Grüne Wirtschaft: «Das Ziel ‹eine Erde› ist ehrgeizig, aber machbar»
Aktualisiert

Grüne Wirtschaft«Das Ziel ‹eine Erde› ist ehrgeizig, aber machbar»

ETH-Professor Philipp von Rohr ist überzeugt, dass die Initiative Grüne Wirtschaft umsetzbar ist. Trotzdem spricht er sich gegen die Vorlage aus.

von
P. Michel
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Die Initiative Grüne Wirtschaft will erreichen, dass die Schweiz ihren ökologischen Fussabdruck bis 2050 auf «eine Erde» senkt. ETH-Professor Philipp Rudolf von Rohr, der zur Energieeffizienz in der Industrie forscht, hält das für machbar. «Gerade die Schweiz hat als reiches und innovatives Land die Möglichkeit, eine Vorbildfunktion einzunehmen.»

Die Initiative Grüne Wirtschaft will erreichen, dass die Schweiz ihren ökologischen Fussabdruck bis 2050 auf «eine Erde» senkt. ETH-Professor Philipp Rudolf von Rohr, der zur Energieeffizienz in der Industrie forscht, hält das für machbar. «Gerade die Schweiz hat als reiches und innovatives Land die Möglichkeit, eine Vorbildfunktion einzunehmen.»

Keystone/Olivier Maire
Rudolf von Rohr will im Rahmen der Energiestrategie 2050 den Energieverbrauch der Industrie um bis zu 40 Prozent senken. «Die Herausforderung ist natürlich riesig. Aber die Industrie ist daran interessiert, Geld zu sparen, und sinkende Kosten sind auch der Haupttreiber, um den Energieverbrauch zu senken.» Energieintensive Branchen sind zum Beispiel die Pharma oder die Landwirtschaft.

Rudolf von Rohr will im Rahmen der Energiestrategie 2050 den Energieverbrauch der Industrie um bis zu 40 Prozent senken. «Die Herausforderung ist natürlich riesig. Aber die Industrie ist daran interessiert, Geld zu sparen, und sinkende Kosten sind auch der Haupttreiber, um den Energieverbrauch zu senken.» Energieintensive Branchen sind zum Beispiel die Pharma oder die Landwirtschaft.

Keystone/Gaetan Bally
Bis 2050 werde es auf jeden Fall noch Neuerungen geben, die zu noch mehr Effizienz in den Produktionsprozessen führen werden, sagt Rudolf von Rohr. Obwohl er glaubt, dass die Schweiz isoliert den Fussabdruck der einen Erde erreichen kann, bleibt er gegenüber der Idee, diese Ziel in der Verfassung festzuschreiben, skeptisch: «Das macht nur beschränkt Sinn, wenn nicht gleichzeitig internationale Vereinbarungen getroffen werden.»

Bis 2050 werde es auf jeden Fall noch Neuerungen geben, die zu noch mehr Effizienz in den Produktionsprozessen führen werden, sagt Rudolf von Rohr. Obwohl er glaubt, dass die Schweiz isoliert den Fussabdruck der einen Erde erreichen kann, bleibt er gegenüber der Idee, diese Ziel in der Verfassung festzuschreiben, skeptisch: «Das macht nur beschränkt Sinn, wenn nicht gleichzeitig internationale Vereinbarungen getroffen werden.»

Keystone/Olivier Maire

Herr Rudolf von Rohr, im Rahmen der Energiestrategie soll ihre Forschung dazu beitragen, den Energieverbrauch der Industrie um bis zu 40 Prozent zu senken. Ist das realistisch?

Die Herausforderung ist natürlich riesig. Aber die Industrie ist daran interessiert, Geld zu sparen, und sinkende Kosten sind auch der Haupttreiber, um den Energieverbrauch zu senken, besonders bei den energieintensiven Branchen wie der Pharma oder in der Landwirtschaft. Natürlich gibt es andernorts noch Aufholbedarf: Viele KMUs stehen aufgrund des starken Frankens dermassen unter Druck, dass sie kaum in energiesparende Prozesse investieren, die später die Kosten insgesamt reduzieren würden.

Auch die Initiative Grüne Wirtschaft will unter anderem durch optimierte Prozessabläufe in der Industrie die Umweltbelastung reduzieren – auf «eine Erde». Ist das machbar?

Ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen können, auch wenn es extrem ehrgeizig ist. Gerade die Schweiz hat als reiches und innovatives Land die Möglichkeit, eine Vorbildfunktion einzunehmen und zu zeigen, dass es machbar ist. Dass es in die richtige Richtung geht, zeigen grosse Konzerne wie Novartis: Der Pharmariese will bis 2030 die Menge an Treibhausgasen um 50 Prozent zurückfahren.

Die Befürworter der Initiative argumentieren, dass es bis 2050 genügend Innovation gibt, um eine nachhaltige Wirtschaft möglich zu machen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Es wird auf jeden Fall Neuerungen geben, die zu noch mehr Effizienz in den Produktionsprozessen der Industrie führen. Es gibt jedoch immer zwei Seiten: Als beispielsweise der Computer in vielen Prozessen Einzug hielt, führte die Technologie erstmal zu einer grossen Effizienzsteigerung. Es passierte aber noch etwas anderes: Der Energieverbrauch erhöhte sich massiv. Heute brauchen in der Schweiz alle Computer mehr Energie als der gesamte Flugverkehr. Das zeigt, dass Innovationen auch Nebeneffekte haben können. Darum müssen für das Ziel der einen Erde alle einen Beitrag leisten: Innovative Unternehmen, umweltbewusste Konsumenten und eine starke Forschung.

Obwohl Sie das Ziel der «einen Erde» für machbar halten, sprechen Sie sich gegen die Initiative aus. Warum?

Es ist zwar zu begrüssen, dass der Wirtschaft mit der Initiative ein Zeitrahmen für die Reduktionsziele vorgelegt wird. So kann sich die Wirtschaft an den Vorgaben orientieren und auch ihre Produkte darauf ausrichten. Was mich stört ist, dass dieses Ziel in der Verfassung festgeschrieben würde. Die Wirtschaft bewegt sich von selbst, auch ohne politischen Druck und mit dem freiwilligen Ziel, die Belastung bis 2050 auf eine Erde zu senken. Und auch wenn die Schweiz eine Vorbildfunktion einnehmen kann, stellt sich die Frage, wie viel die Anstrengungen eines kleinen Landes bewirken können.

Solange Umweltsünder wie etwa China und die USA nicht mitziehen, soll die Schweiz untätig bleiben?

Keinesfalls. Während es in der hochtechnologisierten Schweiz möglich sein wird, die Umweltbelastung auf eine Erde zu senken, macht dies nur beschränkt Sinn, wenn nicht gleichzeitig internationale Vereinbarungen getroffen werden.

Wir leben heute in der Schweiz mit einem ökologischen Fussabdruck von drei Erden. Betrachtet man diesen Wert, hat man nicht das Gefühl, die Wirtschaft habe den Ernst der Lage erkannt.

Hier möchte ich widersprechen: Die Wirtschaft macht bereits sehr viel, bei vielen Pharmakonzernen beispielsweise ist der Nachhaltigkeitsbericht bereits so dick wie der Forschungsbericht. Aber es ist klar, die Wirtschaft wird nur in Effizienz investieren, wenn sich diese auch rechnet. Ausser sie können die Mehrkosten auf die Verbraucher abwälzen. Im Moment sieht es jedoch nicht so aus, als ob ein Grossteil der Konsumenten bereit wäre, mehr für ökologischere Produkte zu bezahlen.

Zur Person Philipp Rudolf von Rohr ist Professor für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich und forscht im Rahmen der Energiestrategie zu effizienten Industrieprozessen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, den Energieverbrauch der Industrie bis 2050 um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Einerseits soll dies durch Wärmerückgewinnung bei Prozessen geschehen, andererseits sollen Prozesse optimiert oder neu gestaltet und somit Kosten und Energie gespart werden.

Zur Person Philipp Rudolf von Rohr ist Professor für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich und forscht im Rahmen der Energiestrategie zu effizienten Industrieprozessen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, den Energieverbrauch der Industrie bis 2050 um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Einerseits soll dies durch Wärmerückgewinnung bei Prozessen geschehen, andererseits sollen Prozesse optimiert oder neu gestaltet und somit Kosten und Energie gespart werden.

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