13.09.2020 13:57

Mit 56 verstorbener HellseherDas war das bewegte Leben von Mike Shiva

Kein Hellseher war in der Schweiz so bekannt und kontrovers wie Mike Shiva. Wir blicken auf den aussergewöhnlichen Werdegang des am Freitag Verstorbenen zurück.

von
Angela Hess

TV-Wahrsagerin Elsa rief am Samstagmorgen in der Sendung «Shivaspirit TV» zum Gebet für den verstorbenen Mike Shiva auf. Das Esoterikprogramm steht übrigens nicht in Verbindung mit Mike Shivas eigener Sendung «Shiva Live TV».

TV24

Darum gehts

Seine Anfänge

Bereits in jungen Jahren sorgte Mike Shiva mit seiner Spiritualität schweizweit für Aufsehen. Damals waren es jedoch nicht nur seine angeblichen hellseherischen Fähigkeiten, die bei TV-Auftritten für hochgezogene Augenbrauen sorgten, sondern insbesondere auch seine Hypnosekünste: So trat der Basler 1988 beispielsweise in der SRF-Sendung «Downtown» auf und hypnotisierte zwei Studiogäste. Shiva liess die beiden im Schlaf Zitronen essen und nahm ihnen die Fähigkeit, sich von der Stelle zu bewegen.

Der damals 23-Jährige gab in der Show an, Fähigkeiten wie diese bereits seit Geburt in sich zu tragen. «Das hatte ich schon immer, so wie ich auch esse und trinke. Das musste einfach aktiviert werden und ist mit der Zeit immer mehr gekommen.» Zu dieser Zeit betrieb Shiva in Basel ein eigenes Studio, wo er neben Zukunftsprognosen auch spirituelle Behandlungen für Kranke anbot.

Seine Karriere

Seine Hellseherei beschrieb Shiva 1988 wie folgt: «Ich probiere, die Gegenwart anzuschauen und sie für die Leute zu öffnen für die Zukunft. In der Regel sage ich nicht einfach: ‹Diese Sache passiert dann und jene Sache passiert dann.›» Auf diese Art von Zukunftsberatung konzentrierte er sich im Laufe seiner Karriere zunehmend und fing schon früh damit an, seine Dienste im Radio und Fernsehen anzubieten.

Shiva sendete sein Astrologie- und Esoterikprogramm «Shiva Live TV» zuletzt auf verschiedenen privaten TV-Sendern und seit rund vier Jahren auch auf seiner eigenen Website. Ein eigens gegründetes Unternehmen produziert das Programm. Wie es nun nach dem Tod des Hellsehers mit der Firma, die mehrere weitere Berater im esoterischen Bereich beschäftigt, weitergeht, ist bislang unklar.

Im Laufe seiner Karriere geriet Shiva aufgrund seiner Geschäftspraxis mehrmals öffentlich in die Kritik. Insbesondere die hohen Minutenpreise, die Kunden für eine telefonische Beratung bei «Shiva Live TV» bezahlen, sorgen regelmässig für Aufregung.

Seine TV-Auftritte sind legendär. Bei 20 Minuten hatte Mike Shiva 2013 zudem eine eigene Videoserie.

20 Minuten

Seine Zeit bei «Promi Big Brother»

Der bekannteste und gleichzeitig wohl kontroverseste Hellseher der Schweiz hielt sich – ganz im Gegensatz zum Beginn seiner Laufbahn – in den letzten Jahren bedeckt, was Show-Auftritte abseits seiner eigenen Fernsehsendung angeht. Eine Ausnahme machte Shiva 2018, als er als Kandidat in die Container von «Promi Big Brother» einzog. In der Sat-1-Show bekamen Fans zu sehen, was sonst bei Shiva stets Tabu war: Die Frisur, die sich unter dem Kopftuch verbarg.

Shiva fungierte vor allem als ruhige, gute Seele der Staffel und stand den anderen Kandidatinnen und Kandidaten mit Ratschlägen zur Seite. Regelmässig rührte er die Promis zu Tränen, wenn er ihnen ihre Karten legte und mit seinen Einschätzungen offenbar den Nagel auf den Kopf traf. Von seiner Person gab Shiva in der Show jedoch nur wenig preis.

Sein Privatleben

Shivas Zurückhaltung bei «Promi Big Brother» kommt nicht von ungefähr: Über seine gesamte Karriere hinweg hielt er sein Privatleben mehrheitlich aus der Öffentlichkeit raus. Bekannt ist, dass Shiva eine langjährige Beziehung führte, die jedoch 2019 zerbrach. Der Wahrsager sorgte nach der Trennung für grossen medialen Wirbel, weil er offen zugab, dass er nun gerne Single sei und auch körperliche Nähe nicht vermisse.

Derart offene Interviews waren jedoch eine Seltenheit. Auch auf Instagram hielt sich Shiva bedeckt. Er postete ab und zu Selfies mit engen Freunden oder Fotos von gutem Essen, doch mehr gab er auch hier nicht von sich preis. Gegenüber der «Basler Zeitung» sagte Shiva einst: «Ich bin gerne allein und lasse nur ganz wenige Menschen an mich heran.»

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