Das Zürcher «Coopi» wird 100 Jahre alt
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Das Zürcher «Coopi» wird 100 Jahre alt

Lenin, Mussolini, Berthold Brecht oder Gerhard Schröder sind nur einige Namen von illustren Gästen, die das Zürcher Restaurant «Cooperativo» besucht haben.

Am 18. März 1905 gründete eine Gruppe von italienischen Sozialdemokraten die «Società Cooperativa Italiana Zurigo», um die sozialistische Zusammenarbeit zu fördern. Gleichzeitig wurde das Restaurant «Cooperativo» eröffnet, um den Emigranten die Möglichkeit zu geben, zu vernünftigen Preisen gesund zu essen.

Eine besondere Bedeutung erlangte das «Coopi» in den 30er und 40er Jahren als Zentrum des italienischen Antifaschismus. Dazu gehörten auch eine Zeitung und eine Schule. In den Nachkriegsjahren wurde das Lokal in Zürich-Aussersihl von den schweizerischen Gewerkschaften und Sozialdemokraten entdeckt. Bis heute ist das «Coopi» ein beliebter Treffpunkt der Linken geblieben.

Gästeliste mit illustren Namen

Das «Cooperativo» zeige nicht nur die Geschichte der italienischen Emigration in Zürich, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte, sagte Peter Spring, Mitglied des Jubiläums- Komitees, am Dienstag vor den Medien.

Die Gästeliste umfasst illustre Namen der Weltgeschichte - zum Beispiel Benito Mussolini, als er noch Sozialist war, oder Lenin. Auch Bertold Brecht soll im «Coopi» gewesen sein.

In Zürich verkehrte vor allem Prominenz der italienischen Linken, etwa Filippo Turati, der Gründer der Sozialistischen Partei Italiens, oder der Antifaschist Giacomo Matteotti. Mit dem «Coopi» verbunden sind auch der Schriftsteller Ignazio Silone, die Journalistin Franca Magnani sowie der Schauspieler und Regisseur Ettore Cella, dessen Eltern das Lokal viele Jahre führten.

Auch Comensoli-Ausstellungen

Sein hundertjähriges Bestehen feiert das «Coopi» mit diversen Anlässen. Das grosse Jubiläumsfest steigt am 18. März. Dazu kommen Veranstaltungen zu historischen Themen - etwa die antifaschistische Emigration oder die Geschichte des Sozialismus - sowie Lesungen.

Anlässe sind auch einzelnen Persönlichkeiten gewidmet, zum Beispiel dem Gewerkschaftsführer Ezio Canonica oder Ettore Cella, der letztes Jahr verstarb. Nicht zuletzt zeigt das «Coopi» vier kleine Ausstellungen mit Bildern des Tessiner Malers Mario Comensoli, der sich eng mit dem «Coopi» verbunden fühlte.

(sda)

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