USA – David Bennett stirbt zwei Monate nach Schweineherz-Transplantation
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USADavid Bennett stirbt zwei Monate nach Schweineherz-Transplantation

Der US-Patient, dem vor zwei Monaten erstmals erfolgreich ein Schweineherz transplantiert worden war, ist tot. Der 57-jährige David Bennett starb am Dienstag.

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Der verantwortliche Chirurg und sein Patient: Bartley Griffith (links) und David Bennett. AFP/University of Maryland

Der verantwortliche Chirurg und sein Patient: Bartley Griffith (links) und David Bennett. AFP/University of Maryland

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Dem Patienten ging es drei Tage nach der Operation gut: das Ärzteteam der University of Maryland während der Transplantation.

Dem Patienten ging es drei Tage nach der Operation gut: das Ärzteteam der University of Maryland während der Transplantation.

via REUTERS
Die Transplantation war eine Weltpremiere. Den Angaben zufolge litt der Patient an einer Herzerkrankung im Endstadium.

Die Transplantation war eine Weltpremiere. Den Angaben zufolge litt der Patient an einer Herzerkrankung im Endstadium.

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Darum gehts

Der 57-Jährige, dem weltweit erstmals ein Schweineherz als Ersatzorgan eingesetzt wurde, ist tot. David Bennett sei am Dienstag, rund zwei Monate nach der Operation, gestorben, teilte das Universitätsklinikum in Baltimore am Mittwoch mit. Sein Zustand habe schon vor einigen Tagen begonnen, sich zu verschlechtern.

«Nachdem klar wurde, dass er sich nicht erholen würde, wurde er palliativmedizinisch behandelt», erklärte das Universitätsklinikum. «Er konnte in den letzten Stunden seines Lebens mit seiner Familie kommunizieren.» Der Chirurg Bartley Griffith, der die Transplantation vorgenommen hatte, zeigte sich «erschüttert» über Bennetts Tod. «Er hat sich als mutiger und edler Patient erwiesen, der bis zum Schluss gekämpft hat. Wir sprechen seiner Familie unser tief empfundenes Beileid aus.»

Zustand Bennets war zunächst stabil

In einem Meilenstein auf dem Gebiet der Organtransplantation war dem an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit leidenden Mann, Anfang Januar in einer mehrstündigen Operation das genetisch veränderte Organ eingesetzt worden. Nach der Operation war der Patient noch einige Tage an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen gewesen, danach war sein Zustand den Ärzten zufolge zunächst relativ stabil.

Nach Angaben der Universitätsklinik vom Mittwoch funktionierte das Herz «wochenlang sehr gut ohne Anzeichen einer Abstossung». Bennett habe Zeit mit seiner Familie verbringen können und Physiotherapie gemacht. Er habe zudem im Februar mit seinem Therapeuten das American-Football-Saisonfinale Super Bowl anschauen können und «oft darüber gesprochen, dass er nach Hause zu seinem Hund Lucky will».

Keine Zulassung für herkömmliche Organtransplantation

Bennett hatte an einer Herzerkrankung im Endstadium gelitten. Weil der 57-Jährige nicht für eine herkömmliche Organtransplantation zugelassen worden war, war die Transplantation des Schweineherzes nach Angaben des Universitätsklinikums die einzige Behandlungsoption. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Ende Dezember eine Notfallzulassung für den Eingriff erteilt.

Der Fall David Bennetts sorgte auch für Aufsehen, weil er ein verurteilter Messerstecher war. Wie aus Recherchen der «Washington Post» hervorgeht, sass David Bennett zehn Jahre im Gefängnis, weil er sieben Mal auf einen Mann eingestochen und diesen so an den Rollstuhl gebunden hatte. Verwandte des inzwischen verstorbenen Opfers erkannten den Namen des Mannes wieder, der wegen der Jahrhundertoperation in den Medien war. 

Genetisch verändertes Schweineherz

Das Schwein, von dem das Herz stammte, war genetisch verändert worden, um ein Gen zu eliminieren, das einen bestimmten Zucker bildet. Dieser Zucker hätte sonst eine starke Immunreaktion des Patienten ausgelöst, was zu einer Abstossung des Organs geführt hätte. Auch ein Gen, das zu einem übermässigen Wachstum von Schweineherzgewebe geführt hätte, wurde ausgeschaltet.

Der Leiter des zuständigen Transplantationsprogramms der Uni-Klinik, Muhammad Mohiuddin, erklärte nach Bennetts Tod, die Transplantation habe wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse erbracht. «Wir haben ausserordentlich wertvolle Einblicke gewonnen und gelernt, dass das Herz eines genveränderten Schweins gut im menschlichen Körper funktionieren kann, während das Immunsystem angemessen unterdrückt ist», erklärte der Professor. «Wir bleiben optimistisch und planen, unsere Arbeit in künftigen klinischen Versuchen fortzusetzen.»

Xenotransplantation als grosse Hoffnung

Allein in den USA warten derzeit rund 110’000 Menschen auf eine Spenderorgan. Offiziellen Zahlen zufolge sterben Jahr für Jahr mehr als 6000 Menschen, bevor eine Transplantation vorgenommen werden konnte.

Wegen des Mangels an menschlichen Spenderorganen setzt die Forschung grosse Hoffnung in die sogenannte Xenotransplantation – das Verpflanzen von Organen von einer Art zur anderen, in diesem Fall von Tier zu Mensch. Verpflanzt werden bereits Herzklappen von Schweinen und Schweinehaut bei Verbrennungsopfern. Schweine gelten aufgrund ihrer Grösse, ihres schnellen Wachstums und ihrer guten Züchtungseigenschaften als ideale Spendertiere.

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(AFP/DPA/fur/bre)

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