Aktualisiert 25.06.2009 11:26

Staunen über US-Soccer-Team«Das Wunder auf Rasen»

Völlig überraschend beendete das US-Soccer-Team im Halbfinal des Confed-Cup die unglaubliche Siegesserie von Europameister Spanien. Während man sich auf der iberischen Halbinsel nicht gross über die unerwartete Niederlage ärgert, ist die Euphorie in den USA umso grösser. Die US-Medien ziehen gar einen Vergleich zum berühmten «Miracle on Ice».

von
Philipp Reich

Auf einen Sieg des US-Soccer-Teams gegen den Europameister aus Spanien, der bis dahin seit 35 Spielen unbesiegt war, hätte vor dem Halbfinal des Confed Cups in Südafrika wohl niemand gewettet - am wenigsten die Boys von US-Trainer Bob Bradley selbst. Doch dank einer beeindruckenden Willensleistung und taktischem Geschick schaffte das US-Team das kleine Wunder und warf den Europameister aus Spanien mit 2:0 aus dem Turnier. «Heute hat einfach alles zusammengepasst», freute sich Kapitän Carlos Bocanegra nach dem Spiel. «Wir haben gezeigt, dass wir mit den Besten mithalten können.»

«Miracle on Grass»

Auch auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans nahm man vom historischen Triumph Notiz. Im sonst nicht gerade fussball-begeisterten Amerika schaffte es die Meldung vom Sieg über «das mächtige Spanien» auf die Front beinahe aller Online-Medien. Die «New York Times» schreibt beispielsweise «vom grössten Triumph einer US-Fussballnationalmannschaft der Männer.»

Noch weiter geht das Internetportal des Sportsenders «ESPN»: Vom «Miracle on Grass», «dem Wunder auf Rasen», ist da die Rede. Zwar sei der Confed-Cup keine Weltmeisterschaft. Doch «die Welt wird sicher davon Notiz nehmen». Der Sieg über Europameister Spanien, die momentane Weltnummer 1, habe ausserdem durchaus Parallelen zum berühmten «Miracle on Ice», als die us-amerikanische Eishockeynationalmannschaft bei den Olympischen Spielen von Lake Placid 1980 die übermächtige Sowejetunion schlug und später völlig überraschend die Goldmedaille holte.

Aus dem Schatten getreten

So euphorisch wie die Presse beurteilt der Präsident des US-Fussballverbands den überraschenden Erfolg noch nicht. «Es gibt im Fussball Auf und Abs. Heute war sicher ein grosses Auf», erklärte Suni Gulati. Trotz der Skepsis betont aber auch er, dass die Nationalmannschfaft der Männer, die sonst immer im Schatten der Frauen und der grossen US-Sportarten wie American Football, Basketball, Eishockey oder Baseball steht, mit diesem Sieg ein Ausrufezeichen gesetzt und die grossen Fortschritte im amerikanischen Fussball unter Beweis gestellt hat.

Die Koffer schon fast wieder gepackt

Der Finalvorstoss der US-Boys ist ausserdem umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass das Team von Trainer Bradley die Koffer nach zwei Spielen schon beinahe wieder gepackt hatte. Nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Gruppenspielen des Confed-Cups gegen Italien (1:3) und Brasilien (0:3) war das US-Soccer-Team eigentlich schon beinahe ausgeschieden. Doch dank einem Erfolg über Afrikameister Ägypten (3:0) und der Mithilfe von Rekordweltmeister Brasilien, das Italien klar besiegte, schafften die USA doch noch den Halbfinaleinzug. Gegen den bis dahin seit 35 Spielen unbesiegten Europameister aus Spanien folgte dann die bekannte, faustdicke Überraschung.

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