Aktualisiert 27.08.2012 20:58

FCB-Präsi Heusler«Dass Vogel jetzt kritisiert wird, ist doch normal»

Präsident Bernhard Heusler (48) nimmt Stellung zur Schieflage beim FC Basel und zur wegweisenden Partie gegen Cluj.

von
Andy Huber

Berhard Heusler, sieben Spiele, zwölf Punkte: Man kann annehmen, dass Sie den Saisonstart Ihres FCB nicht als geglückt bezeichnen werden?

Natürlich ist der Saisonstart nach der Niederlage in St. Gallen nicht optimal. Neun Verlustpunkte in sieben Partien sind viel – auch wenn es vor einem Jahr zwölf waren.

Woran liegt es?

Für eine tiefschürfende Analyse ist es zu früh. Tatsache ist, dass die Mannschaft nach dem dritten Titelgewinn in Folge im Sommer einen Umbruch erfahren hat. Logisch ist, dass gewisse Automatismen und Abstimmungen noch nicht klappen. Gerade in kritischen Spielsituationen zeigt sich das. Daran wird gearbeitet.

Auch an Trainer Heiko Vogel ist nun erstmals Kritik laut geworden. Sehen Sie auch Mängel an seiner Arbeit?

Nein, er arbeitet gewohnt motiviert, kompetent und fokussiert mit der Mannschaft. Dass er kritisiert wird, wenn die Resultate nicht stimmen, ist normal, gehört zum Geschäft.

Sprechen Sie mit ihm, nehmen Sie Einfluss?

Natürlich sprechen wir miteinander. Die Klubleitung, die Technische Kommission, der Trainerstab und die Mannschaft sitzen ja im gleichen Boot. Wir gewinnen gemeinsam und verlieren zusammen. Persönlich nehme ich dort Einfluss, wo ich meine, dass es dem Ganzen dient.

Vogel hat zuletzt betont, dass er zuwenig Typen wie Aleksandar Dragovic habe. Das könnte man durchaus auch als Kritik an Ihrer Transferpolitik sehen?

Nein. Beim FC Basel gibt es keine Transferpolitik des Präsidenten oder eines geheimen Gremiums, die ein Trainer schlucken müsste. Wir entscheiden die Kaderzusammenstellung gemeinsam in der Technischen Kommission. Für ein Vorwurfs-Ping-Pong gibt diese Organisation nichts her. Aber in der Sache gebe ich ihm Recht. Jeder Trainer dieser Welt hat gerne Spielertypen, die sich mit aller Leidenschaft gegen Niederlagen wehren.

Wie beurteilen Sie allgemein die Situation in der Super League – überraschen Sie die Auftritte von St. Gallen, Sion oder GC?

Die Liga lässt sich gut an. Die Vierer-Spitzengruppe mit St. Gallen und GC als erste Verfolger von Sion ist nahe beieinander. Die Mitfavoriten YB und FCZ lauern dahinter. Unsere beiden ausverkauften Auswärtsspiele in Sion und St. Gallen waren punkto Stimmung im Stadion erstklassig. Als neutraler Beobachter wünschte man sich, dass in der Stadt Zürich schnellstmöglich in Sachen Infrastruktur und Rahmenbedingungen nachgezogen wird, damit wir dort auch wieder Fussballfeste erleben dürfen.

Nun steht das wegweisenden Rückspiel im Playoff der Champions League bei Cluj an. Das Hinspiel endete 1:2. Wie gross sehen die Chancen für ein Weiterkommen?

Die Chancen sind intakt, aber die Details müssen stimmen, effizient müssen wir sein und das Wettkampfglück auf unsere Seite zwingen.

Welche finanziellen Auswirkungen hätte ein Ausscheiden für den FCB auf das Saisonbudget – immerhin würde Ihnen 20 Mio. Franken entgehen?

Die Einnahmen aus der Champions League sind nicht budgetiert. Insofern hätte eine Nichtqualifikation keine Auswirkungen auf das Budget. Dank der sicheren Qualifikation für die Europa League, die uns rund vier bis fünf Millionen Franken Einnahmen bringen wird, haben wir das geschätzte Jahresergebnis nach oben korrigieren können. Auch ohne Champions League würden wir in diesem Jahr dank Sondereinnahmen keinen Verlust schreiben.

Ist für Sie die momentane Situation die bisher kniffligste in ihrer Amtszeit als Basel-Präsident?

Meine Arbeit für den FCB stelle ich nicht in Relation zu meiner Stellung als Präsident. Am meisten belastet hat mich die Aufarbeitung der internen und externen Probleme des Klubs nach dem 13. Mai 2006 und sehr schwierig war auch die Zeit im Sommer 2009, als wir uns von Christian Gross trennen und einen neuen Trainer finden mussten. Die aktuelle Situation empfinde ich nicht als knifflig, sondern als eine Herausforderung, der man sich als Klubverantwortlicher stellen muss.

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