Gipfeltreffen: Das Woodstock der US-Topmanager
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GipfeltreffenDas Woodstock der US-Topmanager

Fast alles, was Rang und Namen in der US-Firmenwelt hat, gibt sich in einem alten Bergbau-Städtchen im US-Bundesstaat Montana zwei Tage lang ein Stelldichein.

Helena/Butte im US-Staat Montana ist eine alte Bergbau-Stadt und hat schon bessere Zeiten erlebt, die besten vor fast 100 Jahren.

Helena/Butte im US-Staat Montana ist eine alte Bergbau-Stadt und hat schon bessere Zeiten erlebt, die besten vor fast 100 Jahren.

Eine kleine Stadt in der Bergwelt Montanas rüstet sich für ein Spitzenereignis. Für zwei Tage bringt ein Treffen mächtiger Firmenbosse dem einst wohlhabenden Butte wieder Glanz - und hoffentlich demnächst auch neue Jobs.

Helena/Butte im US-Staat Montana ist eine alte Bergbau-Stadt und hat schon bessere Zeiten erlebt, die besten vor fast 100 Jahren. Aber ab Montag sonnt sich der Ort, dessen Namen sich wie «Bjuut» ausspricht, im Glanz eines Treffens der US-Unternehmenselite. Von Googles Eric Schmidt über Facebooks Sheryl Sandberg bis hin zu den Topmanagern von Ford, Boeing, Delta Airlines, FedEx, Tesla, ConocoPhillips und Hewlett-Packard: Fast alles, was Rang und Namen in der US-Firmenwelt hat, gibt sich in diesem Städtchen zwei Tage lang ein Stelldichein.

Warum ausgerechnet Butte, warum ausgerechnet Montana? Schliesslich ist der nordwestliche US-Staat vor allem wegen seiner atemberaubend schönen Landschaften berühmt. Und Butte selbst, einst wohlhabend und eine der grössten Städte westlich des Mississippi, ist abgestiegen, kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. Aber der Gastgeber des «Gipfels» heisst Max Baucus, seines Zeichens Chef des mächtigen Senats-Finanzausschusses in Washington. Der Demokrat selbst räumt unumwunden ein, dass es sein grosser Einfluss in Sachen Steuern und Haushalt ist, der die Manager-Elite in seinen Heimatstaat bringt.

Es geht um Jobs

Bei dem zweitägigen Treffen geht es um Arbeitsplätze. «Montana Job Summit» nennt sich die Veranstaltung mit den Hotshots der Industrie, zu der mehrere tausend Menschen erwartet werden.

Butte zählt heute gerade mal 34 000 Seelen, das ist etwa ein Drittel der Einwohnerzahl in den Blütezeiten der Stadt mit ihrem einst berühmten Rotlicht-Bezirk. Dieser gehört längst der Vergangenheit an, und ist Butte auch insgesamt ein farbenfroher Ort geblieben, so spiegelt es - teils wegen seiner alternden Bevölkerung - wenig von der verbesserten Wirtschaftslage wider, die sonst in dem Staat spürbar ist. So gehört Montana etwa zu den Staaten mit der geringsten Arbeitslosigkeit in den USA. Butte aber braucht dringend mehr Jobs.

Montana profitiert

Es ist schon das sechste Treffen dieser Art, das Baucus veranstaltet, und das dritte in Butte. Im Laufe der Jahre ist das Ereignis immer grösser geworden. Und Montana profitiert davon.

Beim letzten Mal, das war 2010, fragte etwa ein Teilnehmer aus dem Publikum den Milliardär Warren Buffet, zu dessen Imperium die gewaltige BNSF Railway Company gehört, warum Montana eigentlich über keinen grossen inländischen Güterumschlagsplatz verfüge. Das brachte den Ball ins Rollen. Eine solche Transport-Drehscheibe entsteht nun in der nördlich gelegenen Stadt Shelby. Butte selbst bescherte ein Besuch vom General-Electric-Chef einen Deal zur Herstellung von Flugzeugteilen für das Unternehmen in der Stadt.

Es könnte letzter Gipfel sein

Kein Wunder, dass die Einwohner auf mehr solcher arbeitsplatzschaffender Vertragsabschlüsse hoffen, wenn die Topmanager mit ihren Privatjets eingeflogen sind. Die Stadt habe es schwer, sich nach ihrer über lange Jahre auf den Kohlebergbau konzentrierten Wirtschaft als ein Standort für vielfältige Industriezweige zu etablieren, sagt Jon Sesso, ein staatlicher Senator.

Aber es könnte das letzte Mal sein, dass Baucus zum Gipfel nach Montana einlädt. Er vertritt seinen Heimatstaat schon seit knapp 35 Jahren als Senator in Washington und will sich kein weiteres Mal zur Wiederwahl stellen.

Erinnert an Woodstock

Outsider verbänden den Staat neben den Naturschönheiten meistens mit Kühen, Weizen, Öl und Kohle, sagt Patrick Berkey, Volkswirtschaftler an der University of Montana. Sie seien dann oft von den Fabriken und Technologie-Firmen überrascht, die in Montana blühen und gedeihen könnten - dank der Anziehungskraft des Staates für Menschen, die hier, zwischen den Bergen und an den Flüssen, leben wollten.

Das Treffen in Butte, so sagt Berkey, «erinnert mich ein bisschen an das alte Woodstock-Rockfestival, mit all den Prominenten, die sich auf den Weg nach dort draussen gemacht haben». Der «Gipfel» sei sehr wichtig für Montana. «Als ein Staat, der weniger urban ist, verfügen wir nicht einmal in unseren grösseren Städten über die Networking-Gelegenheiten, die grössere Ballungszentren haben.»

(sda)

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