Aktualisiert 23.03.2020 12:44

World of Warcraft

Das Virus, das einst ganz Azeroth tötete

Das Zul-Gurub-Virus tötete Millionen von Orcs, Nachtelfen und Menschen im Spiel «World of Warcraft». Der Programmfehler verbreitete sich ähnlich schnell wie das Coronavirus.

von
Marc Gerber

Im September 2005 war «World of Warcraft» erst ein paar Monate alt, trotzdem spielten es schon Millionen von Gamern. Das MMORPG (Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel) gilt bis heute als das grösste seiner Art. Genau darum starben einst auch Millionen von Spielern virtuell an der Corrupted-Blood-Seuche.

Zul Gurub gehörte zu einem der ersten grossen Dungeons, die man bezwingen konnte. In einer 20-Mann-Gruppe ging es online gegen den Blutgott Hakkar und seine Schergen. Da es der erste Raid war, der nicht in irgendeinem Verliess stattfand, sondern im warmen Dschungel, war die Begeisterung der «WoW»-Fans riesig. Doch «World of Warcraft» war noch ein junges Spiel, das so einige Fehler im Programmcode hatte. Der grösste war Corrupted Blood.

Corrupted Blood verbreitet sich wie das Coronavirus

Der Debuff (negativer Effekt) Corrupted Blood saugte im Kampf gegen Hakkar dem Spieler Leben raus, was schnell zum Tod führte, wenn man den Boss-Gegner nicht in kürzester Zeit besiegen konnte. Das Virus konnte aber auch an die Mitspieler übertragen werden. Alle, die in der Nähe standen, wurden infiziert. So starben während des Kampfs unzählige Spieler.

Das Corrupted-Blood-Virus war programmiert worden, um den Kampf gegen Hakkar schwieriger zu machen, und verschwand automatisch nach dem Kampf wieder. Doch es gab ein Problem: Es konnten sich nicht nur Spieler, sondern auch Tiere anstecken. Die Klasse der Jäger bekämpft ihre Feinde nämlich mithilfe von Raubkatzen oder Wölfen, und so wurden auch diese infiziert – und verbreiteten das Virus weiter.

Tiere waren das Problem

«World of Warcraft» besteht aus einer unglaublich grossen virtuellen Welt. Damit man schnell von A nach B kommt, gibt es den Runenstein, mit dem man sich ähnlich wie bei «Star Trek» teleportieren kann. Während des Boss-Kampfs mit Hakkar wurde nun das Tier eines Jägers infiziert. Der Jäger, der den Kampf überlebte, teleportierte sich anschliessend mit dem infizierten Tier aus dem Dungeon in die Hauptstadt. Dort verbreitete sich das Corrupted-Blood-Virus und innerhalb weniger Minuten starben Tausende von Spielern.

Blizzard musste die Server neu starten

Das Corrupted-Blood-Virus verbreitete sich auf den Servern von Entwickler Blizzard so schnell, dass die Spieler von Glück sprechen konnten, wenn sie nicht augenblicklich mit dem Virus infiziert wurden und nach dem Login starben.

Blizzard korrigierte schliesslich diesen Fehler aus «World of Warcraft» und hat seither aus seinen Fehlern gelernt. Die Legende des Corrupted-Blood-Debuffs lebt aber weiter und wurde sogar von einem Fachmann untersucht.

Corrupted Blood ein Fall für die Wissenschaft

Der Epidemiologe Eric Lofgren untersuchte 2007 den Corrupted-Blood-Debuff mit speziellem Augenmerk auf das Verhalten der Spieler. Laut Lofgren war das Verhalten in so einer Situation nur schwer zu verstehen, so gab es Spieler, die direkt zu den Infizierten gingen, um sie zu heilen, während andere flohen. Noch anderen Spielern war das Virus egal, da ihr Charakter stark genug war und sie weiterspielen konnten. Sie ignorierten den Erreger und befeuerten durch ihr Verhalten die Corrupted-Blood-Seuche noch weiter.

Der Entwickler Blizzard versuchte, die Spieler unter Quarantäne zu stellen, doch viele hielten sich nicht daran. Schliesslich blieb nur noch ein Mittel: die Server neu aufzusetzen. Diese Möglichkeit haben wir in der realen Welt nicht. Deshalb: Abstand halten! Nur so lässt sich das Coronavirus eindämmen.

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