23.06.2020 17:40

Tiny-House-Gondel

«Das wird eine ziemliche Mammutaufgabe»

Im letzten Artikel dieser Miniserie stellten wir euch Valeria Mella, Adi Rüedi und ihre verrückten Projekte vor. Nun trafen wir sie für ein Gespräch, bei dem sich alles um ihre aktuelle Tat drehte: den Bau einer Tiny-House-Gondel.

von
Martin Hoch
Zwei Menschen und eine verrückte Idee: Die beiden bauten eine alte Gondel zu einem Tiny House um, das in Zukunft für Übernachtungen gebucht werden kann.

Zwei Menschen und eine verrückte Idee: Die beiden bauten eine alte Gondel zu einem Tiny House um, das in Zukunft für Übernachtungen gebucht werden kann.

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Valeria Mella und Adi Rüedi, die gemeinsam den Blog Littlecity.ch betreiben, bauten ein Tiny House. Kein durchschnittliches jedoch. Sie kauften sich online die alte Brunni-Gondel und transformierten diese während der letzten Monate zu einem kleinen, hübschen Wohnraum. Dieses Tiny House soll in Zukunft auch für Gäste als Ein-Bett-Hotel buchbar sein. Kurz vor Fertigstellung besuchten wir sie in ihrer Werkstatt in Schüpbach im Emmental. Die Schreinermanufaktur Röthlisberger, deren Inhaber das Projekt gefiel, stellte den beiden für die Umsetzung Ressourcen und den notwendigen Raum in ihrer Lagerhalle zur Verfügung. Hier zeigten sie uns stolz das Ergebnis und sprachen mit uns über die letzten Monate und was nun kommen wird.

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Die alte Brunni-Gondel.
Die alte Brunni-Gondel.

Rund sechs Millionen Passagiere beförderte sie einst in der Region Engelberg.

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Aus alt wird neu
Aus alt wird neu

Erst hiess es, alles auseinandernehmen und abschleiffen.

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Adi Rüedi
Adi Rüedi

Er sei schon immer ein Tüftler gewesen, verrät uns Adi Rüedi.

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  • Was war zuerst da: die Gondel oder die Idee, aus einer Gondel ein Tiny House zu bauen?

Adi Rüedi: Ich hatte schon seit längerem die Idee, ein Tiny House zu bauen. Dann sahen wir online zufällig diese Gondel, die Masse stimmten, und so war für uns beide schnell klar: Daraus bauen wir ein Tiny House.

  • Als die Gondel bei euch ankam, habt ihr nicht wenigstens für einen kurzen Augenblick gedacht: Das ist doch ein verrücktes Projekt, können wir das überhaupt umsetzen?

Adi Rüedi: Nein, eigentlich nicht. Eher dazwischen gab es einen schwierigen Moment. Ich kriegte den Aluboden kaum raus, es war zum Verzweifeln. Der Boden war gleichzeitig verschweisst, genietet und verleimt. Den musste ich Zentimeter für Zentimeter mit den verschiedensten Maschinen rausfräsen und sägen.

Valeria Mella: Es ist so, Adi hatte nie einen solchen Gedanken. Wenn er eine Idee hat, kann er sich von Anfang an gut vorstellen, wie sie umzusetzen ist. Aber ich dachte schon: Wow, das wird eine ziemliche Mammutaufgabe.

  • Wie plant man einen solchen Umbau, und was gilt es zu beachten?

Valeria Mella: Wir mussten uns in viele Themen einlesen. Wir bildeten uns, auch mithilfe des Internets, weiter – vom Folieren bis zum Schweissen.

Adi Rüedi: Wir betrieben viel Recherche. Dann zeichneten wir Pläne. Und zeichneten sie dutzendfach wieder um. Man versucht alles so zu planen, dass man in Bezug auf Komfort so wenig Kompromisse wie möglich machen muss. Hilfreich war auch, dass uns der Gondelhersteller die Originalpläne zur Verfügung stellte.

  • Seid ihr gelernte Schreiner oder sonst handwerklich tätig?

Adi Rüedi: Ganz im Gegenteil – aber ich habe seit meiner Kindheit eine Werkstatt zur Verfügung, und es war schon immer meine Leidenschaft, herumzutüfteln und Dinge zu kreieren.

Selfmade-Handwerker
Selfmade-Handwerker

Adi Rüedi betätigte sich schon als Kind gerne handwerklich.

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  • Welches waren die grössten Herausforderungen, und wie habt ihr diese gemeistert?

Valeria Mella: Viele Arbeiten, die wir bei diesem Projekt ausführten, machten wir zum ersten Mal. So war es bei jedem Arbeitsschritt schwierig abzuschätzen, wie viel Zeit wir benötigen.

Adi Rüedi: Eine riesige Herausforderung war, dass die Gondel innen unzählige verschiedene Winkel hat. So mussten wir äusserst genau arbeiten, damit am Schluss alles zusammenpasste. Ein Zentimeter zu lang bei einem Möbel veränderte jeweils alles. Ein Einbau auf diesem kleinen Raum bringt viele Abhängigkeiten mit sich.

Valeria Mella: Dazu kam, dass wir vom ersten Tag an des Projektes auf das Gewicht der Gondel und des Ausbaus achten mussten. Es galt, konstant zwischen Leichtbau und Stabilität abzuwägen.

  • Nun ist die Gondel beinahe fertig, seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Valeria Mella: Wir haben eine riesige Freude. Es tut gut, das Ergebnis zu sehen, nachdem wir rund ein Jahr daran gearbeitet haben. Aber es schwingt auch Erleichterung mit und Vorfreude auf die Abenteuer, die wir nun mit der Gondel erleben werden.

  • Können Gäste nun in der Gondel übernachten, und wo wird sie stehen oder hängen?

Valeria Mella: Wir können die Gondel als «Wohnwagen» auf einem Anhänger benutzen und planen, selber auf diese Art unterwegs zu sein. Für Gäste wird die Gondel in den nächsten Jahren an den verschiedensten Plätzen stehen. Spektakulär wird der erste Standort sein: Diesen Sommer wird die Gondel inmitten der Bergwelt auf 3000 Metern stehen. Wo genau das sein wird, ist jedoch noch nicht spruchreif.

Quo vadis?
Quo vadis?

Wo wird die Gondel wohl als Erstes stehen? Wir verraten es bald.

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Wir konnten aus den beiden doch noch herauskitzeln, wo die Tiny-House-Gondel stehen wird, und werden sie bald besuchen. Im nächsten Artikel dieser Miniserie zeigen wir euch, wie sie die Gondel zu Berg bringen und darin mal Probe schlafen.

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3 Kommentare
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Gwunderfitz

24.06.2020, 19:18

Ok, jetzt sieht man zwar, dass etwas gegangen ist in der Zwischezeit, aber noch sieht man die Gondel noch nicht fertig eingebaut und eingerichtet. Aber genau das würde mich eben am Meisten intetessieren. Na ja,dann wünsche ich weiterhin viel Spass am Projekt!

Anton Frei

24.06.2020, 16:07

Für einmal stimmt der Artikeltitel! 2 verrückte mit einer noch verrückter idee! Turis sind eventuell so dämlich sowas zu Buchen!