29.09.2020 14:04

Bedrohte Friedhofsrehe«Es gibt Lösungen ohne Tötung»

Fast 64 Prozent des Basler Stimmvolks sagten am Wochenende Nein zur Änderung des Jagdgesetzes. Das sei auch ein klares Votum gegen den geplanten Abschuss der Rehe auf dem Friedhof Hörnli, sagt der Anwalt der Fondation Franz Weber.

von
Lukas Hausendorf

Weil sich die wilden Rehe auf dem Friedhof Hörnli in Riehen BS vermehren und Schäden an den Gräbern anrichten,
sollen einige Tiere abgeschossen werden. Dagegen regt sich Widerstand.

Video: «20 Minuten»/Steve Last

Darum gehts

  • Auf dem Friedhof Hörnli in Riehen BS leben wilde Rehe, die Schäden an den Gräbern anrichten.
  • Tierschützer wehrten sich vehement gegen einen geplanten Abschuss der Tiere.
  • Nun scheint der Abschuss ganz vom Tisch zu sein.

Sie fressen Grabschmuck, richten Flurschäden an und vermehren sich rasch. Rund 25 Rehe leben auf dem Basler Friedhof Hörnli. Das sind einige zu viel, darin sind sich die Stadtgärtnerei und auch Tierschützer einig. Die Stadtgärtnerei hat im Mai gemeinsam mit der Gemeinde Riehen deshalb den Abschuss einiger Tiere ins Auge gefasst. Dagegen regte sich sofort breiter Widerstand. Eine Petition wurde inzwischen von über 80’000 Menschen in der Schweiz unterschrieben.

Die Abschussbewilligung wurde im Mai zunächst trotz der laufenden Unterschriftensammlung erteilt, wegen eines Rekurses der Fondation Franz Weber vom zuständigen Justiz- und Sicherheitsdepartement dann aber sistiert. Inzwischen scheint der Abschuss sogar ganz vom Tisch zu sein. «Das Volk will, dass wir eine Lösung ohne Reh-Abschüsse finden», sagt der Basler Grossrat und Anwalt Heinrich Ueberwasser, der die Stiftung vertritt.

Stimmvolk will Rehe schützen

Nicht zuletzt das klare Basler Nein am Wochenende zur Änderung des Jagdgesetzes sei als starkes Signal der Stimmbevölkerung zu werten. Die Botschaft des Stimmvolks sei klar: «Die Menschen wollen mit den Rehen leben, auch in der Agglomeration Basel, erst recht in einer Parkanlage am Waldrand wie dem Friedhof am Hörnli.»

Nach den Herbstferien steht der nächste runde Tisch in dieser Angelegenheit an. «Ich bin zuversichtlich, dass eine Lösung ohne Abschuss zustande kommt. Wir haben rechtliche Argumente und Lösungsideen und wollen zusammen mit der Stadtgärtnerei ein Friedhof- und Wildtier-Management entwickeln», sagt Ueberwasser. Gemeinsam soll eine alltagstaugliche Lösung entwickelt, getestet und optimiert werden. Es geht zunächst um die Bepflanzung und Einzäunung. Ueberwassers Kernargument ist die Verhältnismässigkeit: «Es gibt Lösungen ohne Tötung.»

Die Stadtgärtnerei äusserte sich auf Anfrage nur zurückhaltend. Es sei noch nichts spruchreif, hiess es.

Geschützt, aber nur auf dem Friedhof

Selbst wenn wider Erwarten alle Stricke reissen sollten, müsste mit einem Abschuss zugewartet werden. Erst am 21. September wurden die Tierschützer von der Petitionskommission angehört. Sie entscheidet aber erst, wenn die Ergebnisse des runden Tisches vorliegen.

Egal, wie die Lösung am Ende aussieht, ganz sicher vor der Flinte der Jäger werden die Rehe vom Hörnli
nicht sein. Verlassen sie das sichere Territorium des Friedhofs, dürfen sie geschossen werden.

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66 Kommentare
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Tomi

29.09.2020, 18:03

Es ist schade dass Sie nicht die Namen der Tierschutzorganisationen nennen die die 63 000 (aus der französischen Schweiz, Fondation SOS Chats Noiraigue) und 18 000 aus der deutschen Schweiz (Biohof Papillon) gesammelt und eingereicht haben. Am 21.September war SOS Chats eingeladen.

Fritz

29.09.2020, 17:30

Herumballernde Jäger stören die Totenruhe viel mehr als ein paar Rehe.

Andres

29.09.2020, 17:01

Und nächstes jahr die Rehe mit zum Morgenstreich oder was? Basler halt.