Südschweiz: Dauerregen führte zu Erdrutschen und Steinschlag
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SüdschweizDauerregen führte zu Erdrutschen und Steinschlag

Im Tessin fuhr ein Güterzug auf einen Erdrutsch und die Simplonpassstrasse wurde nach einem Steinschlag vorübergehend gesperrt.

Beim Bahnhof San Nazzaro im Tessin ist am Mittwochmorgen um 00.30 Uhr ein Erdrutsch niedergegangen und hat die Bahnlinie zwischen Bellinzona und Luino unterbrochen. Ein nur wenig später auf dieser Strecke verkehrender Güterzug konnte trotz einer Notbremsung nicht mehr rechtzeitig anhalten, fuhr auf die Erdmassen auf und entgleiste teilweise. Die beiden Lokführer der aus zwei Lokomotiven und 22 Wagen bestehenden Komposition blieben unverletzt, wie die Tessiner Kantonspolizei mitteilte. Die SBB rechneten mit einem mindestens 24-stündigen Unterbruch der Bahnstrecke. Im Personenverkehr wurden Bahnersatzbusse bereitgestellt. Laut den SBB wurde der Erdrutsch durch eine Baustelle oberhalb der Bahnlinie ausgelöst. Die Erdmassen verschütteten die Weichen nördlich das Bahnhofs.

Ein grösserer Steinschlag ging in der Nacht zum Mittwoch auf die Simplonpassstrasse nieder. Nach Auskunft der Walliser Kantonspolizei wurde niemand verletzt. Die Passstrasse musste auf der Südseite zwischen Simplon-Dorf und Gondo bis am Mittwochmorgen für den Verkehr gesperrt werden. Ab 10.00 Uhr konnten Personenwagen die Strasse wieder benutzen, der Schwerverkehr wurde aber vorerst noch zurückgehalten.

Zu mehreren Steinschlägen kam es seit Dienstagnachmittag auch im Goms zwischen Bitsch und Mören. Allerdings blieben die Steine in den Auffangnetzen hängen oder hinter dem Schutzdamm liegen, wie ein Sprecher der Matterhorn Gotthard Bahn sagte. Der Bahnbetrieb wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Reisende mussten per Bus von Brig nach Ried-Mörel und von dort mit der Gondelbahn nach Mörel weiterreisen, wo sie wieder den Zug besteigen konnten. Dadurch entstanden Verspätungen von rund einer Stunde. In der Nacht war auch die Hauptstrasse H19 gesperrt. Auch die Strasse ins Matter- respektive ins Saastal war am Mittwoch wegen Steinschlaggefahr zwischen Stalden und St. Niklaus respektive zwischen Stalden und Saas Balen gesperrt.

Ausgelöst wurden Erdrutsche und Steinschlag durch den seit gut einer Woche auf der Alpensüdseite anhaltenden Dauerregen. Allein in den letzten 24 Stunden bis Mittwochmorgen hatten das Gebiet um Locarno und das Maggiatal bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter erhalten. Seit Beginn der Regenperiode erhielt beispielsweise Robiei im oberen Maggiatal bereits 470 Liter Regen pro Quadratmeter, im Gebiet um Locarno waren es 300 Liter. Dies entspricht laut MeteoSchweiz etwa dem dreifachen Niederschlagswert eines durchschnittlichen Novembers. Der Regen liess am Mittwoch zwar nach, die Meteorologen rechneten aber damit, dass der Pegel des Langensees bis Donnerstag noch ansteigen und möglicherweise sogar über die Ufer treten würde. (dapd)

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