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«Das wars mit der Moral!»

Die erste Folge der Soap-Doku «Kid Nation» gab keine Antwort auf die Frage, ob 40 Kinder, die wochenlang alleine in einem Dorf leben, sich wirklich selbst organisieren können. Dramatisch wurde es dennoch ...

40 Kinder zwischen acht und 14 Jahren werden in einer staubigen Wüstengegend in New Mexico abgesetzt. Dann müssen sie Ziegen und Karren mit ihrem Gepäck in ein Westerndorf ziehen. So begann die erste Folge der - in den USA - heftig umstrittenen Reality-Soap «Kid Nation», die am 19. September das erste Mal vom US-Sender CBS ausgestrahlt wurde (20minuten.ch berichtete).

Bereits nach kurzer Zeit dämmert es den Kindern, dass sie sich nicht in einem Klassenlager befinden, sondern dass sie hier Verzicht üben müssen: Dünne Schlafmatten als Betten, ein einziges WC für 40 Kinder und die Aufgabe, selbst zu kochen, stossen nicht auf Begeisterung.

Auf was die Kinder nicht verzichten dürfen, sind Emotionen. Die Gefühle, die mit Tränen einher gehen, sind die interessantesten, für die TV-Macher wie auch für die Zuschauer, die beide an Dramatik interessiert sind. Und Tränen fliessen reichlich. Der achtjährige Jimmy schluchzt: «Ich glaube, ich bin zu jung, um das mitzumachen. Ich wünschte, ich wäre älter.» Verständlicherweise fördert die Präsenz eines Kamerateams auch die Bereitschaft zu helfen. Laura versucht dem kleinen Jimmy Mut zu machen: «Du machst das klasse. Wir schaffen das zusammen, okay?»

Einhämmern der Regeln der Profitgesellschaft

Deutlich wurde in dieser ersten Folge auch, dass die Kinder nicht eine Gesellschaft bauen - CBS-Produzent Tom Forman sagt, wo's langgeht: Er teilt die Kids in Gruppen und danach - als Folge eines Wettbewerbs - in gesellschaftliche Schichten ein: Arbeiter, Köche, Händler und Oberschicht. Wettbewerbsgewinner werden zu Besserverdienenden (1 Dollar Lohn pro Tag), die Verlierer werden der Arbeiterschicht zugeschlagen (10 Cent pro Tag).

Aber CBS vermittelt den Kindern die Werte der Profitgesellschaft noch um einiges eindrücklicher: Als dem verdientesten Mitglied der Gemeinschaft zum ersten Mal der «goldene Stern» im Wert von 20'000 Dollar verliehen wird, ist den Kindern anzusehen, dass sie der Versuchung dieses hübschen Sümmchens nicht widerstehen können und ihr Ziel in «Kid Nation» nun klar ist. Oder wie Mike, einer der Gruppen-Leader, es formuliert: «Das wars mit der Moral - jetzt werden wir viel mehr Spass haben.»

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