Krummenachers Exploit: Das wundersame Ende eines grossen Dramas

Aktualisiert

Krummenachers ExploitDas wundersame Ende eines grossen Dramas

Mit einer spektakulären Aufholjagd holte Randy Krummenacher beim GP von Deutschland den 4. Platz. Drei Tage zuvor kämpfte er noch mit einer Lebensmittelvergiftung.

von
Klaus Zaugg
Sachsenring

Krummenacher schnappt sich Tom Lüthi. (Quelle: SF)

Eine besonders gefühlbetone und spannende Handlung wird mit dem Begriff «Drama» zusammengefasst. Für ein Drama hat Randy Krummenacher auf dem Sachsenring gesorgt.

Am Donnerstagabend erwischt der Zürcher eine Lebensmittelvergiftung. Von da an kann Krummenacher nicht mehr richtig Essen und Trinken, er muss alles wieder von sich geben. Er ist stark geschwächt, stürzt im Training und schafft schliesslich mit Rang 15 die 5. Startreihe. Nichts deutet am Samstagabend darauf hin, dass er am nächsten Tag das grösste Rennen seiner Karriere fahren wird.

Es ist Fitnesstrainer Otmar Keller, der die Lösung findet. Auf seine Anweisung hin bekommt Randy Krummenacher am Samstagabend und am Sonntag vor dem Rennen in der fahrbaren Klinik von Dr. Claudio Costa im Fahrerlager jeweils eine Infusion gesteckt. Einen halben Liter Kochsalzlösung («Ringer-Laktat») am Samstag, einen Viertelliter am Sonntag vor dem Rennen. Keller erklärt gegenüber 20 Minuten Online warum er zu dieser Extremlösung geraten hat: «Randy konnte durch Trinken nicht mehr genügend Flüssigkeit aufnehmen und durch Essen nicht genügend Energie. Deshalb haben wir uns für Infusionen entschieden.»

«Das beste aus der Situation gemacht»

Und so tritt Randy Krummenacher gestärkt zum Rennen an. «Ich will nicht sagen, dass ich aufs Podest gefahren wäre, wenn ich ganz gesund gewesen wäre. Ich fühlte mich im Rennen sehr gut und habe einfach das Beste aus der Situation gemacht», wird er hinterher 20 Minuten Online sagen.

Bereits aus der ersten Runde kommt er als 12. zurück, fällt auf die 16. Position zurück und nach 8 Runden ist nach wie vor erst 12. «Ich hatte am Anfang viele Zweikämpfe und Rempler. Erst dann konnte ich mich etwas lösen.» Nun geht es zügiger vorwärts und der Zürcher faucht durchs Feld nach vorne. In der 23. von 29 Runden ist er auf Platz 5 am Hinterrad von Tom Lüthi angelangt.

Keine Angst vor grossen Namen

«Ich wusste, dass es Tom Lüthi war, aber das hatte für mich keine Bedeutung. Es war einfach ein weiterer Gegner, den ich überholen wollte. Hätte ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es Lüthi ist, wäre ich nur in der Konzentration gestört worden. So richtig realisiert man sowieso erst nach einem Rennen, wen man alles überholt hat. Ich habe im Laufe dieser Saison gelernt, keine Angst vor grossen Namen zu haben.»

Krummenacher braucht drei Versuche, bis er Lüthi in der drittletzten Runde packen kann. «Dann war ich nicht nur an ihm vorbei, ich konnte mich auch vor ihm behaupten.» War es das spektakulärste Überholmanöver seiner Karriere? «Wie ich schon sagte, habe ich mir keine Gedanken gemacht, wen ich überholt hatte. Es war einfach ein sehr gutes Rennen für mich, das beste, seit ich vor vier Jahren in Barcelona bei den 125ern aufs Podest gefahren bin. Und es tut gut, jetzt vor der Sommerpause zu wissen, dass wir eine Maschine haben, mit der ich aufs Podest fahren kann.»

Beeindruckender Steigerungslauf

Der 4. Platz auf dem Sachsenring ist seine beste Klassierung seit dem 3. Platz im 125er Rennen beim GP von Katalonien am 10. Juni 2007 in Barcelona. Es ist seine beste Klassierung in der Moto2-WM und fahrerisch seine bisher beste Leistung. Es ist auch zum ersten Mal, dass Tom Lüthi auf so hohem Niveau, so weit vorne in einem Rennen, von einem Schweizer überholt worden ist. Krummenacher sagt, es sei das erste Mal, dass er Lüthi in einem Rennen überholt und dann unmittelbar vor ihm ins Ziel gekommen sei.

Beim Saisonstart war Randy Krummenacher als Klassen-Neuling von Tom Lüthi noch weiter entfernt als der Mond von der Erde. Er hatte das Training zum GP von Katar auf Rang 29 beendet (Lüthi 3.) und das Rennen auf Position 27 (Lüthi 3.) Und jetzt ist er einer der Aufsteiger der Saison und fährt auf Augenhöhe mit Lüthi. Wie ist das möglich? «Wir haben sehr hart gearbeitet», sagt Krummenacher gegenüber 20 Minuten Online. «Ich habe auch meinen Fahrstil geändert. Es hat immer wieder Rückschläge gegeben, aber ich habe mein Selbstvertrauen nie verloren und ich habe auch immer gespürt, dass mein Team Vertrauen in mich hat. Es ist in dieser Saison so viel passiert, dass ich das Gefühl habe, der Saisonauftakt in Katar sei schon vier Jahre her.»

Deine Meinung