Aktualisiert 26.02.2016 09:20

Jungpolitiker

«Das Zürcher Nachtleben ist überreguliert»

Der Verein Pro Nachtleben Zürich setzt sich für Bars, Clubs und Restaurants ein und plant eine Petition. Mit dabei sind alle grossen Jungparteien der Stadt Zürich – nur die Juso kneifen.

von
ced
Das Zürcher Nachtleben erhält Support von Jungpolitikern - Blick in den Kaufleuten-Club.

Das Zürcher Nachtleben erhält Support von Jungpolitikern - Blick in den Kaufleuten-Club.

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Die Stadt Zürich sorgte im Sommer 2015 in der Nightlife-Szene für Aufruhr. Sie führte eine neue Regelung ein, die Anwohnern Rekurse gegen Öffnungszeiten von Gastrobetrieben ermöglicht. Für die Jungfreisinnigen der Stadt Zürich ging das zu weit. Sie gründeten den Verein Pro Nachtleben Zürich und holten dafür weitere Jungparteien von der CVP, GLP, SVP und den Grünen mit ins Boot.

Einzig mit der Juso habe man sich nicht einigen können, sagt Vereinspräsident Claudio Zihlmann (Jungfreisinnige). Grund dafür seien «unterschiedliche Ansichten» gewesen. Von Seiten der Juso heisst es auf Anfrage, dass der Verein nicht auf alle Anliegen der Partei eingegangen sei – so zum Beispiel auf die Befreiung von der Konsumpflicht.

«Dringender Handlungsbedarf»

Ziel des Vereins ist es, dem Nachtleben auf politischer Ebene eine Stimme zu geben.«Wir wollen auf diverse Missstände aufmerksam machen», sagt Zihlmann. Dass praktisch alle Jungparteien in dieser Hinsicht am selben Strick ziehen, verwundert Zihlmann nicht: «Es zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht.»

In einem ersten Schritt hat Pro Nachtleben Zürich am Freitag eine Petition lanciert, die im Frühling bei der Stadt Zürich eingereicht werden soll. Die wesentlichen Punkte: Hürden für Aussenwirtschafts- und Umbau-Bewilligungen abbauen und bei Lärmklagen die unterschiedlichen Interessen berücksichtigen. «Es kann nicht sein, dass ein etablierter Club wie die Härterei schliessen muss, nur weil sich die neuen Nachbarn am Lärm stören», sagt Zihlmann und spricht dabei ein Beispiel an, das im Jahr 2013 für rote Köpfe sorgte.

Initiativen und Vorstösse fürs Nachtleben

Öffentliche Aktionen, Initiativen und Vorstösse im Parlament sollen der Petition folgen. Zihlmann: «Der Regulierungswut der Stadt muss mit allen erdenklichen Mitteln ein Riegel vorgeschoben werden.» Obwohl das Zürcher Nachtleben momentan auf ein breites Angebot zählen könne, zeigten sich bereits vielerorts Auswirkungen des harten Regimes: «An der Langstrasse schliessen Bars, Restaurants bieten immer weniger Sitzplätze im Freien an und Umbauten führen unweigerlich zum Papierkrieg.» In diesem Sinne erfülle der Verein auch eine präventive Wirkung, sagt Zihlmann. «Zürich braucht auch in Zukunft ein vielfältiges Nachtleben.»

Zuspruch erhält der Verein von der Bar- und Club-Kommission Zürich (BCK). Sprecher Alex Bücheli: «Wir begrüssen diese späte politische Anerkennung des Nachtlebens.» Er hofft, dass es nicht nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt, sondern auch konkrete Unterstützung folgt. «Optimal wäre es, wenn der Zusammenschluss der Jungparteien auch die Mutterparteien motivieren würde, sich auf eine positive Art und Weise des Nachtlebens anzunehmen», sagt Bücheli. Die BCK appelliert auch an die Partygänger, die Onlinepetition von Pro Nachtleben Zürich zu unterschreiben.

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