27.09.2017 03:45

Tamedia-Nachbefragung

Das Volk rechnet bereits mit dem Rentenalter 67

Zwei Drittel lehnen es derzeit ab, bis 67 zu arbeiten. Doch eine Mehrheit glaubt, dass das Rentenalter in den nächsten zehn Jahren angehoben wird.

von
daw
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Laut der Umfrage hegen viele Zweifel, ob der Generationenvertrag noch funktioniert.

Laut der Umfrage hegen viele Zweifel, ob der Generationenvertrag noch funktioniert.

Keystone/Christof Schuerpf
Das Abstimmungsergebnis im Überblick.

Das Abstimmungsergebnis im Überblick.

Es werde nicht einfach, eine neue, mehrheitsfähige Vorlage aufzugleisen, sagt Bundesrat Alain Berset nach der Niederlage.

Es werde nicht einfach, eine neue, mehrheitsfähige Vorlage aufzugleisen, sagt Bundesrat Alain Berset nach der Niederlage.

Keystone/Peter Schneider

Die Reform der Altersvorsorge hatte eben erst Schiffbruch erlitten, da flammte schon die Diskussion um das Rentenalter wieder auf: Soll es automatisch angehoben werden, wenn die AHV in Schieflage gerät? Die Bürgerlichen hielten sich zurück, das Rentenalter 67 zu fordern – sie setzen auf eine Anhebung in Monatsschritten.

Mit gutem Grund: Derzeit wäre eine Anhebung des Pensionsalters um zwei Jahre für den Mann und um drei Jahre für die Frau an der Urne chancenlos: Gut zwei von drei Stimmbürgern würden Nein stimmen. 31 Prozent befürworten das Rentenalter 67. Das zeigt die gewichtete Tamedia-Nachbefragung zur Abstimmung vom Wochenende.

Eine Mehrheit stellt sich allerdings bereits auf ein höheres Rentenalter ein: 62 Prozent gehen davon aus, dass das Rentenalter 67 in den kommenden zehn Jahren eingeführt wird.

«Ein Umdenken hat stattgefunden»

«Das Resultat zeigt, dass das Rentenalter nicht auf einen Schlag erhöht werden sollte», sagt Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Direktor des Gewerbeverbandes. Dass eine Mehrheit mit einem höheren Rentenalter rechne, bestätige, dass ein Umdenken stattgefunden habe: «Hätte man vor ein paar Jahren gesagt, dass wir bis 67 arbeiten müssen, wäre man als Rentenklauer verunglimpft worden.» Heute wisse die Bevölkerung, dass es Opfer brauchen werde, um die Altersvorsorge zu stabilisieren.

Die SP-Nationalrätin Silvia Schenker glaubt, dass die Rhetorik der bürgerlichen Seite zu einer Resignation in der Bevölkerung führe. «Man glaubt, dass man das höhere Rentenalter irgendwie durchstieren wird.» Solange das Volk zustimmen müsse, werde es aber nicht so schnell kommen: «Die Wirtschaft sagt, dass wegen des Fachkräftemangels Ältere bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das deckt sich aber nicht mit den Erfahrungen der Leute.»

Spielt der Generationenvertrag noch?

Skeptisch sind die Stimmbürger, ob sie eines Tages noch eine Rente bekommen werden, die es ihnen erlaubt, den Lebensstandard zu halten: 51 Prozent rechnen nicht oder eher nicht damit.

Das scheint sich auch auf die Akzeptanz des Generationenvertrags auszuwirken. So sagen nur 31 Prozent, dass der solidarische Ausgleich zwischen den Generationen nach wie vor funktioniere. 40 Prozent sind der Meinung, dass der Generationenvertrag nur noch teilweise besteht. 15 Prozent sagen, die älteren Erwerbstätigen und Rentner kümmerten sich primär ums eigene Wohl. Sieben Prozent sagen dies von den Jungen. Der Rest hat keine Meinung.

Für Bigler zeigt das, wie gross die Verunsicherung bei den Sozialwerken ist: «Es ist ein Ansporn, dass wir die Probleme bei der Altersvorsorge angehen und auch die unfaire Umverteilung von aktiven Versicherten zu Rentnern in der 2. Säule stoppen.»

10'050 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 22. und 24. September online an der Tamedia-Nachbefragung zu den eidgenössischen Vorlagen vom 24. September teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1.7 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

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