Im Ruderboot über den Atlantik: «Das Wetter verunmöglicht uns leider den Weltrekord»
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Im Ruderboot über den Atlantik«Das Wetter verunmöglicht uns leider den Weltrekord»

Steve Chetcuti rudert derzeit mit einem Team über den Atlantik. Mit der Überfahrt will er seinen verstorbenen Bruder ehren und Spendengelder sammeln.

von
Lynn Sachs

Steve Chetcuti rudert mit vier weiteren Personen über den Atlantik. Die Reise startete in Portugal.

Privat

Darum gehts

  • Steve Chetcuti rudert derzeit mit einem Team von Portugal nach Französisch-Guyana über den Atlantik.

  • Er bestreitet diese Reise, um seinem an Krebs verstorbenen Bruder zu ehren.

  • Nach Anfangsschwierigkeiten sind die Ruderer auf gutem Kurs.

  • Den angepeilten Weltrekord werden sie wegen des Wetters vermutlich verpassen.

Von Europa nach Südamerika mit dem Ruderboot. Diese Überfahrt von 6000 Kilometern über den Atlantik bestreitet derzeit der 50-jährige Aargauer Steve Chetcuti zusammen mit einem internationalen Team, das aus einer Frau und vier Männern besteht. Drei von ihnen haben eine Reise über den Atlantik schon einmal gewagt.

Steve will mit diesem Abenteuer seinen Bruder ehren, der vor einigen Jahren an Krebs verstorben ist und Geld für drei Hilfsorganisationen sammeln. «Ich wollte etwas Spezielles machen, um ihm zu gedenken.» Die Spenden sollen der Krebsliga Schweiz, Terre des Hommes und Hospice Malta zu Gute kommen.

Die Ruder-Reise geht von Portimão in Portugal nach Kourou in Französisch-Guyana. Ein Zurück oder ein Begleitboot gibt es nicht. Entsprechend intensiv waren die Vorbereitungen auf das Abenteuer. Mit rein körperlichem Aufwand wollte der gebürtige Malteser mit seinem Team den Weltrekord von 48 Tagen unterbieten.

Reisezeit von bis zu 60 Tagen

Doch daraus wird vermutlich nichts. «Es ist gemäss dem jetzigen Stand höchst unwahrscheinlich», sagt seine Partnerin Desirée, die regelmässig in Kontakt mit Steve ist. Das Team geht von einer Reisezeit von bis zu 60 Tagen aus. Grund dafür ist das Wetter. Bereits in der ersten Woche nach dem Start am 1. März kämpfte das Team damit.

Mit dem Ziel Südamerika und 10’000 Franken an Spendengeldern für jede Organisation zu erreichen, stiegen die Ruderer ins Wasser. «Wegen des schlechten Wetters mussten wir drei Tage am Anker verweilen und konnten nicht weiter», bedauert Steve. Das habe die Gruppe frustriert, weil sie dadurch den Weltrekord verpassen werden.

Delfine und Schildkröten motivieren

Zudem hat sich Steve in den ersten Tagen am Finger verletzt. «Weil die Wunde stets nass ist und ich meine Hände ständig brauche, heilt die Wunde nur langsam», sagt Steve. Trotzdem sei das Team gut drauf. Nach nur sieben Tagen hatten sie bereits 500 Kilometer zurückgelegt. Nach fünf Wochen hatten sie Kap Verde erreicht. «Das Wetter wurde wärmer und die Wetterverhältnisse haben sich verbessert.»

Am vergangenen Wochenende haben sie die 3000-Kilometer-Marke erreicht – Halbzeit. Trotzdem sei die Reise für ihn mental ein Auf und Ab. «Mit dem Wissen, dass es noch weit ist, habe ich manchmal zu kämpfen», sagt Steve. Die Wale, Delfine und Schildkröten, die die Gruppe begleiten, würden die Motivation jedoch hoch halten. Da sie nun auf dem offenen Meer unterwegs sind, wird das Wetter vorgeben, wie schnell die Ruderer Südamerika erreichen werden. Das Team hofft, bis zum 22. April ihr Ziel zu erreichen.

Im Wohnzimmer trainiert

Für Steves Familie waren die letzten Monate eine Herausforderung. «Ich bin froh darüber zu hören, dass es ihm gut geht, auch wenn die Verbindung sehr schlecht ist», sagt Desirée. Sie unterstütze ihren Mann voll und ganz bei seinem Vorhaben. «Wir mussten aber auch auf vieles verzichten, weil Steve viel weg war und er selbst für die Reisekosten aufkommt.»

Steves Faszination zum Rudern begann, als er einen Dokumentarfilm sah, in dem ein Schweizer Team über den Atlantik ruderte. Damals begann er zu trainieren. «Ich wurde Mitglied im Ruderklub Hallwilersee und ging mit einem Schweizer Team ab und zu aufs Wasser.» Bereits zwei Jahre vor dem Abenteuer sass er im Wohnzimmer regelmässig am Rudergerät.

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Steve Chetcuti will mit seinem Team über den Atlantik rudern.

Steve Chetcuti will mit seinem Team über den Atlantik rudern.

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Am 1. März startete das Team die Überfahrt von Portugal nach Französisch-Guyana.

Am 1. März startete das Team die Überfahrt von Portugal nach Französisch-Guyana.

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Wegen den Wetterverhältnissen, haben die Ruderer anfänglich etwas Zeit verloren. Den Weltrekord von 48 Tagen werden sie daher nicht mehr brechen.

Wegen den Wetterverhältnissen, haben die Ruderer anfänglich etwas Zeit verloren. Den Weltrekord von 48 Tagen werden sie daher nicht mehr brechen.

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Deine Meinung

9 Kommentare
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Urseppli

05.04.2021, 09:02

Sehr schöne Aktion. Komisch nur, dass Orgsnisation und Durchführung einer solchen Reise viel mehr kostet als die gesammelten Spenden. Siehe Talisker-Race.

Bergpur

05.04.2021, 05:56

Meine Phobie: Tiefes Wasser ohne Sicht auf das Land und die Höhe. Da sitz ich lieber auf der Terrasse und geniesse die Ruhe.

Roger R.

04.04.2021, 19:24

Tolle Arbeit der Ruderer. Was man von der Redaktion nicht sagen kann: Sie hoffen, dass sie nach insgesamt X Tagen ihr Ziel erreichen werden.