02.01.2015 21:06

AussichtenDavor fürchten sich die Finanzexperten 2015

Der Rubel befindet sich auf Talfahrt, der Ölpreis schwächelt und auch die vermeintlich sichere Anlage Gold hat enttäuscht. Was bringt das neue Jahr?

von
Claudia Landolt
Für Händler könnte 2015 ein schwieriges Jahr werden.

Für Händler könnte 2015 ein schwieriges Jahr werden.

Dass 2015 ein herausforderndes Jahr für Wirtschaft und Börse wird, darin sind sich Ökonomen und Analysten einig. Das sind die drängendsten Themen, die Finanzexperten 2015 fürchten:

Gibt es eine Deflation in Europa?

Inflation ist das, was die meisten Volkswirte sich wünschen, zumindest in der Euro-Zone. Denn damit können auch Schulden entwertet – weginflationiert – werden. Doch in den meisten Industrieländern fehlt dieser Inflationsdruck, warnt Mark Burgess, Chief Investment Officer des Fondshauses Threadneedle. Im Gegenteil, ihnen droht die Deflation. EZB-Chef Mario Draghi will dies verhindern und plant mit dem Kauf von Staatsanleihen zu beginnen, um die Wirtschaft anzukurbeln. «Europa steht noch ganz am Anfang eines langen Weges», sagt Didier Saint-George von Camignac. Felix Brill, Chefökonom von Wellershoff & Partners, ist sich sicher, dass auch die Einführung des Negativzinses der Schweizerischen Nationalbank per 22. Januar damit in Zusammenhang steht.

Geht die Russlandkrise weiter?

Die Politik von Putin hat Russland in die politische Isolation getrieben und den Rubel in die Tiefe geschickt. Das ist ein Signal an die Weltbörsen, die die Vorstellung einer neuen Rubelkrise nicht goutieren dürften und vor allem ist es ein Problem für Anlagen in Russland. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: «Russland lässt keine Pläne für eine klare strukturelle Erneuerung erkennen. Dem Land droht eine Phase des Stillstands, zumal es extrem abhängig von Rohstoffexporten ist.»

Hat die Rezession in Russland negative Folgen für die Schweiz?

«Eine Rezession in Russland hat keine bedeutende direkte negative Auswirkung auf Schweizer Firmen», sagt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Es gäbe kein grösseres Schweizer Unternehmen mit einem Umsatzanteil von mehr als 5 Prozent im russischen Markt. Zudem beträgt der Anteil der Warenexporte nach Russland gerade 1,3 Prozent aller Schweizer Warenexporte.

Was macht der Goldpreis?

Gold ist nicht mehr so attraktiv wie in der Zeit kurz nach der Finanzkrise. Selbst vor der aktuellen Rubelkrise zeigte sich Gold unbeeindruckt. Dennoch raten Analysten nicht zu Goldanlagen. «Wir rechnen mit ETF-Abflüssen von 300 bis 400 Tonnen. Dies würde den Goldpreis auf 1050 Dollar je Feinunze drücken», sagt die UBS in ihrem Ausblick. Auch Carste Menke, Rohstoffanalyst bei der Bank Julius Bär meint, die Nachfrage der Anleger nach Gold werde weiter abnehmen.

Steigt der Dollar?

Der Dollar verhält sich oft entgegengesetzt zum Goldpreis. Da die Weltwirtschaft aber 2015 stärker wächst, ist eine Leitzinserhöhung in den USA denkbar. Diese würde den Dollar stärken. Für den Wechselkurs des Frankens gegenüber dem Euro zeigt der Konsensus der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich einen Kurs von 1,23 in drei Monaten. Beim Franken-/Dollarkurs rechnen die Experten mit 91 Rappen pro Dollar. Längerfristig (in 12 Monaten) dürfte der Franken gegenüber dem Euro bei 1,23 zu liegen kommen, gegenüber dem Dollar dürfte der Kurs bei 0,95 Franken pro Dollar liegen.

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