Hass-Rapper: «Das Video ist kein Aufruf zu Gewalt oder Mord»
Aktualisiert

Hass-Rapper«Das Video ist kein Aufruf zu Gewalt oder Mord»

Er ziele nur mit Worten: Rapper Amko bestreitet, dass die Mordaufrufe gegen SVP-Politiker in seinem Clip ernst zu nehmen sind.

von
B. Zanni
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«Wegen meiner Herkunft bin ich schon oft angegriffen worden»: Almir Amko Durmisi hat kosovarische Wurzeln.

«Wegen meiner Herkunft bin ich schon oft angegriffen worden»: Almir Amko Durmisi hat kosovarische Wurzeln.

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Rapper Amko empfiehlt in seinem Video «Sturm», in «Deckung zu gehen, wenn er auf Politiker ziele». Besonders im Visier hat er SVP-Vertreter.

Rapper Amko empfiehlt in seinem Video «Sturm», in «Deckung zu gehen, wenn er auf Politiker ziele». Besonders im Visier hat er SVP-Vertreter.

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Anian Liebrand, ehemaliger Präsident der Jung-SVP, will er ans «Schweizer Kreuz nageln».

Anian Liebrand, ehemaliger Präsident der Jung-SVP, will er ans «Schweizer Kreuz nageln».

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Herr Durmisi, im Videoclip zu Ihrer neuen Single «Sturm» wünschen Sie SVP-Politikern den Tod. Etwa Anian Liebrand, Ex-Präsident der Jung SVP, «nageln Sie ans Schweizer Kreuz». Nationalrat Lukas Reimann wünschen Sie Aids. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Ich sage es mal so: Es liegt im Auge des Betrachters. Leute, die sich in der Rap-Szene auskennen, wissen, wie sie damit umgehen sollen. Morddrohungen, wie jemanden ans Kreuz zu nageln, gehören zur Umgangssprache des Rap.

Man kann das Video durchaus als Aufruf zur Gewalt verstehen. Nehmen Sie das in Kauf?

Auf keinen Fall. Das Video ist kein echt gemeinter Aufruf zu Gewalt oder Mord. Ich ziele mit Worten. Wollte ich jemandem etwas antun, würde ich das ohnehin nicht an die Öffentlichkeit tragen. Jemanden ans Kreuz zu nageln oder ihm Aids zu wünschen, lässt sich so übersetzen: Lehn dich nicht zu weit aus dem Fenster. Klar, das Video ist heikel. Aber ich bin genauso exponiert.

Sie huldigen dem Terroristen Osama Bin Laden mit der Zeile «Osama Bin Laden, rest in peace» (Ruhe in Frieden). Ist das etwa auch ein Witz?

Ich habe keine Sympathien für Terroristen. Der Clip will provozieren und ist meine Retourkutsche an die Politiker, die des Öfteren gegen den Islam und Minderheiten in der Schweiz geschossen haben und alle Muslime in einen Topf werfen. Kaum ist ein Terroranschlag passiert, macht man die Muslime dafür verantwortlich. Das ist unfair. Denn die Deutschen werden auch nicht mit Hitler gleichgesetzt. In meinen Augen haben sich Anian Liebrand und Lukas Reimann mit ihren Kommentaren als Islam-Hasser geoutet.

Was haben Sie gegen die SVP?

Ich bin in der Schweiz geboren und habe kosovarische Wurzeln. Wegen meiner Herkunft bin ich schon oft angegriffen worden. Dann heisst es: «Geh zurück, wo du herkommst.» Dabei habe ich hier die Schule und Lehre gemacht, Militärdienst geleistet und gehe einer ordentlichen Arbeit als Elektriker nach.

Ein Secondo schreibt, dass Sie ihn mit gewalttätigen Ausländern in den gleichen Topf werfen. Sind Mord-Aufrufe der richtige Weg, um sich zur Wehr zu setzen?

In der Rapper-Szene ist das absolut angebracht. Das ist mein Feedback als Rapper. Wenn Sie mich als Mensch fragen, sieht es anders aus. Privat bin ich ein friedlicher Mensch. Ich bin sehr familiär und gut gelaunt. Habe ich mit jemandem ein Problem, rede ich mit der Person unter vier Augen darüber.

Wie würden Sie reagieren, wenn jemand in einem Song Ihren Tod wünschte?

Ich fände es witzig. Solche Dinge muss man sportlich nehmen.

Anian Liebrand hat das Video jedoch an seinen Anwalt weitergeleitet. Ihnen könnte eine Strafanzeige drohen. Laut einem Rechtsexperten ist der Inhalt zudem strafbar, da Sie etwa Persönlichkeitsrechte verletzen und drohen.

Darüber mache ich mir keine Sorgen. Das Video ist nichts anderes als künstlerische Freiheit.

Der Luzerner Almir Durmisi (20) tritt unter seinem Spitznamen Amko als Rapper auf.

Liebrand verlässt sich auf die Staatsanwaltschaft

Anian Liebrand äusserte sich am Mittwoch in einer Stellungnahme zum Video. Sein Anwalt empfehle ihm, das gewaltverherrlichende Video, das offen zu Straftaten gegenüber Politikern, darunter ihm, aufrufe und die Strafverfolgungsorgane verhöhne, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. «Ich vertraue auf unsere Justiz und gehe davon aus, dass die zuständige Staatsanwaltschaft die geeigneten Schritte von sich aus ergreift.»

Er macht zudem darauf aufmerksam, dass sich bei ihm mehrere ausländischstämmige Jugendliche aus dem Raum Luzern gemeldet hätten, die das Rapper-Video schärfstens verurteilt und ihm gleichzeitig für seine politische Arbeit gedankt hätten. «Das hat mich ausserordentlich gefreut und zeigt mir doch, dass hier kein Keil zwischen 'Ausländern' und der SVP getrieben wird.»

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