Aktualisiert 02.11.2011 16:21

Stadion des Lichts

Das «Wembley» von Portugal

Der FC Basel spielt sein Champions-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon im Estádio da Luz. Die Arena ist eine der modernsten in Europa.

von
Eva Tedesco, Lissabon

Anhänger von Benfica Lissabon hassen den Anblick des Estadio Alvalade auf dem Weg in den Norden der portugiesischen Hauptstadt. Denn hier ist Sporting, der Erzivale der «Roten Adler», beheimatet. Die grün-gelb-weiss geflieste Arena finden die Fans potthässlich und nennen sie spöttisch nur «Badezimmer». Zum Glück beruhigen sich die Gemüter rasch, denn nur rund zwei Kilometer Luftlinie entfernt steht die «Kathedrale», wie Ernie Walker (†Mai 2011), einst Vorsitzender des Stadionkomitees der Uefa, das «Stadion des Lichts» einst genannt hat. Für die Uefa und Benfica ist das Finalstadion der EM 2004 eine Vorzeige-Arena.

Um dem Neubau in Lissabon Platz zu machen, wurde das alte Stadion, einst die grösste Spielstätte Europas, abgerissen. An dessen Stelle steht nun eine Multifunktionsarena, die über 65 000 Zuschauern Platz bietet und 118,7 Millionen Euro gekostet hat. Die neue Arena übernahm auch den Namen des alten «A Luz», seinerzeit eines der berühmtesten Stadien Europas. Die Einweihung der neuen Arena fand im Oktober 2005 statt, rund 50 Jahre nachdem das alte Stadion eröffnet worden war und 100 Jahre nach der Gründung von SL Benfica. Allein schon der Anblick des roten Ovals ist imposant. Aber das «Wembley» Portugals ist in jeder Hinsicht ein Komplex der Superlative.

Weiche Formen, die sich in die Landschaft einfügen

Besondere Beachtung schenkte Architekt Damon Lavelle der Gestaltung des Daches und dem Zusammenspiel von Licht und Transparenz. Das Stadion mit seinem imposanten Glasdach ist so angelegt, dass es bei gutem Wetter den ganzen Tag von Sonnenlicht durchflutet ist. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, wurden 32 mm dicke Strukturplatten aus Glas mit beidseitigem UV-Schutz verbaut. Die Transparenz gibt ein Gefühl der Leichtigkeit, ein Anliegen des Architekten. Das Stadion soll mit den fliessenden Formen der Landschaft verschmelzen. So wie es die portugiesische Fado-Sängerin Misia ausdrückt: «Wenn ich mich Lissabon vom Meer her nähere, liegt die Stadt vor mir, wie eine schlafende Frau, ganz weich und rund.» Optisch verstärkt wird das fliessende Design von vier roten Bögen über dem Stadiondach auf 43 Metern Höhe, die auf eckigen Pfeilern ruhen.

Auf dem 450 000 Quadratmeter grossen Areal im Quartier «Luz» finden sich zudem ein Fitnessklub mit Hallenbad, ein Unterhaltungszentrum, sechs Konferenzräume und diverse Restaurants. Der Komplex rund um «A Luz» bietet diversen anderen Sportarten eine Heimat. So sind Plätze für Basketball, Volleyball, Rollhockey und Badminton vorhanden. Ein Kleinfeld-Fussballplatz und Räume für Billard komplettieren das Sportzentrum im Norden der Stadt. Die Zufahrt zum Stadion erfolgt unterirdisch, als ob man in ein riesiges Einkaufszentrum fahren würde. Und auch die Stadionführungen werden so «abgefahren» - unter dem Stadion von Sektor zu Sektor.

Granit Xhaka unbeeindruckt

«Wir freuen uns darauf, in diesem schönen Stadion zu spielen», sagt FCB-Trainer Heiko Vogel, der mit seiner Mannschaft am Dienstagabend das Abschlusstraining im Stadion des Lichts absolviert hat. Wirklich beeindrucken konnte das Estadio da Luz die FCB-Stars nach ihrem Auftritt im Old Trafford vor einem Monat aber nicht mehr. Im Mutterland des Fussballs gegen Manchester United anzutreten hat schon seinen eigenen Reiz und ist für junge Profis kaum zu toppen.

«Für mich ist es zwar das erste Mal, dass ich in Portugal spiele», sagt Granit Xhaka, «aber nach 80 000 Fans im proppenvollen Old Trafford kann nicht mehr viel Grösseres kommen», so Xhaka. Dann räumt der Youngster aber ein: «Aber so wie ich gehört habe, hat Benfica gute Fans.» Unbeeindruckt beschreibt der junge Basel auch die Ausgangslage vor der Partie. «Wenn wir eine weitere Sensation schaffen, ist das gut, wenn nicht, haben wir wenigstens wieder dazugelernt. Aber wir werden uns sicher nicht unter Wert verkaufen.»

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