Risiken der Wearables: Datenschützer warnt vor Gesundheits-Apps

Aktualisiert

Risiken der WearablesDatenschützer warnt vor Gesundheits-Apps

Der Datenschützer warnt davor, seine über Wearables gesammelten Gesundheitsdaten Versicherungen und Arbeitgebern zu überlassen.

von
T. Bolzern
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Im Vergleich zu Smartphones ist die Wearable-Sparte derzeit zwar noch überschaubar, sie wächst aber rasant. Wurden 2012 weltweit etwa 40 Millionen Gadgets verkauft, soll sich diese Zahl bis 2018 mehr als verdoppeln.

Im Vergleich zu Smartphones ist die Wearable-Sparte derzeit zwar noch überschaubar, sie wächst aber rasant. Wurden 2012 weltweit etwa 40 Millionen Gadgets verkauft, soll sich diese Zahl bis 2018 mehr als verdoppeln.

Besonders beliebt werden in diesem Jahr Smartwatches sein, sagen die Analysten von Gartner. Die Hälfte der Leute, die ein Wearable kaufen, werden sich eher für eine Datenuhr anstatt für einen reinen Fitnesstracker entscheiden.

Besonders beliebt werden in diesem Jahr Smartwatches sein, sagen die Analysten von Gartner. Die Hälfte der Leute, die ein Wearable kaufen, werden sich eher für eine Datenuhr anstatt für einen reinen Fitnesstracker entscheiden.

Keystone/AP/John Locher
Das dürfte ab April auch die Verkäufe der Apple Watch befeuern. Die dafür prophezeiten Verkaufszahlen pendeln zwischen 10 und 40 Millionen Einheiten.

Das dürfte ab April auch die Verkäufe der Apple Watch befeuern. Die dafür prophezeiten Verkaufszahlen pendeln zwischen 10 und 40 Millionen Einheiten.

Keystone/AP/Marcio Jose Sanchez

Herr Thür, das Thema des 9. Datenschutztags waren Wearables und Gesundheits-Apps. Sich zu vermessen per Wearable, liegt im Trend. Was für einen Preis bezahlen wir dafür?

Schrittmesser sollen uns zu mehr Bewegung motivieren, Fitness-Armbänder messen den Herzschlag rund um die Uhr und Sensoren überwachen uns selbst im Schlaf. Zusammengefasst können diese Daten ein sehr präzises Gesundheitsprofil abgeben. Dass es sich dabei um hoch sensible Informationen handelt, sind wir uns oft zu wenig bewusst.

Den Wert der Daten haben auch Firmen entdeckt. Wer Fitnessdaten abtritt, soll bald Rabatte bei einigen Versicherern bekommen. Was halten Sie davon?

Das ist ein gefährlicher Trend, der aber sicher noch weiter zunehmen wird. Experten gehen davon aus, dass bis 2018 weltweit 80 Millionen verkauft und immer mehr auch kostenlos von Arbeitgebern und Versicherungen abgegeben werden.

Ist so etwas auch in der Schweiz denkbar?

Das ist eine Frage der Zeit. Im obligatorischen Bereich ist ein solches Modell, Rabatte für Daten bei uns aber nicht möglich, bei allen freiwilligen Versicherungen ist das aber durchaus denkbar. In den USA gibt es Beispiele, dass etwa Versicherungen eine höhere Prämie verlangen, wenn jemand keine Social-Media-Profile hat und sein Freizeitverhalten nicht offenlegt, damit die Versicherung das Risikoprofil ermitteln kann.

Wem gehören eigentlich die Daten, die von den Wearables kommen?

Demjenigen, der die Geräte nutzt. Doch die Daten landen via App meist auf den Servern der Hersteller. Nutzungsbedingungen sind kompliziert oder fehlen bei einigen Apps gar vollständig. Für den Nutzer ist zudem nicht immer ersichtlich, was mit den Daten geschieht. Da sind Hersteller intransparent und da wollen wir ansetzen.

Wie genau?

Ich würde gerne die Nutzer durch bessere Gesetze ein wenig entlasten. Käufer sollen sich nicht durch seitenlange AGBs durchlesen müssen. Als Konsument soll man von Anfang an die Gewissheit haben, dass mit den erhobenen Daten kein Unfug getrieben wird. Deshalb braucht es eine Änderung des Gesetzes, die Hersteller von Wearables in die Pflicht nimmt, die grösstmögliche Privatsphäre zu garantieren.

Haben Sie selbst eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker?

Ich habe eine Polar-Uhr, welche die Daten lokal speichert. Etwas Neues will ich derzeit nicht kaufen, schliesse es aber für die Zukunft nicht aus.

«Wir werden es teuer bezahlen»

Am 9. Datenschutztag hat der Vize-Präsident der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats, Jean Christophe Schwaab (SP/VD), eine Verschärfung des Datenschutzes gefordert. Schwaab warnte am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur sda, die Schweiz laufe Gefahr, in Sachen Datenschutz ins Hintertreffen zu geraten. Die EU sei derzeit dabei, ihre Datenschutz-Regeln zu verschärfen. Sollte die Schweiz nicht mitziehen, «werden wir es teuer bezahlen», sagte er. Daten über die Gesundheit seien heikler. Private Firmen und der Staat seien in der Lage, mit Hilfe solcher Daten genaue Informationen über eine Person zu ziehen, betonte Schwaab. Um solches zu verhindern, müsse der Datenschutz verbessert werden. (sda)

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