Fall Carlos: Das Wutregister von Brian, den keiner stoppen kann

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Fall CarlosDas Wutregister von Brian, den keiner stoppen kann

Brian ist den Behörden seit seiner Jugend bekannt, und er hat seine Gewalttätigkeiten bis heute nicht hinter sich gelassen. Eine Besserung scheint in weiter Ferne.

von
Daniela Gigor
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Brian alias «Carlos» auf dem Bauch liegend im Bett im Jahr 2013. 

Brian alias «Carlos» auf dem Bauch liegend im Bett im Jahr 2013.

Keystone
Der SRF-Dok-Film «Der Jugendanwalt» wurde bekannt, weil der damals 17-jährige Delinquent Brian mit einem teuren und aufwendigen Sondersetting betreut wurde. So etwa mit Thaibox-Unterricht. 

Der SRF-Dok-Film «Der Jugendanwalt» wurde bekannt, weil der damals 17-jährige Delinquent Brian mit einem teuren und aufwendigen Sondersetting betreut wurde. So etwa mit Thaibox-Unterricht.

Robert Honegger
Sein Weg führt immer zurück in die Strafanstalt Pöschwies, wie etwa Ende Oktober, als er in einen Spezialtrakt verlegt wurde.

Sein Weg führt immer zurück in die Strafanstalt Pöschwies, wie etwa Ende Oktober, als er in einen Spezialtrakt verlegt wurde.

Tamedia/Emanuel Ammon/AURA

Darum gehts

  • Seit Jahren fällt der heute 24-jährige Brian unter anderem immer wieder durch Sachbeschädigungen in Justizvollzugsanstalten auf.

  • Aktuell demolierte er einen Spezialtrakt, die für gewalttätige Häftlinge gebaut wurde und als unzerstörbar galt.

  • 2019 wurde Brian zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Zudem sprach das Bezirksgericht Dielsdorf eine sogenannte Kleine Verwahrung aus.

27.10.2020 Mit Brians letztem Schlag, der in der Öffentlichkeit bekannt wurde, demolierte der heute 24-Jährige einen Spezialtrakt, der eigens für gewaltbereite Häftlinge in der Strafanstalt Pöschwies gebaut wurde. Pikant: Sie kostete 1,85 Millionen Franken, und sie galt als unzerstörbar. Dass sie dies nicht war, bewies Brian bereits am ersten Tag nach seiner Verlegung in den Spezialtrakt. Weil die neue Zelle in der Folge nicht mehr benützt werden kann, soll «Carlos» wieder in einer Isolierzelle in Pöschwies sitzen. Dies berichtete die «Schweiz am Wochenende».

6.11.2019 Brian wurde vom Bezirksgericht Dielsdorf in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Es sprach zudem eine sogenannte Kleine Verwahrung aus.

Leiter des Untersuchungsgefängnisses Pfäffikon musste seinen Hut nehmen

17.8.2018 Brian wurde aus dem bernischen Burgdorf zurück in die Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf verlegt. Dort sass er fast vier Monate ohne Unterbruch in Arrest, wie die NZZ berichtete. Der Grund dafür war, dass Brian kurz nach seiner Verlegung mit Sachbeschädigungen, Drohungen und Gewalt auffiel. Auch die Rückverlegung in die Pöschwies hatte laut NZZ ihren Grund: Aufgrund massiver Sachbeschädigungen und grossem Gewaltpotenzial hätten die betroffenen Einrichtungen in Burgdorf und zuvor Thorberg und Lenzburg um eine Versetzung ersucht, sagte damals Jessica Maise, Sprecherin des Amts für Justizvollzug.

Am 26. Januar 2017 wird Brian wieder nach Pöschwies verlegt, nachdem er im Untersuchungsgefängnis Pfäffikon seine Zelle verwüstet und die Aufseher bedroht und beschimpft hatte. Dort sass er von Ende Oktober 2016 bis zu seiner Verlegung. Der Serientäter warf den Zürcher Justizbehörden in diesem Zusammenhang vor, dass er in Haft misshandelt worden sei. Dies, weil er etwa ohne Matratze auf dem Boden schlafen musste. In der Folge musste der Leiter des Untersuchungsgefängnisses Pfäffikon seinen Hut nehmen.

«Carlos» wurde wegen eines SRF-Dok-Films über Nacht bekannt

3.2.2014 und 27.2.2014 Anzeigen des Amts für Justizvollzug, weil Brian mehrere Zellen im Januar und Februar 2014 im Massnahmenzentrum Uetikon zerstört hatte. So soll Brian etwa ein grosses Loch in die Decke geschlagen und die Zelle unter Wasser gesetzt haben, indem er Abflussmöglichkeiten für das Wasser mit Stofflappen verstopfte.

25.8.2013 Im SRF-Dok-Film «Der Jugendanwalt» wurde Hansueli Gürber porträtiert, der den damals 17-jährigen Delinquenten Carlos mit einem teuren und aufwendigen Sondersetting betreute. Schon damals lag «Carlos» seit Jahren im Clinch mit der Justiz. Der junge Mann wurde in der Öffentlichkeit über Nacht bekannt, und die Geschichte nahm ihren Lauf, die bis heute zu keinem Ende gekommen ist.

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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