Tödlicher oder nicht? - Das wissen wir über die Omikron-Variante BA.2
Publiziert

Tödlicher oder nicht?Das wissen wir über die Omikron-Variante BA.2

Der Subtyp BA.2 der Omikron-Variante breitet sich weltweit aus. Tierversuche deuten darauf hin, dass er gefährlicher als die aktuell dominante Variante BA.1 ist. Andere Daten kommen zu einem anderen Ergebnis. Das ist der Stand der Dinge.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 8
In der Schweiz ist derzeit die Omikron-Variante BA.1 für die meisten Covid-19-Fälle verantwortlich. 

In der Schweiz ist derzeit die Omikron-Variante BA.1 für die meisten Covid-19-Fälle verantwortlich. 

AFP
Doch BA.1 bekommt mit BA.2 Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Während der Anteil von BA.1 abnimmt, nimmt der von BA.2 zu. 

Doch BA.1 bekommt mit BA.2 Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Während der Anteil von BA.1 abnimmt, nimmt der von BA.2 zu. 

Cov-spectrum.org
Sowohl BA.1 als auch BA.2 gehören – neben weiteren Vertretern – zur Omikron-Familie, die genetisch eng miteinander verwandt sind, aber jeweils Mutationen aufweisen, die ihr Verhalten verändern könnten. 

Sowohl BA.1 als auch BA.2 gehören – neben weiteren Vertretern – zur Omikron-Familie, die genetisch eng miteinander verwandt sind, aber jeweils Mutationen aufweisen, die ihr Verhalten verändern könnten. 

Nextstrain

Darum gehts

  • Der Subtyp BA.2 der Omikron-Variante ist weltweit auf dem Vormarsch. 

  • Wie dieser den Verlauf der Pandemie beeinflussen wird, ist noch nicht endgültig geklärt. 

  • Die Studienlage zur Krankheitsschwere ist widersprüchlich.

  • Klar ist, dass BA.2 infektiöser ist als die bisher dominante Omikron-Variante BA.1.

  • Sicher ist aber auch: Die Impfungen schützen auch gegen BA.2.

Die Omikron-Variante ist derzeit für fast alle Coronavirus-Infektionen weltweit verantwortlich. Doch BA.1, wie die Mutante von Fachleuten genannt wird, bekommt zunehmend Konkurrenz aus der eigenen Familie: von der Variante BA.2, einer Art Cousin.

Laut dem Center for Infectious Disease Research and Policy an der University of Minnesota ist BA.2 in bereits zehn Ländern dominant: in Bangladesch, Brunei, China, Dänemark, Guam, Indien, Montenegro, Nepal, Pakistan und den Philippinen. In anderen Ländern ist sie auf dem Vormarsch, auch in der Schweiz. Innerhalb einer Woche (16. Februar bis 22. Februar 2022) ist der Anteil von BA.2 hierzulande von knapp sechs auf 11,4 Prozent (Stand: 22. Februar 2022) gestiegen. Der Anteil von BA.1 nahm im selben Zeitraum entsprechend ab.

Was das für die Pandemie bedeutet, ist noch weitgehend unklar. Die Datenlage ist bislang uneinheitlich. Fest steht bisher nur, dass BA.2 deutlich infektiöser ist. Darauf deuten laut theguardian.com unter anderem Daten aus Grossbritannien hin. Epidemiologische Daten bestätigen das.

Die Omikron-Familie

Zusätzlich zu BA.1 und BA.2 listet die WHO zwei weitere Untervarianten der Omikron-Familie auf: BA.1.1.529 und BA.3. Alle sind genetisch eng miteinander verwandt, weisen aber jeweils Mutationen auf, die ihr Verhalten verändern könnten.

Beängstigende Labor- und beruhigende Echt-Welt-Daten

Eine von Forschenden der Universität Tokio geleitete und bislang nur auf dem Preprint-Server biorxiv.org veröffentlichte Studie deutete darauf hin, dass sich BA.2 besser an menschliche Zellen binden kann als BA.1 und sich in Lungen- und Nasenzellen stärker vermehrt. In Experimenten mit Hamstern stellte das Team zudem fest, dass BA.2 schwerere Lungenerkrankungen verursacht als BA.1. Ausserdem fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass BA.2 Immunantworten umgehen könnte. Allerdings lassen sich Erkenntnisse aus Tierstudien nicht unbedingt auf den Menschen übertragen.

Der deutsche Intensivmediziner Christian Karagiannidis twitterte dazu: «Wir müssen BA.2 sehr gut im Auge behalten. Es scheint biologische Unterschiede zu BA.1 zu geben.»

Deutlich weniger beunruhigend sind dagegen die Echt-Welt-Daten aus Ländern, in denen BA.2 bereits grossen Anteil am Infektionsgeschehen hat. In Dänemark etwa, wo BA.2 bald 100 Prozent aller Infektionen ausmacht, haben Forschende keinen Unterschied bei den Spitalaufenthalten von BA.2-Infizierten im Vergleich zu BA.1 festgestellt.

Daten aus Südafrika lassen einen ähnlichen Schluss zu, zudem gehen die Spitaleinweisungen trotz BA.2-Dominanz weiter zurück. Die steigenden Fallzahlen durch BA.2 gingen nicht mit einem besorgniserregenden Anstieg schwerer Erkrankungen und Spitalaufenthalte einher, hält die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem aktuellen epidemiologischen Bericht zu Covid-19 fest.

Geimpfte müssen weniger befürchten

Positiv ist auch, was Fachleute über das Immunflucht-Potenzial von BA.2 sagen: Mit Verweis auf Daten der britischen Gesundheitsbehörde UKSHA (Pdf) twitterte US-Kardiologe Eric Topol, dass diese zeigten, «dass der Impfschutz gegen BA.2 genauso gut ist wie gegen BA.1». Das sei recht beruhigend.

Eine ebenfalls bislang nur als Preprint vorliegende Studie des Statens Serum Instituts in Kopenhagen, für die die Übertragung von BA.1 und BA.2 in 8541 dänischen Haushalten analysiert wurde, bestätigt die Erkenntnisse aus Grossbritannien. Laut dieser haben doppelt geimpfte und geboosterte Personen zudem ein deutlich geringeres Risiko, sich mit dem Omikron-Subtyp zu infizieren, als Ungeimpfte. Und sollte es doch zu einer Infektion kommen, geben sie ihn auch weniger wahrscheinlich weiter.

Auch hinsichtlich der Immunität von Personen, die von einer BA.1-Infektion genesen sind, gibt es Positives zu berichten. Zwar seien diese nicht vor einer Ansteckung mit BA.2 gefeit, allerdings seien diese selten und verliefen mild, so US-Mediziner Topol.

Vorsicht ist weiterhin angesagt

Trotz der vorsichtig guten Aussichten bezüglich BA.2 rät Maria van Kerkhove, Ärztin und Covid-19-Expertin der WHO, weiterhin zur Vorsicht: Auch wenn BA.1 und BA.2 ähnliche Verläufe verursachen, sollte man nicht vergessen, dass «Omikron nicht mild» ist, die Variante sei nur «weniger schwerwiegend als Delta». Omikron sorge immer noch für eine beträchtliche Anzahl von Spitaleinweisungen. «Wir verzeichnen eine beträchtliche Zahl von Todesfällen. Es handelt sich nicht um eine Erkältung. Es ist keine Grippe.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

183 Kommentare