Mühleberg geht vom Netz: «Das zeigt doch, dass das AKW nicht sicher ist»

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Mühleberg geht vom Netz«Das zeigt doch, dass das AKW nicht sicher ist»

Für die Gegner des AKW Mühlebergs sind die angekündigten Nachbesserungen ein Zeichen, dass die Betreiber unter Druck stehen. Die Befürworter sehen ganz andere Probleme.

von
Jessica Pfister
Das AKW Mühleberg soll besser auf ein Hochwasser vorbereitet werden.

Das AKW Mühleberg soll besser auf ein Hochwasser vorbereitet werden.

Die Bernischen Kraftwerke BKW nehmen am Donnerstag das Atomkraftwerk Mühleberg vom Netz – gut fünf Wochen vor der Jahresrevision. Grund sind Bedenken, dass bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte.

«Die BKW gesteht damit endlich die Sicherheitsmängel ein, die seit längerem bekannt sind», sagt Ursula Wyss, SP-Nationalrätin und Vorstandsmitglied des Komitees Mühleberg Verfahren. Ins gleiche Horn stösst die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher: «Dieser Schritt bestätigt, dass das AKW Mühleberg ein Sicherheitsrisiko ist.» Ausserdem zeige die kurzfristig gefällte Entscheidung, dass die BKW unter Druck stehen. Für beide Politikerinnen ist klar, dass nun die endgültige Abschaltung von Mühleberg vorangetrieben werden muss. «Es kann nicht sein, dass die Sicherheit eines Kraftwerks nur gegeben ist, wenn es für Millionen von Franken nachgerüstet werden muss», so Teuscher.

«Zu viele Baustellen offen»

Jürg Joss von Fokus Anti-Atom glaubt, dass die BKW mit der eigenen Initiative nur einer von der Nuklearaufsicht Ensi provisorisch angeordneten Abschaltung zuvorkommen wollte. «Damit wollten sie signalisieren, dass sie etwas für die Sicherheit tun», so Joss gegenüber 20 Minuten Online. Der Atom-Gegner hält es allerdings für unmöglich, dass die BKW in der kurzen Zeit, alle Sicherheitsnachbesserungen ausführen kann. «Es sind schlicht zu viele Baustellen offen, um das AKW wie geplant im September wieder ans Netz zu bringen.»

Damit spricht er vor allem die Risse im Kernmantel an. Der Verein Mühleberg Ver-Fahren hat deshalb das Bundesverwaltungsgericht aufgefordert, neue Gutachten zur Beurteilung der Sicherheit einzuholen. «Die Massnahmen zur zusätzlichen Sicherung des Reaktormantels sind ungenügend», schreibt das Komitee am Donnerstag in einer Mitteilung. Und auch für die Umweltorganisation WWF ist klar, dass Mühleberg erst wieder ans Netz soll, wenn sämtliche vom ENSI in den letzten Jahren festgehaltenen Mängel behoben und Verbesserungswünsche ausgeführt sind.

«Vernünftiger Aufwand»

Für die Befürworter des AKW Mühleberg ist nun vor allem die Kostenfrage zentral: «Jetzt ist entscheidend, ob die Sicherheit mit einem vernünftigen Aufwand wiederhergestellt werden kann», sagt Werner Luginbühl, Berner BDP-Ständerat und Mitglied des Pro-Mühleberg-Komitees. Dieser Meinung ist auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «In erster Linie geht es nun um die Sicherheit und zweiter Linie um die Frage, ob eine Nachrüstung wirtschaftlich noch sinnvoll ist.» Wasserfallen rechnet im schlimmsten Fall mit 80 bis 90 Millionen für die Nachbesserungen - dies jedoch ohne einen Ersatz des Kernmantels, der etwa 400 bis 500 Millionen kosten würde. «Es liegt nun an der BKW zu überlegen, ob sie diese Investitionen wirklich in Angriff nehmen will.»

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