember gestorben war.

Er habe offenbar deshalb nicht an dem Begräbnis teilgenommen, um möglichen Fragen zu entgehen, «warum der dritte Nachfolger werden soll», sagte eine Nordkorea nahestehende Quelle dem Blatt mit Blick auf die Machtübernahme durch den jüngsten Sohn Kim Jong-Un.

Schluchzende Fernsehmoderatorin

Ungnädiger Kritiker Jong Nam

Mit seiner Reise unter falschem Namen habe Kim Jong Nam zudem vermieden, über Peking zu fliegen, womit seine Reise auffälliger gewesen wäre. Wenige Tage nach seiner Ankunft sei er zurück nach Macau gereist.

Kim Jong Nam lebt in Macau und hatte in der Vergangenheit die dynastisch geprägte Nachfolge an der Spitze des abgeschotteten Nordkoreas kritisiert. Südkoreanische Medien hatten zuvor berichtet, Jong Nam sei «unter chinesischen Schutz» gestellt worden.

Jong Nam hatte lange Zeit als Nachfolger seines vor zwei Wochen verstorbenen Vaters gegolten. Er fiel jedoch in Ungnade, nachdem 2001 aufgeflogen war, dass er mit falschen Papieren nach Japan gereist war, um in Tokio das Disneyland besuchen. Danach lebte er in Macau.

Macau als Geldwäsche-Drehpunkt

2007 kehrte er nach Nordkorea zurück und wurde wieder in die Führungsriege aufgenommen. 2009 ging er jedoch erneut nach Macau, nachdem mehrere Vertraute verhaftet worden waren.

Nach Informationen des US-Justizministeriums nutzt das Regime in Pjöngjang die ehemals portugiesische Kolonie und heutige Sonderverwaltungszone Chinas für gross angelegte Geldwäsche und zur Fälschung von Banknoten. (sda)

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