Milchsäurebakterien: Das war die Ursache für das verseuchte Trinkwasser in Luzern

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Endlich geklärtDas war die Ursache für das Bakterien verseuchte Trinkwasser in Luzern

Tagelang mussten die Bewohner im Luzerner Quartier Langensand-Matthof ihr Trinkwasser aufkochen. Und das Mitten im Hochsommer. Die Ursache für die Verunreinigung ist nun geklärt: Schuld war laut Energieversorger EWL ein neu eingebautes Trinkwasserrohr.

von
Matthias Giordano
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Wegen der über einer Woche andauernden Trinkwasserverunreinigung im Quartier Langensand-Matthof musste die Energie Wasser Luzern (EWL) an fünf Standorten Zapfstellen zur Verfügung stellen.

Wegen der über einer Woche andauernden Trinkwasserverunreinigung im Quartier Langensand-Matthof musste die Energie Wasser Luzern (EWL) an fünf Standorten Zapfstellen zur Verfügung stellen.

ewl
Silvana Leasi, die Stadträtin, die die schlechte Kommunikation von EWL in einer Interpellation an den Stadtrat kritisiert hat.

Silvana Leasi, die Stadträtin, die die schlechte Kommunikation von EWL in einer Interpellation an den Stadtrat kritisiert hat.

Silvana Leasi
Gut zwei Monate nach dem Vorfall ist die Ursache nun geklärt: Schuld war ein neu eingebautes Trinkwasserrohr, an dem Spuren von eingetrocknetem Schmutz anhafteten.

Gut zwei Monate nach dem Vorfall ist die Ursache nun geklärt: Schuld war ein neu eingebautes Trinkwasserrohr, an dem Spuren von eingetrocknetem Schmutz anhafteten.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Über zehn Tage mussten die Bewohnerinnen und Bewohner im Luzerner Quartier Langensand-Matthof ohne sauberes Wasser aus der Leitung auskommen. Weil das Problem nicht gelöst werden konnte, musste der städtische Energieversorger EWL zwischenzeitlich gar Zapfsäulen im Quartier aufstellen. Jetzt ist die Quelle der Verunreinigung offenbar klar: Wie die EWL am Dienstag mitteilt, war ein neu eingebautes Trinkwasserrohr schuld, an dem Spuren von eingetrocknetem Schmutz anhafteten. «Ein am 20. Juli 2022 neu eingebautes Rohr war verunreinigt. EWL hat dieses umgehend ausgebaut und ersetzt», heisst es darin.

20min/vfe,mgi

«Die Ursache zu finden und Lehren für die Zukunft zu ziehen, war für uns ganz zentral», sagt Patrik Rust, Vorsitzender der Geschäftsleitung von EWL. «Die sichere und saubere Versorgung der Stadt Luzern mit Trinkwasser hat für uns höchste Bedeutung.» Nach der Verunreinigung hatte EWL demnach eine Inspektion mit einer Spezialkamera durchgeführt und dabei in einem Rohrstück kleine, unübliche Ablagerungen gefunden. Die kantonale Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz (DILV) hatte Proben davon untersucht und festgestellt, dass in den Ablagerungen pflanzliches Gewebe enthalten ist, das von aussen in das Rohr gelangt sein muss. Zudem wurden Enterokokken-Bakterien, also Milchsäurebakterien, nachgewiesen, die auch bei der Trinkwasserverunreinigung aufgetreten sind.

«Wir bedauern die Trinkwasserverunreinigung zutiefst und entschuldigen uns bei den Betroffenen im Quartier Langensand-Matthof für die Unannehmlichkeiten», sagt Patrik Rust. EWL habe wichtige Erkenntnisse aus der internen und externen Aufarbeitung gewonnen und daraus konkrete Massnahmen abgeleitet.

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Unter anderem sollen die Wasserrohre ab sofort nur noch wenige Tage auf der Baustelle lagern und täglich kontrolliert werden. «Zusätzlich werden wir alle neuen Leitungsabschnitte vor der Inbetriebnahme mikrobiologisch untersuchen», sagt Rust. Kritik gab es für EWL auch wegen ihrer zögerlichen Kommunikation. So wurden die Bewohnerinnen und Bewohner erst zwei Tage später über die Verunreinigung informiert, zudem ging die Warnmeldung bei SwissAlert von einem Bewohner aus – und nicht der EWL. «Wir haben im Rahmen unserer Analysen auch Verbesserungspotenzial in den Bereichen Krisenorganisation und Kommunikation identifiziert», sagt Rust. Dazu gehöre, dass Kommunikationsmittel wie die App Swissalert oder das Meldesystem Polyalert besser in die Kommunikation eingebunden werden, um die Betroffenen bei einer Trinkwasserverunreinigung zeitnah zu informieren. 

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