Ehemalige Psychiater vor Gericht – «Das, was Brian passiert ist, hätte nicht geschehen dürfen»
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Ehemalige Psychiater vor Gericht«Das, was Brian passiert ist, hätte nicht geschehen dürfen»

Drei Psychiater, welche 2011 den Häftling Brian während 13 Tagen ans Bett fesselten, haben laut Obergericht keine Freiheitsberaubung verübt. Sie erhalten eine Entschädigung.

von
Stefan Hohler
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Drei Psychiater hatten Brian 2011 während 13 Tagen an ein Bett festgebunden.

Drei Psychiater hatten Brian 2011 während 13 Tagen an ein Bett festgebunden.

Screenshot SRF
Das Bezirksgericht Zürich hatte die Mediziner letztes Jahr freigesprochen.

Das Bezirksgericht Zürich hatte die Mediziner letztes Jahr freigesprochen.

Screenshot SRF
Nun sprach auch das Obergericht die drei Ärzte vom Vorwurf der Freiheitsberaubung frei.

Nun sprach auch das Obergericht die drei Ärzte vom Vorwurf der Freiheitsberaubung frei.

20min/Stefan Hohler

Darum gehts

  • Drei Psychiater standen Ende Oktober wegen Freiheitsberaubung vor dem Zürcher Obergericht.

  • Sie hatten Brian während 13 Tagen ans Bett gefesselt.

  • Nun hat das Obergericht die drei Ärzte freigesprochen.

Drei Ärzte hatten 2011 den damals knapp 16-jährigen Brian 13 Tage lang in der Psychiatrischen Universitätsklinik ans Bett gefesselt und mit Medikamenten ruhig gestellt. Sie begründeten dies damit, dass Brian zwei Suizidversuche verübt hatte. Zudem habe er Morddrohungen gegen das Pflegepersonal und die Ärzte ausgesprochen. «Eine andere Alternative als eine Fixation war in diesem Zustand nicht möglich», sagte einer der Ärzte am Prozess vor dem Obergericht Ende Oktober.

Am Donnerstagabend wurde nun das Urteil verkündet. Das Obergericht sprach die drei Ärzte, wie schon das Bezirksgericht Zürich im Sommer 2020, vom Vorwurf der Freiheitsberaubung frei. Sie erhalten eine Entschädigung von je 14’500 Franken. Der Staatsanwalt hatte bedingte Freiheitsstrafen von zweimal sieben und einmal 14 Monaten gefordert.

Für das Obergericht war die Fixation von Brian ans Bett während 13 Tagen ein schwerer Eingriff in die Grundrechte. «Es wurde ihm Unrecht getan», sagte der Vorsitzende am Donnerstag. Die entsprechende Station in der Psychiatrischen Universitätsklinik sei ungeeignet gewesen, um Brain dort unterzubringen. Laut Richter hat das System versagt.

«Freispruch kein Freipass für Fixierung»

Rechtlich gesehen sei die Fesselung ans Bett aber erlaubt gewesen. Es sei in den Richtlinien auch keine Zeitdauer vorgeschrieben, wie lange eine solche Zwangsmassnahme dauern dürfe. Die Unterbringung in die Sicherheitsabteilung in die Klinik Rheinau sei damals aus Platzgründen nicht sofort möglich gewesen.

«Der Freispruch ist aber kein Freipass für eine Fixierung», betonte der Richter. Die Gesellschaft müsse entsprechende Therapieplätze schaffen. «Das, was Brian passiert ist, hätte nicht geschehen dürfen.» Brian selbst war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Er habe kurzfristig entschieden nicht teilzunehmen, wie der Richter erklärte.

Markus Bischoff, der Anwalt von Brian, ist erfreut, dass das Gericht erkannt hat, dass seinem Mandanten Unrecht zugefügt wurde. «Das ist wichtig für die Staatshaftungsklage gegen den Kanton Zürich, die bis zum Urteil sistiert wurde.» Bischoff will das Urteil ans Bundesgericht in Lausanne ziehen.

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Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

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Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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