Prestigo SRT 9320: Das Wohnzimmer in einer Hand

Aktualisiert

Prestigo SRT 9320Das Wohnzimmer in einer Hand

Die neue Universalfernbedienung von Philips kostet 330 Franken. Was hat sie, was Konkurrenten, die im Elektronikmarkt für 30 Franken an der Kasse hängen, nicht haben?

von
Ivan Putincanin

Über den 2,8 Zoll grossen, farbigen Touchscreen soll man mit der Prestigo SRT 9320 von Philips jedes Gerät optimal steuern können. Der Hersteller verspricht maximalen Bedienkomfort und eine äusserst leichte Konfiguration nahezu aller Geräte. Rechtfertigt dies den Preis von rund 330 Franken?

Sony ja, Apple nein

Insgesamt können 20 Geräte, von Computer über Fernseher bis hin zu Stereoanlagen, eingespeichert werden. Das Konfigurieren eines Fernsehers braucht nur wenige Schritte: Nachdem TV als Gerätetyp angewählt wurde, muss nur noch der Herstellername eingegeben werden. Danach wird die Fernbedienung gegen den Bildschirm gerichtet und ihr Einschaltknopf gehalten, bis der Fernseher ausgeschaltet ist. Mit Sonys aktuellem LCD-Fernseher KDL-46W4500 klappte die Konfiguration problemlos. Jedoch war die Bedienung des Einstellungsmenus nicht der Originalfernbedienung entsprechend. Gewisse Optionen fehlten komplett. Auch die zwei AV-Receiver «RX-V350» und «RX-V1400RDS» von Yamaha konnten innert Kürze mit der Prestigo gesteuert werden. Die Installation ist so einfach, da auf der Fernbedienung bereits die Codes von rund 300 000 verschiedenen Geräten gespeichert sind. Bei Geräten, deren Profil nur mangelhaft vorinstalliert ist, weil zum Beispiel gewisse Tasten fehlen oder falsch konfiguriert sind, kann die Prestigo die Befehle von der originalen Fernbedienung übernehmen. Dies stellte sich als etwas mühsam heraus, da die Tasten einzeln erlernt werden mussten. Gewisse Hersteller werden aber gar nicht unterstützt. So konnte die angeblich universale Fernbedienung mit Apple gar nichts anfangen, es lässt sich also kein Mac damit steuern.

Tasten und Touchscreen

Wenn ein Gerät schon das komplette Heimzimmer steuern soll, muss dieses auch anständig zu bedienen sein. Die Problematik, die Bedienkonzepte aller unterschiedlichen Geräte unter einen Hut zu bringen, löst Philips mittels eines Touchscreens. So kann das Tastenfeld je nach Bedarf unterschiedlich aufgebaut werden. Dieser Touchscreen reagiert nicht auf Berührung, sondern auf Druck. Eingaben werden recht zuverlässig und genau erkannt. Die Menuführung ist alles andere als hübsch und Scrollbewegungen, wie man sie von modernen Handys kennt, sucht man vergebens. Jedoch ist alles sehr klar und gut erklärt. Die Bedienungsanleitung kann problemlos liegen gelassen werden, der Benutzer wird mit nützlichen Hinweisen durch das Menu geleitet. Auch die echten Tasten auf der Front werden fürs jeweils angesteuerte Gerät gebraucht. So findet man dort Standardbefehle, welche nahezu jedes Gerät hat - wie ein Steuerkreuz, eine Ein- und Ausschalttaste oder einen Lautstärkeregler. Beim ersten Kontakt mit der Prestigo mag der Benutzer aber verwirrt sein, ob er nun die richtige Tastatur oder die virtuelle Version auf dem Touchscreen benutzen soll. Im Endeffekt sind einige Befehle doppelt vorhanden und der Touchscreen wird nur gebraucht, wenn es nicht ohne geht.

Auf dem Tisch ein Hingucker

Vom Aussehen her hebt sich die neue Prestigo von herkömmlichen Fernbedienungen klar ab. Mit dem grossen Touchscreen, der schwarzen Klavierlack-Oberfläche und nur wenigen Tasten wirkt sie recht edel. Die Materialien sind wirklich hochwertig, insbesondere das gummierte, mattschwarze Plastik auf der Rückseite trägt wesentlich dazu bei, dass die Prestigo angenehm in der Hand liegt.

Fazit

Die Universalfernbedienung ist zweifelsfrei hübsch anzusehen und liegt angenehm in der Hand. Auch die Installation der allermeisten Geräte klappte sehr schnell und problemlos. Im Detail jedoch zeigten sich kleine Schwächen: Sollte ein Befehl nicht vorhanden sein, ist das Erlernen recht mühsam. Gewisse Hersteller wie Apple werden gar nicht erst unterstützt. Doch im Grundkonzept ist die Prestigo fragwürdig: Der Touchscreen reagiert zwar zuverlässig und hat ein gut erklärtes und einfaches Menu, ist jedoch im Grunde nicht wirklich nötig. Denn im Alltagsgebrauch werden vorwiegend die haptischen Tasten benutzt. So ist damit der Preis von rund 330 Franken für den Durchschnittsuser nicht gerechtfertigt. Die Prestigo SRT 9320 bietet trotz gelungener Einbindung eines Touchscreens keinen erheblichen Vorteil gegenüber normalen Universalfernbedienungen. Sie ist damit wohl eher etwas für Design-affine User, die nicht auf den Preis schauen müssen.

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