Swiss Economic Forum: Das WEF der Schweizer Unternehmer
Aktualisiert

Swiss Economic ForumDas WEF der Schweizer Unternehmer

Das Swiss Economic Forum mausert sich zum wichtigsten Anlass für die einheimische Wirtschaft. Am KMU-Treffen geben sich Schweizer Unternehmer und internationale Stars die Klinke in die Hand.

von
Sabina Sturzenegger

Alles begann mit dem Konkurs der Spar- und Leihkasse Thun im Jahr 1993. Das «Forum der Jungen Wirtschaft» sollte der arg gebeutelten Thuner Regionalwirtschaft nach dem Bankenkonkurs und einem massiven Arbeitsplatzabbau der Bundesbetriebe zu neuen Impulsen verhelfen. Mit dabei: Stefan Linder und Peter Stähli.

Diese zwei Herren sind heute, wenn das Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken bevor steht, nur noch schwer erreichbar. Sie sind zwar nicht so bekannt wie WEF-Gründer Klaus Schwab, doch beide sind in der Schweizer Wirtschaft inzwischen gefragte Männer.

Bedürfnis für nationales Forum

Aus dem «Forum der jungen Wirtschaft» wurde 1998 das Swiss Economic Forum, wie Peter Stähli erzählt: «Stefan Linder und ich haben Ende der 90er-Jahre gemerkt, dass das Bedürfnis für ein nationales, branchenübergreifendes Forum in der Schweiz vorhanden war.»

Sie machten sich an die Arbeit. Nach einem Spaghetti-Essen erstellten die beiden selbständigen Unternehmer ein Konzept für das SEF und machten sich auf Sponsorensuche – mit Erfolg: «Mit der UBS, PWC und der Swisscom als Sponsoren konnten wir 1999 unser erstes SEF durchführen.»

Roubini, Fink, Annan, Branson

Inzwischen ist das SEF aber mehr als ein regionales KMU-Treffen. Das zeigt die illustre Gäste- und Rednerliste: Dieses Jahr reisen neben US-Starökonom Nouriel Roubini auch Larry D. Fink, Chef des weltweit grössten Vermögensverwalters Blackrock, sowie der griechische Premierminister George Papandreou nach Interlaken.

Zu den Gästen der letzten Jahre gehörten auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, der britische Unternehmer, Abenteurer und Milliardär Richard Branson, der Schweizer Uhrenkönig Nicolas Hayek, Peter Voser, bis vor kurzem Chef des Ölmultis Shell oder der erfolgreiche Schweizer Medizinaltechnik-Unternehmer Hansjörg Wyss. Auch Nobelpreisträger wie Paul Krugmann und Al Gore waren als Redner am SEF.

Teilnehmer werden zugelost

Wie sehr das SEF in der Schweizer Wirtschaftswelt auf Interesse stösst, zeigt auch die Teilnehmerzahl: Das erste SEF 1999 startete mit 500 Teilnehmern. Inzwischen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt, eine Weile hatte man in Thun mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen: «Fast die gesamte Hotelinfrastruktur befindet sich in Interlaken», sagt Stähli. Das verursachte einen grossen Aufwand in der Logistik und viel Verkehr zwischen den beiden Städten.

Deshalb wurde das SEF nach Interlaken ins Kongresszentrum verlegt. Die Teilnehmerzahl wurde auf 1300 beschränkt. Die begehrten Plätze werden zugelost. Das Swiss Economic Forum war auch dieses Jahr innerhalb von weniger als einer Stunde ausverkauft. «Wir müssen jedes Jahr 600 bis 700 Leute abweisen», sagt Stähli.

In der Schweiz bleiben

Dennoch wollen die SEF-Gründer auf dem Schweizer Boden bleiben und dem WEF keine Konkurrenz machen. «Die beiden Foren sind nicht vergleichbar», sagt Stähli. Das SEF sei weiterhin klar auf die Schweiz, das inländische Unternehmertum und die KMU-Wirtschaft fokussiert. «Unsere Teilnehmer sind zu über 80 Prozent Vertreter von kleineren und mittleren Schweizer Unternehmen», ergänzt er. Auch grösser werden will das SEF vorerst nicht. «Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität», sagt Stähli.

Herr Stähli, das Swiss Economic Forum glänzt inzwischen mit internationalen Referenten. Wozu braucht es diese?

Wir versuchen jedes Jahr, ein globales Thema herunterzubrechen auf die einzelnen Schweizer Unternehmen. Deshalb setzen wir auf internationale Referenten wie Nouriel Roubini in diesem Jahr.

Wie bringen Sie einen wie den US-Starökonomen überhaupt nach Interlaken?

Das ist ganz unterschiedlich. Ökonomen haben einen strikten Zeitplan, mit etwas Glück stimmen die Termine überein. Beim Unternehmer Richard Branson hingegen haben wir fast sieben Jahre lang «gepickelt». Unter anderem haben wir 2003 vor dem Hauptsitz seiner Virgin Group einen Riesenballon aufgeblasen, damit er unsere Organisation wahrnimmmt. Schliesslich kam er 2009 ans SEF.

Wie viel Geld fliesst?

Ökonomen haben durchaus vernünftige Honorare. Den genauen Betrag dürfen wir nicht verraten, das ist vertraglich geregelt. Aber einer wie Tony Blair kommt schon teuer zu stehen, weil es grosse Sicherheitsvorkehrungen braucht. Das zahlt jeweils das SEF. (egg)

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