Viele Fragen: Datenschützer nehmen Google-Brille ins Visier
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Viele FragenDatenschützer nehmen Google-Brille ins Visier

Noch ist Google Glass nicht erhältlich, doch die Sorgen wegen der Video-Brille wachsen. Nun soll sich der US-Konzern gegenüber staatlichen Aufsichtsbehörden erklären.

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dsc

Die vom Internetriesen Google entwickelte Brille Google Glass sorgt bei Datenschützern weltweit für Bedenken. In einem gemeinsamen Brief an Google-Chef Larry Page bitten Dutzende Datenschutzbeauftragte aus der ganzen Welt um genauere Informationen zum Projekt Google Glass - darunter auch der oberste Datenschützer der Schweiz, Hanspeter Thür.

Laut Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB), wird der Brief am Mittwoch auf der EDÖB-Website aufgeschaltet.

Auf der Website der deutschen Datenschutzbehörde ist das Schreiben im (englischen) Original bereits zu finden. Darin wollen Thür und die Mitunterzeichner wissen, welche Informationen Google über die Nutzer seiner Internetbrille sammelt, was der Konzern damit tun und welche Daten er an Dritte weitergeben will. Der letzte Punkt hat mit dem PRISM-Schnüffelskandal zusätzliche Brisanz erhalten.

Demonstration gewünscht

Im Visier ist offenbar auch die automatische Gesichtserkennung: Zwar hat Google bereits angekündigt, auf die umstrittene Funktion zu verzichten. Das scheint den Datenschützern allerdings nicht zu genügen. Sie fragen den Google-Chef auch, ob der Einsatz der Brille demonstriert werden könne.

Google Glass befindet sich derzeit in der Testphase mit rund 1500 unabhängigen Software-Entwicklern. Das Gadget, dessen Preis noch nicht bekannt ist, wird laut Ankündigung voraussichtlich im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Der US-Konzern hatte die mit winziger Videokamera, Lautsprechern und Display ausgestattete Brille vor gut einem Jahr erstmals vorgestellt. Der Mini-Bildschirm befindet sich in einem Winkel des Brillengestells, gesteuert wird das Gerät mit Sprachbefehlen oder den Fingern.

Viele Bedenken

Die Datenschützer bitten Google darum, schon bei der Entwicklung ausreichenden Datenschutz in das neue System einzubauen. Auch soll der Konzern erklären, wie Google damit umgeht, dass die Nutzer von Google Glass künftig problemlos unbemerkt Daten über andere sammeln könnten. «Die angekündigte Datenbrille stellt eine neue Qualität der Erfassung alltäglichen menschlichen Verhaltens dar», lässt sich der oberste deutsche Datenschützer zitieren. Eine Prüfung hinsichtlich der Vereinbarkeit mit europäischem Datenschutzrecht sei daher schon jetzt geboten.

Das aktuelle Schreiben an Google unterzeichneten neben Thür die Datenschutzbeauftragten der EU-Staaten, Australiens, Neuseelands, Kanadas, Mexikos und Israels.

In der Kritik

Bedenken über Google Glass hatte auch schon eine Gruppe von US-Kongressabgeordneten geäussert. Sie verlangte von Google im Mai ebenfalls Antworten darauf, was die internetfähige Hightechbrille für den Datenschutz und die Privatsphäre der Bürger bedeute.

Google stand in den USA und in Europa in der Vergangenheit immer wieder wegen Verstössen gegen den Datenschutz in der Kritik. Unter anderem musste der Technologiekonzern Bussgelder zahlen, weil er bei den Aufnahmefahrten für seinen Strassenfotodienst Street View den Datenverkehr ungeschützter drahtloser Netzwerke mitgeschnitten hatte. (dsc/sda)

Google protestiert wegen PRISM

Google wehrt sich gegen die gerichtlich auferlegte Nachrichtensperre zum Internet-Überwachungsprogramm der US-Regierung: Das Internetunternehmen beantragte am Dienstag bei dem geheimen Gericht, das die Geheimdienstanfragen genehmigt, die Zahl dieser Anfragen veröffentlichen zu dürfen.

Google begründete dies mit dem Recht auf freie Rede. «Das Ansehen Googles ist von falschen und irreführenden Berichten in den Medien beschädigt worden, und Google-Nutzer sind besorgt über die Vorwürfe», erklärte das Unternehmen. Google geht es um die Zahl der Anfragen unter dem Überwachungsprogramm PRISM, das nach Regierungsdarstellung der Terrorismusbekämpfung dient.

Bisher hat Google die Zahl der Anfragen wegen Straftaten veröffentlicht. Diese mit denen zur «nationalen Sicherheit in einen Topf zu werfen, wie es einigen Firmen erlaubt wurde, wäre ein Rückschritt für unsere Nutzer», erklärte Google.

(ap)

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