Wann kommt AT-527?: Das wissen wir bereits über die Anti-Corona-Pille von Roche
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Wann kommt AT-527?Das wissen wir bereits über die Anti-Corona-Pille von Roche

Die Meldung lässt aufhorchen: Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche stellt in Aussicht, Ende 2021 eine Pille gegen Sars-CoV-2 auf den Markt bringen zu können.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche hofft, Ende 2021 eine Corona-Pille auf den Markt zu bringen. 

Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche hofft, Ende 2021 eine Corona-Pille auf den Markt zu bringen.

20min/Michael Scherrer
AT-527, so die vorläufige Bezeichnung des Präparats, das Roche gemeinsam mit dem US-Unternehmen Atea Pharmaceuticals vorantreibt, könnte bei Erfolg dazu beitragen, Patienten frühzeitig zu behandeln, das Fortschreiten der Infektion zu verringern und die Gesamtbelastung der Gesundheitssysteme zu verringern.

AT-527, so die vorläufige Bezeichnung des Präparats, das Roche gemeinsam mit dem US-Unternehmen Atea Pharmaceuticals vorantreibt, könnte bei Erfolg dazu beitragen, Patienten frühzeitig zu behandeln, das Fortschreiten der Infektion zu verringern und die Gesamtbelastung der Gesundheitssysteme zu verringern.

Bei AT-527, das oral in Tablettenform verabreicht wird, handelt es sich um einen RNA-Polymerase-Hemmer. Es sorgt dafür, dass sich das Virus nicht vermehren kann. 

Bei AT-527, das oral in Tablettenform verabreicht wird, handelt es sich um einen RNA-Polymerase-Hemmer. Es sorgt dafür, dass sich das Virus nicht vermehren kann.

Symbolbild/Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Der Schweizer Pharmariese Roche könnte als erstes Unternehmen eine Pille gegen Covid-19 auf den Markt bringen.

  • Aktuell laufen die Vorbereitungen für eine «zulassungsrelevante Phase-III-Studie».

  • Das Präparat, das in Tablettenform oral aufgenommen werden kann, soll eine Alternative und Ergänzung zu den Impfstoffen darstellen.

Impfstoffe allein werden nicht ausreichen, das Coronavirus Sars-CoV-2 in den Griff zu bekommen. So werden sich nicht alle Menschen impfen lassen wollen, einige werden das aus medizinischen Gründen nicht können. Zudem ist selbst bei erfolgreicher Impfung kein 100-prozentiger Schutz garantiert. Deshalb ist es wichtig, Alternativen zu haben.

Eine solche könnte die Pille des Schweizer Pharmaunternehmens Roche darstellen. AT-527, so die vorläufige Bezeichnung, könnte bestenfalls Ende 2021 erhältlich sein. Und das in rauen Mengen. Doch was genau soll die potenzielle Anti-Covid-19-Pille leisten? Ein Überblick:

Was ist AT-527?

AT-527 ist ein antiviraler Wirkstoff, der die RNA-Polymerase blockieren soll. Das Enzym spielt für die Virusreplikation eine essenzielle Rolle. Wird es gehemmt, kann es sich nicht mehr vermehren. Neu ist der Wirkstoff nicht: Das US-Unternehmen Atea Pharmaceuticals, das den Stoff entwickelt hat und mit dem Roche seit Oktober 2020 kooperiert, hatte sich bereits vor Beginn der Corona-Pandemie auf Dengue, Hepatitis C und das Respiratory Syncytial Virus (RSV) konzentriert. Dabei, so schreibt die «Pharmazeutische Zeitung», habe der Kandidat aus der Hepatitis-C-Pipeline schnell auch Potenzial gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gezeigt.

Anders als die Antikörpertherapien, die heute zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden, kann AT-527 sehr schnell und sehr einfach hergestellt werden, zitiert Handelzeitung.ch Bill Anderson, den CEO von Roche Pharmaceutical: Innert kurzer Zeit könnten «Hunderte von Millionen Dosen» davon hergestellt werden. Bei dem Antikörper-Cocktail, den Roche zusammen mit dem US-Biotechunternehmen Regeneron anbietet und den auch Donald Trump gegen seine Covid-19-Erkrankung erhalten hat, liege die jährliche Kapazität bei zwei Millionen Dosen.

Weiterer Vorteil laut Roche-Mediensprecher Karsten Kleine: «Die Darreichungsform als Tablette eignet sich für die Herstellung im grossen Massstab und könnte dadurch einer grösseren Patientenpopulation zugänglich gemacht werden.»

Bringt uns die Pille unser altes Leben zurück?

Darüber lässt sich bislang nichts sagen, auch wenn AT-527 bei Erfolg breit eingesetzt werden soll. Allerdings beschränkt sich die Anwendung zunächst auf Personen, die bereits an Covid-19-Symptomen leiden und solche, die zwar positiv getestet wurden, aber noch keine Symptome entwickelt haben. Die Unternehmen planen zudem, zu prüfen, ob der Wirkstoff auch als sogenannte Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) eingesetzt werden kann – bei Personen, bei denen eine Infektion zu befürchten ist, weil sie Kontakt mit Infizierten hatten. «Ich denke dabei zum Beispiel an Familienmitglieder positiv Getesteter», zitiert Handelszeitung.ch Bill Anderson. Das grosse Ziel fasst Roche in einer Mitteilung zusammen: «Bei Erfolg könnte AT-527 dazu beitragen, Patienten frühzeitig zu behandeln, das Fortschreiten der Infektion zu verringern und die Gesamtbelastung der Gesundheitssysteme zu verringern.»

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Darüber ist noch nichts offiziell verlautet. Allerdings soll eine Phase-II-Studie mit Hepatitis-C-Patienten neben der antiviralen Aktivität des Stoffs auch dessen Sicherheit gezeigt haben, so die «Pharmazeutische Zeitung». Atea teilt indes einen Zwischenstand mit: AT-527 habe sich bei 30 Covid-19-Patienten, die während fünf Tagen zweimal täglich 550 Milligramm erhalten hätten, sowie bei 28 Hepatitis-C-Patienten, die die gleiche Dosis einmal täglich eingenommen hätten und das während sieben Tagen bis zu 12 Wochen, als gut verträglich erwiesen.

Roche hofft auf eine Zulassung Ende 2021 – warum nicht früher?

AT- 527 wird bislang erst in Phase-II-Studien getestet, so Roche-Sprecher Kleine: Einerseits bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit moderatem Covid-19, andererseits laufe seit Anfang Februar 2021 eine Phase-II-Virologie-Studie, in der der Einsatz bei Betroffenen mit leichter oder mittelschwerer Covid-19-Erkrankung in einer ambulanten Behandlung geprüft wird. «Die Studie wird mit Patientinnen und Patienten im Vereinigten Königreich, Irland und anderen Ländern durchgeführt.» Eine zulassungsrelevante Phase-3-Studie, die voraussichtlich in Kürze, das heisst im ersten Quartal 2021, beginnen wird, soll zudem den möglichen Einsatz bei Patientinnen ausserhalb des Spitalumfelds untersuchen. «Wenn wir dann wirklich gut dran sind im Herbst, hätten wir vielleicht die Daten, mit denen wir eine Zulassung beantragen können», erklärt Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz in der TV-Sendung «CEO-Talk» auf Tele Züri.

Wie zuversichtlich ist Roche, dass die Corona-Pille kommt?

Offenbar sehr: Zwar gab Mediensprecher Karsten Kleine dazu keine Auskunft, doch laut Handelszeitung.ch ist das Unternehmen bereits daran, die Produktionskapazitäten bereitzustellen, damit der Wirkstoff möglichst schnell in grossen Mengen zur Verfügung gestellt werden kann, sollte es zu einer Zulassung kommen.

Hat die Schweiz schon Dosen reserviert?

Darüber liegen keine Informationen vor. Das Bundesamt für Gesundheit BAG verweist darauf, dass das Medikament noch nicht auf dem Markt ist: «Deshalb haben wir keine Information dazu.»

Gibt es neben der Pille von Roche noch weitere Kandidaten?

Ja. Weltweit suchen Forschende nach einer Pille gegen Covid-19. So wird an der New York University School of Medicine etwa eine Substanz von Pfizer getestet. Die an der Untersuchung beteiligte Virologin Meike Dittman schätzt sie laut Spiegel.de «mittelfristig als sehr vielversprechend» ein. Auch aus den Labors der Universität Tübingen und der Australian National University in Canberra werden ermutigende Befunde gemeldet. Auch Novartis, Takeda und weitere Firmen sind derartige Bestrebungen bekannt. Viele der Unternehmen sind – wie Roche und Atea – Kooperationen eingegangen, um schneller vorwärts zu kommen und doppelte Arbeiten zu vermeiden.

Anders als Roche und Atea setzen die meisten anderen Unternehmen allerdings nicht auf einen Polymerase-, sondern auf einen Proteasehemmer. Er setzt an einem anderen Enzym an, verfolgt aber das gleiche Ziel: Er soll verhindern, dass sich Sars-CoV-2 vermehrt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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