Aktualisiert 26.06.2019 07:27

Pat Burgener

«Das war das schönste Erlebnis überhaupt»

Er liebt die Halfpipe und Musik. Der 25-jährige Snowboardprofi Pat Burgener aus Lausanne hat aber noch eine andere Mission, die ihm am Herzen liegt.

von
Geraldine Schlaepfer

Pat, du bist Profi-Snowboarder, hast aber erst kürzlich ein Konzert im Zürcher Kaufleuten gegeben. Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe schon immer viel musiziert, Covers gesungen und in Bands gespielt. 2014 habe ich mein Schlüsselbein beim Training gebrochen und musste somit eine Zwangspause vom Boarden machen. Da habe ich mich noch intensiver mit Musik auseinandergesetzt, Songs geschrieben und meine erste Single veröffentlicht.

Du spielst an vielen Festivals, bald kommt dein neues Album raus. Ist das nicht zu viel neben dem Snowboarden?

Nein, für mich ist das die perfekte Balance. Früher wollte ich jede freie Minute im Schnee verbringen, was auch die Verletzungsgefahr steigerte. Heute bin ich glücklich, für beide Leidenschaften gleich viel Zeit einplanen zu können — irgendwie ergänzen sie sich perfekt.

Bewegung ist die beste Zeit der Woche

Du hast noch eine dritte Leidenschaft: Du setzt dich für benachteiligte Kinder ein. Worum geht es bei Right To Play?

Wir möchten Kindern und Jugendlichen durch Spiel und Sport eine Chance geben, kurz ihren Alltag in Krisengebieten zu vergessen. Für viele ist die Zeit der Bewegung die beste Zeit der Woche, ein Moment der Freiheit. Die Flüchtlingscamps sind unglaublich rudimentär ausgestattet, nur wenige Schweizer können sich vorstellen, was es heisst, so zu wohnen. Right To Play bietet diesen Kindern und Jugendlichen spiel- und sportbasierte Aktivitäten, bei denen sie sich ablenken und viel für ihr Leben lernen können. Als Botschafter ist es mein Ziel, wenn auch nur für eine kurze Zeit, mit den Kindern eine positive Zeit zu erleben und ihnen Mut zu machen.

Als Spitzensportler fokussierst du dich meist nur auf dich

Du hast libanesische Wurzeln und warst kürzlich für Right To Play im Heimatland deiner Mutter. Wie war das für dich?

Ich hatte gerade die Wettkampf-Saison hinter mir, bei der ich jeden Tag nur ein Ziel im Kopf hatte: Ich muss es aufs Podest schaffen, ich will eine Medaille. Als Spitzensportler fokussierst du dich meist nur auf dich und deinen Sport. Als ich nach der Snowboard-Saison im Flüchtlingscamp ankam, merkte ich plötzlich, wie schön es ist, etwas zurückgeben zu können. Mit den Kindern zusammen Fussball zu spielen, zu singen und einfach zusammen zu sein, war das Schönste, was ich bis jetzt in meinem Leben erleben durfte.

Wie wichtig sind Spiel und Sport für Kinder?

Auf dem Fussballplatz im Libanon war keines der Kinder traurig. Spielen ist wie ein Fenster zum Himmel: Wenn sie sich bewegen, strahlen sowohl die Mädchen als auch die Jungs. Sport hilft, in eine andere Welt einzutauchen, genau wie wenn ein Konzert beginnt. Es ist deshalb kein Zufall, dass ich Spitzensportler und Musiker bin, ich suche dieses Gefühl der Freiheit die ganze Zeit. Dieses Gefühl will ich zugänglich für alle machen.

Auch bei uns war Pat schon zu Besuch, um uns sein musikalisches Können unter Beweis zu stellen:

Right To Play ist eine globale Organisation, die den spielerischen Lernansatz nutzt, um benachteiligte Kinder zu schützen, bilden und fördern. Die Stiftung arbeitet eng mit lokalen Organisationen und Ministerien zusammen und setzt sich dafür ein, dass Kinder in der Schule bleiben und ihren Abschluss machen, damit sie Auswirkungen von Armut, Konflikten und

Krankheiten überwinden können. In den Programmen lernen Kinder zudem grundlegende Kompetenzen, um sich vor Ausbeutung zu schützen und sich von ihrer harten Realität, die oft von Krieg und Missbrauch geprägt ist, erholen zu können. Right To Play engagiert sich in 15 Ländern und erreicht wöchentlich 2,2 Millionen Kinder.

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