Aktualisiert 03.06.2020 07:03

Innovative Projekte

Das wird in der Schweiz gegen Food-Waste unternommen

Essensspenden, Bier aus altem Brot oder Einsammeln herrenloser Früchte: Hier gibt es einen Überblick lokaler Initiativen gegen Lebensmittelverschwendungen.

von
Stephanie Sigrist
Fast die Hälfte der Lebensmittelverschwendungen in der Schweiz ist auf private Haushalte und die Gastronomie zurückzuführen. In den meisten Kantonen gibt es inzwischen Projekte, um Food-Waste zu reduzieren.

Fast die Hälfte der Lebensmittelverschwendungen in der Schweiz ist auf private Haushalte und die Gastronomie zurückzuführen. In den meisten Kantonen gibt es inzwischen Projekte, um Food-Waste zu reduzieren.

Foto: Keystone

2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel gehen in der Schweiz jedes Jahr auf dem Weg zum Teller verloren oder werden verschwendet. Dies ist nicht nur hinausgeworfenes Geld, sondern hat auch verheerende Folgen für die Umwelt. Die Produktion von Lebensmitteln ist weltweit für rund 30 Prozent aller Umweltbelastungen verantwortlich. Werfen wir einwandfreies Essen in den Abfall, werden knappe Ressourcen wie Wasser, Böden und fossile Energieträger also vergebens belastet oder verbraucht. Gleichzeitig verknappt eine durch Verluste erhöhte Nachfrage das weltweite Angebot an Lebensmitteln – während die Ernährungssicherheit vieler Menschen nicht garantiert ist.

Im internationalen Vergleich sind die Verluste über die ganze Lebensmittelkette laut dem Verein Foodwaste.ch in den meisten Ländern ungefähr gleich hoch – sie unterscheiden sich jedoch in der Verteilung. Während in Industrieländern rund die Hälfte der Lebensmittelverschwendungen auf die Endkonsumenten zurückzuführen ist, landet in Schwellen- und Entwicklungsländern in privaten Haushalten sehr wenig im Abfall. In ärmeren Regionen der Welt sind dafür die Verluste bei der Ernte, in der Lagerung und der Verarbeitung höher, da oftmals effiziente Technologien und das nötige Wissen fehlen. Hierzulande wird fast die Hälfte der Abfälle in Haushalten und der Gastronomie verursacht.

In vielen Städten wurden Initiativen gegen Food-Waste lanciert, wobei Lebensmittel, die zwar noch geniessbar sind, aber das offizielle Verfallsdatum bereits überschritten haben, zu einem reduzierten Preis verkauft, getauscht oder verschenkt werden. Hier werden einige Projekte aus der ganzen Schweiz vorgestellt.

Äss-Bar: Backwaren und Patisserie, die von Bäckereien bis zum Ladenschluss nicht verkauft werden konnten, werden am Folgetag in Äss-Bars in Zürich, Bern, Basel, Winterthur, St. Gallen, Luzern, Biel und Freiburg unter dem Motto «frisch von gestern» zu einem reduzierten Preis angeboten.

Aufgetischt statt weggeworfen: Gespendete Lebensmittel werden nach Ladenschluss an armutsbetroffene Menschen in den Kantonen Zürich und Aargau weitergegeben.

B-Waren Gemüse: Dieses Projekt aus Olten rettet aussortiertes zweitklassiges Gemüse, das im Grosshandel nicht verkauft werden kann, und verteilt es an Abonnenten.

Bread Beer: Damn Good Food & Beverages AG mit Sitz in Weinfelden stellt aus unverkauftem Brot Bier her.

Die Sammlerei: In und um Basel erntet Die Sammlerei Gemüse und Früchte, die sonst nicht verwendet würden. Die Ernte wird danach eingekocht zu Chutneys, Konfitüre, Kompotten, Aufstrichen oder Mus.

Dr Konfimaa: Janosch Szabo pflückt bei Bauern Früchte, die sonst niemand essen würde, und verarbeitet diese zu Konfitüren.

Falling Fruit: Viele Bäume in unseren Strassen, Quartieren und Städten tragen Früchte, die unangetastet am Baum hängen bleiben. Falling Fruit will dies ändern und zeigt in einer App auf, wo gratis Früchte gesammelt werden können.

Foodsharing: Die international tätige Foodsharing-Gemeinschaft rettet überschüssige Lebensmittel in privaten Haushalten sowie Betrieben. Auf Foodsharingschweiz.ch kann man sogenannte Essenskörbe einstellen oder bei anderen abholen. Foodsharing betreibt in Zürich, Basel, Bern und Zug sogenannte Fair-Teiler. Das sind öffentlich zugängliche (Kühl-)Schränke, wo man überschüssige Lebensmittel hinbringen oder hinterlegtes Essen abholen kann. Ein Netzwerk von Freiwilligen holt bei Betrieben ausserdem nicht mehr verkäufliche Waren ab und verteilt sie weiter.

Gartengold: Äpfel von privaten Gärten und Wiesen, die ansonsten ungenutzt geblieben wären, werden von Menschen mit einer Beeinträchtigung gepflückt. Im Anschluss an die Ernte werden die Äpfel zu Saft verarbeitet.

Les marchés D'ici-Même: Dieses in Genf gestartete Projekt bietet kleinen Betrieben die Möglichkeit, ihre Produkte vor der Ernte über eine Onlineplattform zu verkaufen. Da alle Produkte im Voraus bestellt wurden, wissen sie genau, wie viel sie ernten müssen, und können auch Produkte online stellen, die sie im Überfluss haben.

Partage: Die Organisation Partage mit Sitz in Carouge im Kanton Genf sammelt und sortiert unverkaufte Ware im Detailhandel und verteilt diese kostenlos an soziale Institutionen.

RestEssBar: An mehr als zehn Standorten in der Deutschschweiz werden Kühlschranke von Freiwilligen mit überschüssigen Lebensmitteln von Läden befüllt und stehen allen kostenlos zur Verfügung.

Tables du Rhône: Täglich werden im Wallis und Chablais bei grossen Lieferanten Überschüsse eingesammelt und über soziale Institutionen und öffentliche Tafeln an bedürftige Menschen umverteilt. So können wöchentlich über 8000 Menüs verteilt werden.

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53 Kommentare
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Pglicht der Grossverteiler

18.06.2020, 10:40

Die Grossverteiler müssten noch mehr in die Pflicht genommen werden. Und am abend abgelaufenes weitergeben. Aber die Gier ist immer noch grösser

Hunger ist der beste Koch

17.06.2020, 19:06

Wegwerfgesellschaft : WWG rate ich, nie mit hungrigem Magen einzukaufen und weniger ist mehr!

Moritz D

07.06.2020, 13:18

Seit es bei mir in Deutschland die Maskenpflicht gibt, kaufe ich nur noch selten ein. Dann aber halt nicht mehr nur das, was ich für die nächsten Tage brauche, sondern für die ganze Woche. Dadurch passiert es mir inzwischen öfters, dass ich mich mal verschätze und was liegen bleibt. Da nimmt man sich z.B. schnell mal eine Packung Eier mit, selbst wenn man noch eine halbe Packung zu Hause hat. Mit Salatgurken ist es das gleich, zumal die ohne Folie auch nicht mehr so lange halten.