Aktualisiert 27.03.2013 12:12

Action statt Erection

Das war Hollywoods letzte Sex-Szene

Filmproduzenten in Los Angeles setzen lieber auf Action als auf Sex-Szenen. Die Zeit des Beischlafs auf der Leinwand sei vorbei.

von
Alpcan Özkul

Welche ist die letzte Kino-Sex-Szene, an die Sie sich erinnern können? Wenn Sie jetzt an Kate Winslet und Leonardo DiCaprios fensterbeschlagendes Nümmerchen im Oldtimer der untergehenden Titanic denken, liegen Sie genau richtig: Laut Film-Analytikern soll James Camerons Drama von 1997 der letzte Blockbuster mit einer waschechten Sex-Szene gewesen sein.

Laut einem Bericht der «Sunday Times» setzen die Filmproduktionsfirmen in und um Hollywood mittlerweile vermehrt auf actiongeladene Special-Effects, die dem Zuschauer das Kinn runterreissen. Der Spruch «sex sells» treffe so nicht mehr auf die Filmindustrie zu, weil bei den Konsumenten eine Übersättigung an Sex stattgefunden habe. Grund dafür sei - welch Wunder - das Internet.

Die Kinokassen klingeln nicht mehr

«Sex-Szenen wurden früher mit ins Drehbuch geschrieben, egal ob es zum Plot passte oder nicht. Einfach um die Trailer aufzupeppen. Heute bedeuten Sex-Szenen, dass die Filme nur für Erwachsene zugelassen sind und man an den Kinokassen auf ein jüngeres Publikum verzichten muss», sagt Film-Experte Vincent Bruzzese gegenüber der Tageszeitung «The Sun». Laut Bruzzese sei Jennifer Lawrences oscargekrönte Rolle in «Silver Linings» das ideale Beispiel für das moderne Weglassen von Sex-Szenen: Der Film handelt von einer besessenen Nymphomanin, ohne jedoch eine einzige obszöne Szene zu beinhalten.

Schweizer Filmemacher hingegen sehen das Ganze nicht so eng. Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Güzin Kar, Schweizer Regisseurin mit türkischen Wurzeln, dass die Altersfreigabe auch in der Schweiz eine Rolle spiele. Es brauche aber viel mehr als in den USA, bis ein Film die Altersfreigabe ab 18 bekommt. «Beim Schreiben vergesse ich die Richtlinien und tauche in die Logik des Films ab. Sie ist der beste Ratgeber. So würde ich in einem Kinderfilm keinen erigierten Penis zeigen wollen, aber in einem Film über Gewalt in Gefängnissen kann das unter Umständen richtig sein», sagt die 42-jährige Regisseurin. Wenn es für den Film wichtig sei, würde sie auch ein kleineres Publikum in Kauf nehmen.

«Sex wird abgelehnt, aber Gewalt ist okay.»

Oliver Rihs, Schweizer Regisseur und Filmproduzent, findet die Entwicklung in den USA fragwürdig: «Die Amerikaner sagen mittlerweile zwar nein zu Sex, dafür lieben sie es, Gewalt auf der Leinwand zu verherrlichen.» Der 42-Jährige bevorzugt es, keine Einschränkungen zu haben: «Ich finde es unangenehm, während dem Schreiben des Drehbuchs Rücksicht auf solche Sachen nehmen zu müssen. Der Produzent soll entscheiden, was am Schluss weg muss.» Auf die Frage, ob denn der Spruch «sex sells» seine Bedeutung verloren habe, antwortete Rihs: «Nein, das glaube ich nicht. Wäre ja auch schade drum.»

Spätestens 2014 sollte jedoch Schluss sein mit der langen Sex-Durststrecke in den Kinos. Dann soll nämlich «50 Shades of Grey» - der literarische Porno des letzten Jahres - in die Kinos kommen.

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