Aktualisiert 03.12.2019 19:47

Trump zu Macron«Das war eine sehr, sehr böse Aussage»

Macron und Trump liegen sich wegen der Digitalsteuer in den Haaren. Nun haben sie sich beim Nato-Gipfel in London getroffen.

von
rab

Macron und Trump treffen sich am Nato-Gipfel. (Video: AP)

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Zustand der Nato Anfang November mit drastischen Worten kritisiert. Das Verteidigungsbündnis sei «hirntot», sagte Macron dem britischen Wirtschaftsmagazin «Economist» in einem Interview.

US-Präsident Donald Trump liess diese Aussage nicht auf sich sitzen. An der Eröffnung des Nato-Gipfels in London sagte er am Dienstag, Macrons Statement sei «sehr beleidigend» und «sehr, sehr böse» gewesen.

Macron bekräftigte dennoch seine Kritik. Damit wachsen die Spannungen in der Allianz ausgerechnet beim Jubiläumsgipfel zum 70-jährigen Bestehen der Nato. Immerhin schafften es die 29 Bündnispartner vorab, sich auf eine «Londoner Erklärung» zu einigen und den gegenseitigen Beistand zu bekräftigen.

In der Erklärung wird auch zum ersten Mal explizit China als mögliche neue Bedrohung erwähnt: «Wir erkennen, dass der wachsende Einfluss und die internationale Politik Chinas sowohl Chancen als auch Herausforderungen darstellen, die wir als Allianz zusammen angehen müssen.»

Die Erklärung spart zugleich nicht mit Eigenlob und nennt die Nato das «stärkste und erfolgreichste Bündnis in der Geschichte».

Debatte über Zukunft

Doch hat Macrons Fundamentalkritik die Nato durchgerüttelt und eine heftige Debatte über ihre Zukunft entfacht. In der Vergangenheit hatte Trump das Bündnis selbst als «obsolet» bezeichnet und mit Rückzug der USA gedroht. Nun präsentierte er sich überraschend als «Fan» der Nato und schoss sich bei einem ersten Auftritt in London voll auf Macron ein.

«Die Nato dient einem grossartigen Ziel», sagte Trump. Macron habe innenpolitische Probleme wie Arbeitslosigkeit, eine schlechte Wirtschaftslage sowie die Proteste der Gelbwesten. Macrons Kommentare seien respektlos. «Niemand braucht die Nato mehr als Frankreich», sagte Trump.

Einige Stunden später mässigte Trump bei einem gemeinsamen Auftritt mit Macron zwar seinen Ton. Trotzdem wurden die Differenzen der beiden Staatenlenker offensichtlich. Macron sagte mit Blick auf seine «Hirntod»-Diagnose: «Meine Äusserungen haben Reaktionen hervorgerufen. Aber ich stehe dazu.»

Er kritisierte auch erneut die Türkei, die in Nordsyrien gegen Kurdenmilizen vorgehe, die vorher an der Seite der westlichen Partner gegen die Terrororganisation Islamischer Staat gekämpft hätten. «Das ist ein Problem, das ist ein strategisches Problem», sagte Macron.

Gespräche über Syrien

Nachmittags traf Macron in London gemeinsam mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premier Boris Johnson den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Gespräch über Syrien.

Streit gibt es mit der Türkei auch wegen des Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems. Macron übte auch daran Kritik, während sich Trump verständnisvoll äusserte und die Türkei generell lobte.

Trump nahm zwar auch diesmal Deutschland wegen zu niedriger Militärausgaben ins Visier und drohte vage mit möglichen Reaktionen im Handel. Insgesamt äusserte er sich aber weniger aggressiv als bei früheren Gelegenheiten. (rab/sda)

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