13.08.2020 02:58

Good News«Dass daraus etwas so Schönes wird, ist faszinierend»

Nicole Keller aus Pfyn TG zieht in ihrer Freizeit geschützt Schmetterlinge auf. Damit ist sie nicht allein. Das musst du tun, damit sich die Tiere auch in deinem Garten wohlfühlen.

von
Tabea Waser

Von der Raupe zum Schmetterling.

Video: Jil Rietmann

Darum gehts

  • Die Thurgauerin Nicole Keller zieht mit ihrer Familie zu Hause Schmetterlinge auf.
  • Mit ihrem Hobby ist sie nicht allein.
  • Der Artenreichtum der Tagfalter ist auch in der Schweiz bedroht.
  • Jeder kann etwas für die Schmetterlinge tun.

«Eigentlich mache ich das schon seit meiner Kindheit», erzählt Nicole Keller aus Pfyn TG. Damals sei es aber noch ziemlich primitiv gewesen. Sie habe die Schmetterlingsraupen jeweils auf einem Holzsteckli in eine Vase getan und Futter dazugelegt. Nun hat die 38-Jährige das Thema mit ihren Kindern Mia (7), Finja (3,5) und Luana (2) wieder aufgegriffen und geht es professioneller an. «Das Aufziehen der Tiere ist nicht nur für die Kinder spannend, sondern auch für Erwachsene.» Für sie persönlich gebe es nichts Schöneres, als wenn die Tiere schliesslich aus den Kokons schlüpften.

Spezialisiert habe sie sich vor allem auf den Schwalbenschwanz. Aus einem einfachen Grund: Die Raupe mag die Dillpflanze sehr gerne, und diese habe sie im eigenen Garten. «Mittlerweile sammeln wir sogar die Eier ein, nicht erst die Raupe.» Die Eier oder Raupen kommen dann ins Aerarium, einen luftig-leichten Netzbehälter aus Tüllstoff. Gefüttert werden die Schwalbenschwanzraupen mit Dill oder Rüeblikraut.

Mit ihrem Hobby ist die 38-Jährige nicht allein. Auf Facebook gibt es ganze Gruppen, die sich dem Thema Schmetterlingszucht widmen. Laut Keller ist das der ideale Ort für Anfänger, um sich Tipps zu holen. «Hier kann man extrem vom Wissen anderer profitieren.»

Temporäres Haustier

Bei der Standortwahl des Aerariums sei es wichtig, dass dort ähnliche Bedingungen herrschten wie draussen. «Es soll geschützt stehen, aber das Klima von draussen müssen die Tiere mitbekommen», so Keller. Habe man die Raupen etwa im Keller, könne es sein, dass sie überwintern und nicht schlüpfen, weil es ihnen zu kalt ist. Bei ihr stehe das Aerarium in einem nicht beheizten Wintergarten. «Schlüpfen sie nach der Verpuppung, öffnen wir das Fenster und lassen sie fliegen», erzählt Keller. Es gebe auch solche Exemplare, die dann noch etwas blieben und erst am nächsten Tag den Flug ins Freie wagten. «Der Schmetterling weiss, wann es Zeit ist. Das entscheidet er selber.»

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So sieht eine Schwalbenschwanzraupe aus.

So sieht eine Schwalbenschwanzraupe aus.

Nicole Keller
In der Natur findet man sie etwa an Rüebli-, Fenchel- oder Dillpflanzen.

In der Natur findet man sie etwa an Rüebli-, Fenchel- oder Dillpflanzen.

Nicole Keller
Der Schmetterling legt die Eier auf die Pflanze ab, die die Raupen fressen.

Der Schmetterling legt die Eier auf die Pflanze ab, die die Raupen fressen.

Nicole Keller

«Dass aus einer anfangs so fetten Raupe so etwas Schönes wird, ist einfach faszinierend», findet Keller. Für sie seien die Tiere auch eine Art temporäres Haustier. Der Vorteil sei, dass man die Tiere nicht das ganze Jahr über versorgen muss. «Die Dauer ist beschränkt und der Aufwand nicht riesig.» So würden auch Kindern lernen, erste Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, und seien nicht gleich überfordert, weil man die Tiere ja nicht für immer habe.

Bedrohte Arten

Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist auch in der Schweiz der Artenreichtum von Schmetterlingen bedroht. Insbesondere die seltenen, spezialisierten Arten würden unter dem anhaltenden Verlust an Magerwiesen und Feuchtgebieten leiden. 35 Prozent aller Tagfalterarten der Schweiz gelten mittlerweile als «bedroht», drei Arten als «ausgestorben». Einige Schmetterlingsarten sind in der Schweiz oder in einzelnen Kantonen geschützt. Sie dürfen, ausser mit behördlicher Bewilligung, nicht eingefangen, gehalten und ausgesetzt werden.

Ein Grossteil der bedrohten Arten ist laut Bafu auf Magerwiesen und -weiden angewiesen. In den letzten Jahrzehnten sind aber viele Blumenwiesen überbaut oder für die Landwirtschaft umgenutzt worden. Das und das Verschwinden von Feuchtgebieten sorge dafür, dass die Schmetterlinge keine Nahrung fänden oder Orte für die Eiablage. Mit dem Verlust des Lebensraums sinkt auch die Artenzahl.

Das kannst du tun:

Im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann man die Schmetterlinge fördern, indem ihnen Pflanzen zur Verfügung stehen, die sie mögen. Beispiele: Labkraut, Blutweiderich, Grosse Brennnesseln, Dost, Weidenröschen, Disteln und Skabiose.

Exotische Zierpflanzen und Hecken sind für die einheimischen Raupen wertlos, manchmal sogar giftig. Ausserdem brauchen die Raupen ruhige Plätze zum Verpuppen: alte Gräser, Asthaufen, dürre Sträucher oder Kletterpflanzen. Die ausgewachsenen Falter schliesslich benötigen von Frühling bis Herbst Blüten mit Nektar. Als Nektarspender eignen sich beispielsweise Lavendel, Wasserdost, Thymian, Wilder Dost, Schwarze Heckenkirsche, Rüebli, Katzenminze, Nelken und Skabiosen.

Quelle: bafu.admin.ch

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