Politologe zum RGM-Aus: «Das wird die Politik der Stadt Bern beleben»
Aktualisiert

Politologe zum RGM-Aus«Das wird die Politik der Stadt Bern beleben»

Das Berner Rot-Grün-Mitte-Bündnis steht vor dem Aus. Politologe Mark Balsiger schätzt die neue Ausgangslage der drei betroffenen Parteien ein.

von
Nora Camenisch

Mark Balsiger, wie stehen die Chancen vom GB und der GFL bei einem Alleingang?

Für einen sicheren Sitz in der Stadtberner Regierung braucht es 16,7 Prozent. Das Grüne Bündnis und die Grüne Freie Liste haben bei den Parlamentswahlen vor vier Jahren 10,5 bzw. 9,5 Prozent erreicht. Beide Parteien sind also auf neue Partner angewiesen, um mit einer gemeinsamen Liste einen Sitz im Gemeinderat zu ergattern.

Welche Partner wären dies?

Für das GB kann der logische Partner nur SP heissen, alle anderen grösseren Parteien wären ideologisch zu weit weg. Gestalten SP, die 26,8 Prozent erreichte, und das GB eine gemeinsame Liste, ist aber der dritte Sitz dieses Blocks in Gefahr. SP-Neukandidat Michael Aebersold hätte gegenüber der Bisherigen Franziska Teuscher vom Grünen Bündnis schlechtere Karten.

Und die GFL?

Die GFL muss die Fühler Richtung Mitte, also zu BDP, EVP und CVP, ausstrecken. Dieses Bündnis der kleinen Mitte-Parteien ist allerdings schon gefestigt. Wenn der bisherige CVP-Gemeinderat Reto Nausewieder kandidiert – und davon ist auszugehen – ist er der klare Leader auf dieser Liste. Entsprechend hätte es keinen Platz für Alec von Graffenried von der Grünen Freien Liste.

Wie stehen die Chancen für die SP, wenn sie alleine ins Rennen steigt?

Die SP könnte es sich erlauben, ohne Partner in den Gemeinderatswahlkampf zu ziehen. Dank ihrer Wählerstärke verteidigt sie in dieser Konstellation ihre beiden Sitze am ehesten alleine.

Was hat das Aus von RGM für Folgen für die städtische Politik?

Das Aus des RGM-Bündnisses wird die Politik in der Stadt Bern beleben. In den letzten 24 Jahren brachte dieser Machtblock praktisch alles durch. Wenn bei Sachgeschäften in Zukunft regelmässig verschiedene Allianzen spielen müssen, führt das zu einer Entkrampfung. Auch weil es wieder attraktiver wird, für eine bürgerliche Partei zu politisieren.

Spielt das RGM-Aus den Bürgerlichen wirklich in die Hände?

Auf bürgerlicher Seite ist die Perspektive weiterhin schwierig: Alexandre Schmidt von der FDP braucht einen Wahlverein, also Supporter auf der eigenen Liste, die ihm nicht gefährlich werden. Die SVP ist zwar leicht stärker als die FDP und hat auch ihre Liste schon vor Monaten präsentiert. Allerdings musste sie im Winter ihren Kandidaten Stefan Hofer wieder zurückziehen, weil sein Geschäftsgebaren in der Vergangenheit zu viel Druck auslöste.

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