Projekt NetKafy: Davon träumen nicht nur Kaffee-Junkies
Aktualisiert

Projekt NetKafyDavon träumen nicht nur Kaffee-Junkies

Es fing mit einer schrägen Idee in der Büropause an - jetzt ist die Zeit reif für die weltweit erste Netzwerk-Kaffeemaschine mit vollautomatischem Tassen-Einzug. Wer hats erfunden?

von
Daniel Schurter

Die Erfinder sprechen stolz von der «coolsten Kaffeemaschine der Welt». Ihr Baby trägt den Namen NetKafy. Kurz gesagt ist es eine Kaffeemaschine, die ferngesteuert wird und vollautomatisch funktioniert. Wer Lust auf einen Kaffee oder Espresso hat, erteilt bequem vom eigenen Bildschirm aus einen Auftrag - den sogenannten «Kaffee-Job».

Sobald die Bestellung über das lokale Netzwerk getätigt wurde, legt Netkafy los. Zuerst wird die richtige Tassengrösse ausgewählt und aus dem Magazin geholt, dann brüht die Maschine die frisch gemahlenen Bohnen und transportiert schliesslich die gefüllte Tasse auf dem Förderband zum Abholpunkt - wo Zucker und Milch stehen.

Aus dem Zürcher Oberland

Entwickelt hat die NetKafy-Maschine die DBS AG in Wetzikon. «Wir hatten die Idee letztes Jahr beim Kaffeetrinken - der Prototyp ist nun seit wenigen Wochen fertig», sagt Geschäftsführer Urs Weber gegenüber 20 Minuten Online.

Die Informatiker aus dem Zürcher Oberland haben eine handelsübliche Kaffeemaschine umgebaut und mit einer Steuerungs-Software aus dem eigenen Haus ausgestattet. Dieses Programm wird von zahlreichen Unternehmen eingesetzt. Es hilft bei der Automatisierung von Abläufen, wie sie in der IT-Abteilung jeder Firma zum Alltag gehören.

Die NetKafy-Erfinder demonstrieren, dass nebst Servern und Computern jegliche andere «Hardware» in ein Netzwerk eingebunden werden kann. «Kaffeetrinken ist ja auch ein IT-Prozess», scherzt der DBS-Geschäftsführer. Während bei einem Drucker Papier und Toner nachgefüllt werden müssen, sind es bei NetKafy Wasser, Bohnen und Tassen.

Mit Mehrfachtassen-Einzug

Die «Höllenmaschine» verfügt über einen automatischen Mehrfachtassen-Einzug und verarbeitet auch «Sammel-Jobs». So könnte man beispielsweise direkt aus einer Sitzung heraus fünf Espressi und vier normale Kaffees ordern.

Die technische Umsetzung gestaltete sich äusserst schwierig. «Wir mussten tief in die Trickkiste greifen», sagt Weber. Wenn sich die Tassen wie von Geisterhand auf dem Förderband bewegen, sehe das ganz einfach aus. Dabei stecke Knochenarbeit dahinter. «Wir hätten den Prototypen ein paar Mal fast zum Fenster hinausgeworfen.»

Doch die Erfinder hielten durch - und können der Welt nun die «erste übers Netzwerk ansteuerbare Kaffeemaschine mit vollautomatischem Mehrfachtassen-Einzug» präsentieren. Zwar kann die NetKafy noch nirgends gekauft werden. Doch aus einer Kaffee-Idee könnte ein kommerzieller Erfolg werden. Er sehe ein grosses Marktpotenzial, sagt der DBS-Geschäftsführer. Als Anwendungsbereich nennt er neben dem Geschäftsalltag auch die Profi-Gastronomie. Die Service-Angestellten könnten ihre Bestellungen über ein mobiles Gerät eingeben - und die fertigen Getränke abholen.

Noch nicht erhältlich

Wer eine NetKafy-Maschine will, muss sich gedulden. Angaben zum Preis gibt es noch keine. Der Prototyp werde nun intensiv getestet und weiter verbessert, heisst es. Die Kaffeemaschine verfügt neben einem schnellen Ethernet-Anschluss auch über WLAN. Das heisst, sie kann auch drahtlos mit mobilen Geräten angesteuert werden. Die entsprechende App sei zwar noch Zukunftsmusik, sagt Weber. Doch die technische Umsetzung werde keine Probleme bereiten.

Das geniale Basiskonzept von NetKafy erlaubt es auch, die Kaffeemaschinen verschiedenster Hersteller aufzurüsten. Noch gibt es aber keine Kooperation mit einem bekannten Hersteller. «Unsere Idee wurde zunächst belächelt», sagt Weber. «Das hat sich geändert.»

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