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«Date Fighting»: Prügelnde Mädchen als neues Phänomen

Zwei Gruppen junger Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren sind am Samstag heftig und keineswegs zufällig aneinander geraten. Die St. Galler Polizei steht vor einem neuen Phänomen.

Die Prügelei unter den jungen Frauen hat sich bereits am Nachmittag angekündigt, nachdem sich zwei Mädchen um denselben Freund stritten. Danach kam es laut Mediensprecher Benjamin Lütolf von der Stadtpolizei St. Gallen zu einer «Verabredung zur Abrechnung». Gegen 40 Mädchen gingen um 20 Uhr beim Bahnhof aufeinander los. «Es gab einige Beulen und Schürfwunden, aber es waren keine Waffen im Spiel», erklärte Lütolf.

Der Vorfall wurde von Passanten der Stadtpolizei gemeldet, die sofort ausrückte und die beiden Gruppen trennte. Zehn Mädchen wurden sofort auf die Wache mitgenommen, zwei weitere folgten später. Da bei der Auseinandersetzung keine Waffen im Spiel waren, wird die Prügelei nicht als Offizialsdelikt gewertet. Für die Mädchen besteht die Möglichkeit, Klage einzureichen. Dies ist bisher nicht geschehen. Für die Polizei kann der Fall damit ad acta gelegt werden. Auswirkungen hat er aber trotzdem.

«Dass Frauengruppen aufeinander losgehen ist für uns ein neuer Gesichtspunkt», sagt Lütolf. Bereits heute kontrolliert die Polizei – gerade an den Wochenenden – rund um den Bahnhof St. Gallen zwar das Geschehen. Im Visier waren bisher aber vor allem die männchlichen Personen. Für Lütolf ist nach dem Vorfall vom Samstag klar: «Wir werden nun auch ein verstärktes Augenmerk auf Frauengruppen halten.»

299 Gewaltstraftaten von Mädchen

Dass sich die Mädchen vermehrt auch mit Händen, Füssen und Fingernägeln zur Wehr setzen, ist allerdings kein neues Phänomen. 2005 verurteilten Jugendrichter 299 Mädchen und junge Frauen wegen Gewaltstraftaten - dreimal mehr als noch 1999. Damals waren nur 8 Prozent der jugendlichen Gewalttäter weiblich. Sechs Jahre später waren es schon 13 Prozent. Und die schlagenden Mädchen werden immer jünger. Fast jede dritte Prüglerin ist nicht einmal 15.

Der Fall der prügelnden Mädchen von St. Gallen ist ein weiterer Eintrag in der Statistik von gewalttätigen Girls. Unklar ist momentan noch, ob der Kampf Klarheit in der Gunst um den gemeinsamen Freund der Streithühner gebracht hat.

Marius Egger

Wer war dabei? 20minuten.ch sucht Augenzeugen der Mädchenkeilerei. Den Einsendern wird volle Diskretion zugesichert.feedback@20minuten.ch

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