Das Zittern beginnt für Bush erst
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Das Zittern beginnt für Bush erst

US-Präsident George W. Bush hat die Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus ins Zentrum seiner Wiederwahlkampagne gestellt.

Bush hat die Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus ins Zentrum seiner Wiederwahlkampagne gestellt. Deswegen lag die Latte für ihn und seinen Vize Richard Cheney bei ihrer Anhörung vor der Kommission zum 11. September am Donnerstag immens hoch. Zwar zeigten sich Teilnehmer der dreistündigen Befragung im Oval Office anschliessend zufrieden, sprachen von einer freundlichen, ja fröhlichen Atmosphäre. Aber ob Bush und Cheney die Hürde wirklich überspringen konnten, wird sich erst am 26. Juli zeigen, wenn der Abschlussbericht über die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon vorgelegt wird.

Am selben Tag beginnt die Convention der Demokraten in Boston. Im Lager von Bush wird befürchtet, die Schlussfolgerungen der 9/11-Kommission könnten zu einer goldenen Gelegenheit für seinen Herausforderer im Kampf um das Weisse Haus werden, das Bild des Präsidenten als einem Garant für nationale Sicherheit als Fälschung zu enttarnen.

«Jeder Bericht vor der Wahl birgt ein gewisses Risiko», sagt Scott Reed aus dem Beraterstab der Republikaner. Nach Meinung von Insidern zeigt die Kommission Fehler der amtierenden Regierung, aber auch der Vorgängerregierung von Bill Clinton. Beide sind wohl vor dem 11. September nicht entschieden genug gegen El Kaida vorgegangen. Einen Unterschied gibt es jedoch: Clinton will im November nicht wiedergewählt werden.

Gegen Bush wird ein weiterer Vorwurf erhoben, an prominentester Stelle vom früheren Anti-Terror-Koordinator des Weissen Hauses Richard Clarke. Nach dessen Einschätzung war der Präsident auf Saddam Hussein fixiert. Durch den törichten Irak-Krieg würden jedoch wertvolle Ressourcen für die Verfolgung von El-Kaida-Terroristen vergeudet, meint Clarke.

Während Bush im Oval Office Fragen beantworten musste, ob er die Terrorgefahr vor dem 11. September ernst genug eingestuft habe, klagten die Demokraten im Senat über die dramatische Lage in Irak. Ein Jahr, nachdem Bush auf einem Flugzeugträger medienwirksam das Ende der Hauptkampfhandlungen ausrief, werden täglich US-Soldaten im Zweistromland getötet. «Anstelle Jagd auf flüchtige Terroristen zu machen hat die Invasion in Irak die Feuer des Terrors gegen die USA und ihre Verbündeten erst wieder zum Lodern gebracht», erklärte Senator Robert C. Byrd die demokratische Sicht.

Auf einer kurzen Pressekonferenz im Rosengarten im Anschluss an seine Befragung wurde Bush die Frage gestellt, ob er sicher sei, dass es zur Zeit in den USA keine El-Kaida-Terroristen gebe. «Nein, das kann ich nicht sagen», erwiderte er. (dapd)

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